Mozart-Oper "Cosi fan tutte" spaltet das Publikum in Magdeburg mit KI-Inszenierung

Magdeburg - Am Samstagabend feierte das Theater Magdeburg die Spielzeiteröffnung und die erste große Opern-Premiere. Mit Mozarts "Cosi fan tutte" setzt das Vierspartenhaus auf eine originelle und umstrittene Inszenierung.

Das Theater Magdeburg feierte Premiere von "Cosi fan tutte".  © Theater Magdeburg/Nilz Böhme

Regisseurin Martina Gredler schnappte sich die bekannte Mozart-Oper und dachte sie komplett neu. Die Handlung um Ferrando und Guglielmo, die die Treue ihrer Partnerinnen Fiordiligi und Dorabella testen wollen, bleibt grundlegend die gleiche.

Doch Don Alfonso, der die zwei Männer zu einer Wette anstachelt, wird in der Magdeburger Version prompt zu einem Start-up-Gründer und statt sich zu verkleiden, sollen die Frauen mit KI-Chatbots verführt werden.

Die Kostüme von Moana Stemberg sind zunächst stark an den Stil der 80er-Jahre angelehnt, bevor die Charaktere in eine virtuelle Welt voller künstlicher Intelligenz abtauchen und die Kleidung mehr einem Videospiel ähnelt.

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Auch das wirklich sehr originelle Bühnenbild von Anneliese Neudecker lässt vermuten, dass jede Sekunde Super Mario mit Bowser um die Gunst von Prinzessin Peach kämpft oder Tetris-Blöcke vom Himmel fallen.

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Schmaler Grat zwischen Witz und unangebrachter Albernheit

Die Charaktere tauchen in eine KI‑Welt ab …  © Theater Magdeburg/Nilz Böhme

Der Start in diese Eröffnungspremiere war zugegeben schleppend. Im Saal waren einige Plätze freigeblieben - was für eine Spielzeiteröffnung schon ungewöhnlich ist -, und der Szenenapplaus blieb für die komplette erste Hälfte fast komplett aus.

Spätestens aber als die sechs Rollen in die Computer-Welt abtauchten, wachte das Publikum endlich auf. Ob nun begeistert, entsetzt oder einfach überrascht über diese ausgesprochen originelle Idee, verfolgten die Zuschauer den Rest der gut dreieinhalbstündigen Oper gespannt.

Regisseurin Gredler ging mit einer unerwarteten Komik an die "Tutte" und inszenierte die Geschichte der beiden Paare als obszön-komische Parodie. Dabei tanzt die Interpretation auf einem sehr schmalen Grat zwischen Albernheit und gelungenem Witz, hält aber glücklicherweise die Waagschale - meistens zumindest.

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Das dürfte es auch sein, was das Publikum am Premierenabend so sehr spaltete. Einige wenige verließen in der Pause oder schon vor dem Applaus wutentbrannt den Saal, die anderen lachten aus vollem Hals und bedankten sich mit stürmischen Ovationen bei allen Beteiligten.

… und verlieben sich in einen virtuellen Avatar.  © Theater Magdeburg/Nilz Böhme

Ist "Cosi fan tutte" einen Besuch wert?

Ist "Cosi fan tutte" einen Besuch wert?  © Theater Magdeburg/Nilz Böhme

Neben den hauseigenen Darstellern wurde auch Gast-Sopran Sheva Tehoval immer wieder zum Hingucker mit ihrer ulkigen und listigen Despina. Schade nur, dass bei all dem bunten Kitsch und Spaß das eigentliche Herzstück, nämlich die wirklich herausragende Gesangsleistung des kompletten Ensembles, oft überschattet wurde.

Fazit: "Cosi fan tutte" am Theater Magdeburg ist der Inbegriff von Geschmackssache. Erwartet man einen klassischen Mozart mit traditionellem Bühnenbild und anmutigen Kostümen, dann wird es ein sehr langer Abend.

Ist man offen für eine derart schrille, neu-moderne und ironische Interpretation des 230 Jahre alten Klassikers, dann lässt es sich gut gucken. Das Musikstück glänzt mit absoluter Originalität, einem Spitzenklasse-Ensemble und ist etwas, was es so noch nie gab.

Weitere Vorstellungen findet Ihr auf dem Spielplan des Theaters.

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