Betriebskosten-Explosion: Mieter reichen Klage gegen Vonovia ein

Dresden - Der Streit um undurchsichtige Betriebskostenabrechnungen zwischen Vonovia und Hunderten Mietern eskaliert. Nachdem sich der Großvermieter laut Mieterverein weigert, Belege zur Prüfung gestiegener Abrechnungen vorzulegen, reichten 14 Mieter Klage ein.

Mietervereins-Chef Peter Bartels (74) und Jurist Jan Bröchler (42) unterstützen Hunderte Mieter in Widerspruchsverfahren gegen Vonovia.
Mietervereins-Chef Peter Bartels (74) und Jurist Jan Bröchler (42) unterstützen Hunderte Mieter in Widerspruchsverfahren gegen Vonovia.  © Steffen Füssel

Es betrifft Tausende Mieter in Dresden. Seit Vonovia (über 38.000 Wohnungen) seine Hausmeisterdienste von einer eigenen Firma erledigen lässt, sind die Nebenkosten (2016/17) teils um Hunderte Euro gestiegen. "Vonovia geht davon aus, dass 80 Prozent der Mieter zahlen", sagt Peter Bartels (74), Chef des Mietervereins Dresden und Umgebung (15.462 Mitglieds-Haushalte). Die exorbitanten Kostensteigerungen betragen beim Winterdienst teils bis zu 600 Prozent.

Problematisch: Wie die Kosten zustande gekommen sind, kann oder will Vonovia laut Verein bislang nicht ausreichend belegen. Und das, obwohl Hunderte Mieter in Widerspruch gingen, darin Belege forderten. Vonovia-Sprecher Matthias Wulff (43): "Wir haben alle notwendigen Leistungsnachweise, Rechnungen und Verträge offengelegt und erläutert."

Doch laut Mieterverein verweigert der Konzern für 65 Wohnblocks gänzlich jede Einsicht in Abrechnungsunterlagen.

Es geht um unzureichend nachgewiesene Kosten in Höhe von 100 bis 350 Euro pro Haushalt. Zudem ist strittig (wird auch gerichtlich geklärt), ob Vonovia überhaupt Gewinn mit den Betriebskosten erwirtschaften darf.

"Vonovia stellte die Gespräche mit uns ein, will keine weiteren Belege herausgeben", so Jan Bröchler (42), Jurist des Mietervereins. Darum hätten 14 Mieter nun Klage auf Herausgabe der Belege beim Amtsgericht Dresden eingereicht. "Eine Mieterin bekam bereits recht", so Bröchler. In einem zweiten Klageschritt kann nun geklärt werden, ob die Abrechnungen rechtmäßig sind. Zu den Klageverfahren wollte sich Vonovia am gestrigen Donnerstag nicht äußern.

Laut Verein habe Vonovia trotz offener Verfahren jetzt begonnen, gerichtliche Mahnverfahren einzuleiten, Mahnbescheide auf Zahlung zu verschicken. Betroffene sollten den Mieterverein oder die Verbraucherzentrale kontaktieren.

Ärger mit undurchsichtigen Nebenkosten haben Vonovia-Mieter in ganz Dresden, insbesondere Prohlis, Leuben, Johannstadt und Gorbitz (F.).
Ärger mit undurchsichtigen Nebenkosten haben Vonovia-Mieter in ganz Dresden, insbesondere Prohlis, Leuben, Johannstadt und Gorbitz (F.).  © imago/Robert Michael
Vonovia-Sprecher Matthias Wulff (43): "Die Abrechnungen sind korrekt, die Abrechnungen sind zu begleichen."
Vonovia-Sprecher Matthias Wulff (43): "Die Abrechnungen sind korrekt, die Abrechnungen sind zu begleichen."  © Siemon Bierwald/Vonovia
14 Klagen reichten Dresdner Vonovia-Mieter bereits ein, um Einsicht in fehlende Belege für die Betriebskostenabrechnung zu erlangen.
14 Klagen reichten Dresdner Vonovia-Mieter bereits ein, um Einsicht in fehlende Belege für die Betriebskostenabrechnung zu erlangen.  © picture alliance/dpa-tmn

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