Anschlagsopfer wehren sich gegen Nutzung des Prozess-Gebäudes: "Unfassbar" und "respektlos"

Magdeburg - Der Plan, das Interims-Gerichtsgebäude am Jerichower Platz als Schwimmhalle zu nutzen, könnte bald fix sein. Doch viele Opfer des Anschlags auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt sind dagegen.

Das Interimsgericht in Magdeburg könnte als Schwimmhalle genutzt werden.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

In dem Gerichtsgebäude, wo noch bis Ende Juni der Prozess gegen den Attentäter vom Magdeburger Weihnachtsmarkt abgehalten wurde, soll nicht wie ursprünglich geplant abgerissen, sondern zur Schwimmhalle umfunktioniert werden. Darüber entscheidet der Magdeburger Stadtrat am Donnerstag.

In einer Online-Petition und einem Brandbrief wehren sich nun Betroffene des Anschlags gegen die Pläne der Stadt. Sie betiteln das Vorhaben als "unfassbar", "respektlos" und "einen weiteren großen Fehler der Stadt".

Das Prozessgebäude wirke wie ein Denkmal, was für den Attentäter gebaut wurde. Es sei problematisch, aus diesem Platz einen Sport- oder Freizeitort zu machen, heißt es.

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Diese Ansichten würden aber nicht alle Betroffenen teilen. "Wenn aus dem Ort des Prozesses, der mit großem Leid verbunden ist, ein Ort für die Gemeinschaft wird, kann das meines Erachtens auch versöhnend wirken", sagte die Landesopferbeauftragte Gabriele Theren zu MDR Sachsen-Anhalt.

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Stadtrat entscheidet: Trainieren Schwimm-Stars ab November im Prozessgebäude?

Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris (63, parteilos).  © Matthias Bein/dpa

Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris (63, parteilos) möchte weiterhin an den Plänen festhalten, jedoch müsse der Stadtrat entscheiden.

Hintergrund für das Vorhaben ist die Schließung der Elbeschwimmhalle an Weihnachten 2025, in der unter anderem Magdeburgs Leistungssportler trainierten. Über einen Ersatz wurde diskutiert.

Borris sagte dem MDR, dass das Prozessgebäude ab November gemietet und dann ein Pool mit insgesamt acht 50-Meter-Bahnen aufgebaut werden soll.

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Die Kosten liegen laut der 63-Jährigen bei rund 3,7 Millionen Euro, das Land wolle rund 700.000 Euro dazugeben.

In der Halle sollen dann bis Juni 2028 die Sportler des Bundesstützpunktes Schwimmen trainieren, wie etwa Magdeburgs Star-Schwimmer Florian Wellbrock (29), Lukas Märtens (24) und Isabel Gose (24).

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