Lamm auf Hochhausdach geboren: Diese wolligen Babys sind etwas ganz besonders

München - Blumen sprießen, Knospen springen auf, und niedliche Tierbabys werden geboren. Der Frühling hält allerlei Schönes bereit. In München sind zwei Lämmchen auf die Welt gekommen - an einem ungewöhnlichen Ort. Einblicke in eine besondere Naturidylle mitten in der Stadt.

Das wollige Lamm eines Walliser Schwarznasenschafe liegt auf dem Dach des Hochhauses in München.
Das wollige Lamm eines Walliser Schwarznasenschafe liegt auf dem Dach des Hochhauses in München.  © Sven Hoppe/dpa

Eine geballte Ladung Niedlichkeit gibt es derzeit im Werksviertel Mitte in München zu bewundern, ausgerechnet auf einem Hochhausdach. 

Denn dort grasen Schafe und die haben gerade wollige Lämmchen bekommen. Walliser Schwarznasenschafe sind es, die auf einer Wiese hoch über München Gras zupfen.

Dachgärten liegen im Trend - sie verbessern das Klima in den Städten und speichern im Erdreich den Regen. 

Gunter Mann, Präsident des Bundesverbandes Gebäudegrün in Berlin, vermutet, dass es bundesweit etwa 120 Millionen Quadratmeter begrünte Dächer gibt, davon etwa 15 Prozent mit richtigen Gärten. 

Ein Beispiel ist die Grüne Zitadelle in Magdeburg nach den Plänen des Künstlers Friedensreich Hundertwasser. Doch das Münchner Projekt mit den Schafen auf dem Dach sei etwas Besonderes, zumindest in Deutschland, ist Mann überzeugt.

Wer mit dem Aufzug in den sechsten Stock des Hochhauses Werk 3 fährt und ins Freie tritt, landet in einer Mischung aus Industrieromantik und Naturidylle.

Naturidyll auf Hochhausdach in München: Ein Paradies für Schafe, Insekten und Kaninchen

Die Schafe grasen im Münchner Werksviertel auf dem Dach des Hochhauses Werk3.
Die Schafe grasen im Münchner Werksviertel auf dem Dach des Hochhauses Werk3.  © Sven Hoppe/dpa

Zwischen silberglänzenden Metallgehäusen von Haustechnikanlagen ist eine grüne Wiese. Hinter einem Holzzaun hoppelt ein Kaninchen, ein Stück weiter reihen sich frisch befüllte Hochbeete aneinander. 

Der Blick vom Dach schweift über das Werksviertel bis hin zur Frauenkirche, zum Olympiaturm und bei Sonnenschein weit in die Ferne bis zu den Alpen.

Im Oktober 2017 wurden die ersten Tiere mit dem Lastenaufzug nach oben gebracht. Momentan leben vier Schafe und zwei Lämmchen auf 2500 Quadratmetern. 

Der Widder ist gerade anderswo untergebracht, "damit die Schafe mal Ruhe haben und auch mal eine zeitlang nicht trächtig sind", erklärt Sebastian Franz, der die Tiere und den Garten pflegt. 

Kindergruppen können hier nach Voranmeldung ein Stück Natur erleben und erforschen, Hochbeete bepflanzen oder Kaninchen füttern. Bienen summen vor zwei Bienenstöcken. Und in einem Fluchttreppenhaus lebt sogar eine Ameisenkolonie, die mit Blättern des Rosengartens auf dem Dach gefüttert wird und durch ein System aus Rohren bis ins Erdgeschoss wandern kann.

Die Almschule mit den Tieren ist Teil eines nachhaltigen und ökologischen Gesamtkonzeptes im Werksviertel. Ein benachbartes Dach mit Totholz und einem Versickerungstümpel soll Insekten anlocken. 

Der Plan für ein anderes Dach: "Ein Rundweg, wo die Menschen morgens über die Häuser joggen können", sagt der Schäfer Nikolas Fricke.

Urbanes Lebensgefühl auf Hochhaus: Sind Schafe schwindelfrei?

Hier lässt es sich aushalten: Walliser Schwarznasenschafe haben mitten in München ein Naturidyll für sich entdeckt.
Hier lässt es sich aushalten: Walliser Schwarznasenschafe haben mitten in München ein Naturidyll für sich entdeckt.  © Sven Hoppe/dpa

Bis 1996 wurden auf dem Industriegelände neben den Bahngleisen unter anderem Knödel und andere Kartoffelprodukte hergestellt. Danach wurde daraus eine Partyzone - erst der Kunstpark Ost, dann die Kultfabrik. 

Seitdem hat sich viel getan, und das Areal vermittelt ein für München sonst eher ungewohntes urbanes Lebensgefühl. Künstler, Geschäfte, Restaurants, Büros und Startup-Unternehmen haben sich angesiedelt, auch Räumlichkeiten für Musik und Theater gibt es. Und es wird viel gebaut. 

Das Münchner Konzerthaus soll in Blickweite der Schafweide entstehen, ein Prestigebau des Freistaats Bayern für das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Bis der Bau vielleicht nächstes Jahr beginnt, steht hier ein Riesenrad, als Zwischennutzung.

Die Schafe mit ihren charakteristischen schwarzen Flecken an Maul, Ohren und Knien beeindruckt das alles wenig. Die Mutterschafe und ihre Jungen stehen eng beeinander. 

Ob Schafe schwindelfrei sind? "Es sind Bergschafe, insofern hätten sie schon mal kein Problem mit der Höhe", meint Fricke, der auch Beauftragter für Nachhaltigkeit und Forschung im Werksviertel-Mitte ist. 

Außerdem ist da noch die extra hohe Brüstung. "Bisher ist uns noch kein Schaf vom Dach gefallen", meint Fricke und lacht. Dazu seien die Tiere auch viel zu schwer. "Ziegen sollte man hier nicht halten, weil die auf jeden Ast klettern."

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

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