Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg: Merz tanzt zur Apokalypse

Von Marco Hadem, Christoph Trost

München - Verbales Abrüsten auf dem Münchner Nockherberg: Im Jahr eins nach der kritisierten Fastenpredigt von Maxi Schafroth (41) hat sich die Tonlage beim traditionsreichen "Derblecken" (Verspotten) beim Starkbieranstich hörbar verändert. Neu-Fastenprediger Stephan Zinner (51) schlug bei seiner Premiere meist deutlich sanftere Töne an.

Stephan Zinner (51), Kabarettist, bei seiner Fastenrede während des Starkbieranstichs in der Paulaner Brauerei am Nockherberg.  © Peter Kneffel/dpa

Der erfolgreiche Schauspieler fasste die versammelte Polit-Prominenz weniger hart an als sein Vorgänger. Dafür fanden sich im anschließenden Singspiel teils Einlagen, die den Freunden des schwarzen Humors einen Kloß im Hals bescherten.

"Für mich ist das Derblecken - gerade jetzt - ein positives Signal von hier an den Rest der Republik", eröffnete Zinner seine Premierenrede, die sich zunächst insbesondere an Ministerpräsident Markus Söder (59, CSU) abarbeitete. Er durfte sich Sätze wie "groß ist, wer sich kleinmachen kann, ohne sich klein zu fühlen" anhören.

In Erinnerung bleiben dürfte Zinners Abgesang auf den gesunden Menschenverstand.

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Das Augenmaß sei durch Dauerempörung, Parteitage, Bierzelte und Talkshows "in Berlin ausgestorben, in München in Gefangenschaft, in Brüssel auf der Fahndungsliste".

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Positive Kritiken von derbleckten Politikern

Ministerpräsident Markus Söder (59, CSU, l.) trifft auf sein Double Thomas Unger (56).  © Peter Kneffel/dpa

Auch Bundeskanzler Friederich Merz (70, CDU) bekam sein Fett weg: "Weil, wer von Brandmauern spricht und zugleich mit den Fackeln der Worte zündelt, der sollte schon wissen, dass oft nur ein Funke genügt, damit der Stammtisch brennt."

Die ersten Meinungen der "Derbleckten" fiel deutlich wohlwollender aus als noch vor einem Jahr. "Guter Start, war insgesamt viel Gutes dabei", sagte Söder. Er werde die Hinweise Zinners nun auf sich wirken lassen.

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Zuschauern bleibt das Lachen im Halse stecken: apokalyptisches Szenario im Singspiel

Friedrich Merz (David Zimmerschied, 42) und Bärbel Bas (Nikola Norgauer, 53) treten beim Singspiel auf.  © Peter Kneffel/dpa

Das Singspiel in Form einer teils apokalyptischen Fantasiewelt lieferte so manche Eitelkeit von Söder (als Barde), Merz (in Ritterrüstung aus Kochtöpfen) und Co.

Den Autoren Stefan Betz und Richard Oehmann gelang es wieder, eine Welt zu kreieren, in der sich Kommunal-, Landes- und Bundespolitik zu einem großen Ganzen vermischten.

Nicht nur bei der Tanzeinlage von Friedrich Merz (David Zimmerschied, 42) und Bärbel Bas (Nikola Norgauer, 53) zur fehlenden deutschen Aufbruchsstimmung zeigte sich, dass es eben nicht reicht, "immer im Kreis herum" zu laufen.

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Neben viel Heiterkeit gab es auch Momente mit schwarzem Humor, bei dem dem Publikum das Lachen bisweilen im Hals stecken blieb.

Als Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (Wowo Habdank, 53) über die Abschiebung von Amira aus Syrien und die verbotene Einreise der afghanischen Ortskraft Herr Ibrahim sang, wurde es kurz still am Nockherberg.

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