Es geht um Leben! So könnt Ihr mit Eurem Garten zur Rettung vieler Arten beitragen

München - Es war eine Initiative, die enormen Zuspruch erhielt: "Rettet die Bienen!" Hunderttausende in Bayern haben den Aufruf im vergangenen Jahr unterstützt. Neue Gesetze sollen nun im Freistaat die Artenvielfalt retten. Doch das wird nicht reichen. Das Umdenken dauert. In Privatgärten fühlen sich Insekten weiterhin oft nicht sonderlich wohl.

Ein Schmetterling sitzt auf Heidekraut im Sonnenschein
Ein Schmetterling sitzt auf Heidekraut im Sonnenschein  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Löwenzahn, Distel, Klee, ungemähte Wiese - ein gepflegter Garten sieht anders aus. Wo mancher Nachbar nun die Nase rümpft, kann für Insekten das wahre Paradies liegen. Bienen, Hummeln oder auch Schmetterlinge finden Nahrung. Alles blüht.

In Gärten, in denen hingegen der Rasenroboter das Gras millimetergenau auf Höhe hält und dicke Blüten gefüllter Dahlien, Rosen, aber auch Tulpen und Narzissen leuchten, bleiben sie hungrig. 

Zu Gunsten der Optik haben viele gezüchtete Blumen zurückgebildete oder keine Staubblätter - und damit keine Pollen und auch keinen Nektar.

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Wissenschaftler werben zum Weltbienentag am Mittwoch (20. Mai) für weniger akkurate Pflege und mehr Unordnung in Gärten und Grünanlagen. "Je schlampiger das aussieht, desto besser ist es für die Insekten", sagt entsprechend Andreas Segerer von der Zoologischen Staatssammlung München. 

"Man kann auf den ersten Blick den Artenreichtum einer Wiese und eines Parks daran schätzen, wie viele unterschiedliche Farben, Formen und Strukturen man sieht", erklärt er.

Die Vereinten Nationen haben den Weltbienentag im Jahr 2018 ins Leben gerufen, um auf mehr Schutz der Bienen zu drängen. Bayern ist Vorreiter. Fast 1,75 Millionen Menschen hatten hier Anfang 2019 das Volksbegehren "Rettet die Bienen" mit ihrer Unterschrift unterstützt, im Juli verabschiedete der Landtag strengere Regeln im Umwelt-, Natur- und Artenschutz.

Biotope sollen in diesem Zusammenhang besser vernetzt, Gewässerrandstreifen an Äckern und Straßen mehr geschützt, der Einsatz von Pestiziden eingeschränkt und darüber hinaus der ökologische Anbau ausgebaut werden.

Volksbegehren hat viele Menschen sensibilisiert

Bundesweit leben etwa 580 Wildbienen-Arten.
Bundesweit leben etwa 580 Wildbienen-Arten.  © Frank Rumpenhorst/dpa

Das Volksbegehren habe viele sensibilisiert, sagt Petra Friedrich vom Deutschen Imkerbund. Dennoch sehe man vielerorts in Deutschland weiter "Schottergärten" und kurz gemähte Rasenflächen. "Wenn man in so eine Neubausiedlung hineinschaut, dann ist das nicht nur für Insekten eine Wüste." Ihre Botschaft lautet deshalb: "Ihr müsst nicht Imker werden, um Bienen zu helfen." 

Vor allem Wildbienen seien bedroht. Bundesweit leben etwa 580 Arten, an die 40 gelten als ausgestorben. Anders als Honigbienen, die als "Haustiere" mit Zuckerwasser über den Winter gebracht und medikamentös gegen Krankheiten geschützt werden, leben Wildbienen allein. Sie sind auf ganz bestimmte Pflanzen angewiesen und leisten gerade hier wichtige Arbeit beim Bestäuben.

Segerer sieht Bayern mit seinen neuen Regelungen für Deutschland in einer "Vorbildfunktion". 

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Die "Wirkmächtigkeit" dessen, was auf den Weg gebracht wurde, reiche aber nicht. "Der Flächenfraß als wesentlicher Faktor beim Insektensterben ist davon überhaupt nicht tangiert." 

So seien etwa die Genehmigung von Pestiziden und Düngeregeln nicht Sache des Freistaates. 

Auch der durch intensive Landwirtschaft und Verkehr angereicherte Stickstoff, der einen düngenden Effekt auf Pflanzen hat, schade. "Das ist wie im Schlaraffenland: Der Tisch ist gedeckt - aber die meisten Arten sind an Mangelbedingungen angepasst." 

Sie gehen ein - "und mit ihnen Insekten, die von ihnen lebten, und damit andere Insekten, die auf diese Insekten angewiesen sind. Das gibt Dominoeffekte". Teils änderten sich mit der Düngung die Inhaltsstoffe der Pflanzen, was einigen Raupen nicht bekomme, sagt Segerer. 

Auch entsprechende Duftstoffe einer Pflanzen können sich durch Überdüngung wandeln, Schmetterlinge oder andere Insekten erkennen sie dann nicht mehr. Honigbienen verloren durch Pestizide die Orientierung und fanden nicht mehr zu ihrem Volk. Zudem wurden sie anfälliger gegen Krankheiten, etwa die Varroa-Milbe.

Hauptproblem bleibt Wissenschaftlern zufolge intensive Landwirtschaft

Eine Biene landet auf einer Blüte in einem Garten.
Eine Biene landet auf einer Blüte in einem Garten.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Düngung, Pestizide - Hauptproblem bleibt forschenden Wissenschaftlern zufolge die intensive Landwirtschaft. Bundesweit wurden im Jahr 2018 nach Daten des Umweltbundesamtes 50,8 Prozent der Gesamtfläche landwirtschaftlich genutzt. Siedlung und Verkehr nahmen 13,9 Prozent ein. 

Teils sind die Städte artenfreundlicher als das Umland. Laut Friedrich vom Deutschen Imkerbund ist das einer der Gründe für den Trend zum Imkern in der Stadt. "Die Bedingungen sind besser als auf dem Land. Durch Parks, Friedhöfe und Kleingärten gibt es ein vielfältigeres Nahrungsangebot."

Die jeweiligen Bauern weisen die alleinige Schuld am Artensterben weit von sich. 

Sie hätten "nach wie vor großes Unverständnis", dass sie als einzige Gesellschaftsgruppe zusätzliche Auflagen in diesem Kontext beachten sollten. 

"Die Umsetzung des Volksbegehrens bleibt bisher einseitig", sagt Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbandes und ergänzt: "Bis heute gibt es keine verbindlichen Vorgaben für mehr Artenvielfalt bei Kommunen, Hausbesitzern, Kirchen oder Industrie." Aber: "Insekten, Bienen und Artenschutz gehen alle an."

Stefan Spiegl, Präsident des Landesverbands Bayerischer Imker, sieht durch das Volksbegehren mehr Aufmerksamkeit für Bienen, aber noch kaum Veränderungen. "Ich denke, dass es ein paar Jahre braucht, bis die Maßnahmen Wirkung zeigen."

Auch der Klimawandel betrifft nach seiner Beobachtung die Bienenvölker. Durch die größere Trockenheit hätten Pflanzen weniger Nektar. Der direkte Wechsel von Winter auf Sommer ohne Frühjahr führe zudem dazu, dass die Bienenvölker zur Blütezeit nicht ihre volle Stärke hätten, da der Nachwuchs erst schlüpfe.

Segerer sieht im Schwund der Arten eine noch größere Bedrohung für die Welt als im Klimawandel. "Bei Artensterben und Überdüngung der Erde sind wir im ultraroten Bereich." Nach Segerers Einschätzung ist ein Massenartensterben im Gange wie zuletzt nach dem Asteroideneinschlag vor 66 Millionen Jahren. Damals seien rund 76 aller Arten verschwunden. 

Die Corona-Krise zeige: "Kipppunkte können überraschend schnell das ganze System nach unten reißen." Wenn mit dem Artenschwund Ökosysteme zusammenbrechen, drohten gesellschaftliche Konflikte um immer knappere Ressourcen. Die Gefahr steige. Denn: "Die Zerstörung der Lebensräume geht weiter."

Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

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