Krause oder Reiter? Heiße Phase im Münchner Wahlkampf
Von Britta Schultejans
München - Eine Woche noch, dann entscheidet sich, wer künftig im Münchner Rathaus regiert. Amtsinhaber Dieter Reiter (67, SPD) oder der beinahe halb so alte Dominik Krause (35, Grüne)?
Dieter Reiter gibt sich beim SPD-Wahlkampf-Termin im Stadtteil Untergiesing-Harlaching selbstkritisch: "Diese Stadt ist die letzten zwölf Jahre nicht schlecht gelaufen. Und dann bitte ich halt alle, die letzten zwölf Jahre nicht an drei Wochen zu messen, die ich tatsächlich schlecht gearbeitet habe. Schlecht gearbeitet und schlecht nach außen kommuniziert", sagt der seit 2014 amtierende SPD-Oberbürgermeister, der nach den Schlagzeilen über seine Posten beim FC Bayern überraschend schlecht abgeschnitten hat bei der Wahl, bei der er für eine dritte Amtszeit kandidierte.
Etwas später ein paar Kilometer entfernt ist weniger los, die Stimmung ist entspannt. Reiters Herausforderer Dominik Krause steht am Eingang zum Englischen Garten, spricht mit Radfahrern, die am Info-Stand der Grünen absteigen, umarmt Menschen, die er offenbar kennt.
Der 35-Jährige hat Gas gegeben nach seinem überraschend guten Abschneiden mit 29,5 Prozent bei der Wahl am 8. März und seit dem historischen Tag als ein Kandidat der Grünen einen amtierenden Münchner Oberbürgermeister (35,6 Prozent der Stimmen) in die Stichwahl zwang.
Krause gibt alles: Fast doppelt so vielen Terminen wie Reiter
"Seit Beginn des Stichwahlkampfs am 9. März wird Dominik Krause damit bis zur Stichwahl am 22. März voraussichtlich mindestens rund 60 Wahlkampftermine und Aktionen wahrgenommen haben, je nach Einrechnung der kleineren Termine auch deutlich mehr", sagt ein Sprecher der Münchner Grünen auf Anfrage.
Bei Reiter sind es etwas mehr als die Hälfte: "Seit dem 8. März bis zur Stichwahl absolviert Herr Oberbürgermeister Reiter rund 35 Termine", heißt es von der SPD.
Auf Krauses Instagram-Profil gibt es ebenfalls viel Bewegung - nicht nur mit immer neuen Beiträgen, sondern auch mit immer neuen Followern. Knapp 62.000 hat er inzwischen, seit der Wahl mehr als 10.000 dazugewonnen. Wenn das so weitergeht, hat der Zweite Bürgermeister den Oberbürgermeister (63.800 Follower) damit bald überholt.
"Veränderungen in der Zahl der Instagram-Follower sind interessant mit Blick auf die unterschiedlichen Wählermilieus, deren Erreichbarkeit und potenzielle Mobilisierung. Gleichzeitig sollte man in diese Zahlen nicht zu viel hineininterpretieren: Ein Großteil der Münchner Wählerschaft ist nicht auf Social-Media-Plattformen aktiv", sagt Ursula Münch, Direktorin der Akademie für politische Bildung in Tutzing.
Politikwissenschaftler: Wer kann CSU-Wähler überzeugen?
"Krause konnte sofort montags loslegen, während Reiter zunächst einmal noch seine Causa FC Bayern zu klären hatte. Inzwischen nimmt der OB-Wahlkampf aber Fahrt auf - endlich, würde ich sagen, denn vor dem ersten Wahlgang war das eher ein langweiliger, einschläfernder Wahlkampf", sagt der Politologe und Experte für Kommunalpolitik an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, Martin Gross.
Bei der Stichwahl am 22. März wird es nun vor allem darauf ankommen, welchem Kandidaten es gelingt, die Anhänger zu überzeugen, die am 8. März noch für einen anderen Kandidaten gestimmt haben - für den drittplatzierten Clemens Baumgärtner (CSU) zum Beispiel, der 21,3 Prozent bekam.
Beide Politikwissenschaftler gehen davon aus, dass es am Ende für den Amtsinhaber reicht. "Reiter und der SPD dürfte es leichter fallen, bisherige CSU-Wähler gegen den Grünen-Kandidaten zu mobilisieren", sagt Münch.
Und der Politologe Gross sagt: "Meine Prognose wäre immer noch, dass Dieter Reiter die Stichwahl knapp gewinnen wird, solange es keine weitere Affäre gibt bzw. in der Causa FC Bayern jetzt nicht noch weitere Details ans Licht kommen."
Titelfoto: Lukas Barth-Tuttas/dpa (2)
