Aus für Begegnungszentrum in der "Prager": ASB sperrt zu Weihnachten Senioren aus

Dresden - Traurige Weihnachten für viele Senioren in der Prager Zeile in Dresden. Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) löste ihre Betreuungsverträge auf, schloss das beliebte Begegnungszentrum im Haus. Auch ihre Weihnachtsfeier fiel darum aus.

Viele Senioren der Prager Zeile besuchten regelmäßig das Seniorenzentrum.
Viele Senioren der Prager Zeile besuchten regelmäßig das Seniorenzentrum.  © Steffen Füssel

Dabei waren die Hausbewohner vor elf Jahren wegen der ASB-Betreuung und der Begegnungsstätte mit mehreren Räumen (zweiter Stock) in die altersgerechten Wohnungen gezogen.

"Ich wollte nicht alleine sein, hier einen schönen Lebensabend verbringen", sagt Brigitte Aldus (86) traurig. Hausbewohnerin Helga Treichel (90): "Im Begegnungszentrum haben wir gemeinsam gesungen, gegessen, Bingo gespielt. Auch Fasching und Geburtstage gefeiert."

Doch über die Jahre wechselten einige Bewohner ins Pflegeheim, andere starben. "In die freien Wohnungen zogen dann auch junge Leute nach", so Seniorin Aldus.

Mit der geringeren Auslastung des betreuten Wohnens sanken die Einnahmen für den ASB. "Darum flossen auch städtische Mittel zur Unterstützung", sagt Thomas Löser (47, Grüne), der sich als Wahlkreisabgeordneter für die Senioren stark macht.

Laut Rathaus erhielt der ASB 60.000 Euro für Personal- und Sachkosten. Auch für 2019 und 2020 waren Fördermittel vorgesehen.

Sind die Behörden die Schuldigen?

Betreuungsvertrag aufgelöst, Begegnungsstätte dicht gemacht, Weihnachtsfeier abgesagt: Helga Treichel (90) ist verärgert und traurig.
Betreuungsvertrag aufgelöst, Begegnungsstätte dicht gemacht, Weihnachtsfeier abgesagt: Helga Treichel (90) ist verärgert und traurig.  © Steffen Füssel

Doch der ASB eröffnet im Januar lieber eine Tagespflege (17 Plätze). Dieser muss die Begegnungsstätte weichen. Die Senioren erfuhren das via Hausaushang. Ihre Betreuungsverträge wurden aufgelöst.

Doch damit nicht genug: Geplant war, dass die Senioren wenigstens einen Raum behalten dürfen. "Anfang Dezember sagte uns eine ASB-Mitarbeiterin auch das noch ab. Seitdem dürfen wir nicht mehr ins Zentrum. Nicht mal für unsere Weihnachtsfeier", bedauert Treichel.

Der ASB begründet die Raum-Absage auch mit behördlichen Auflagen. "Wir bedauern, dass die Angebote der Seniorenbegegnungsstätte kurzzeitig pausieren müssen“, sagt Regionalverbands-Chef Peter Großpietsch (58).

Es sei aber eine Lösung in Sicht. Die ist nach Informationen von TAG24 vor allem dem Hauseigentümer "Covivio" zu verdanken.

Die Immobilien-Firma bemüht sich aktuell, eine Ersatzfläche für die Begegnungsstätte im selben Haus zu schaffen. Die Bewohner sollen im neuen Jahr informiert werden.

Setzt sich für die Senioren ein: Grünen-Politiker Thomas Löser (47), flankiert von den Hausbewohnerinnen Helga Treichel und Brigitte Aldus (86).
Setzt sich für die Senioren ein: Grünen-Politiker Thomas Löser (47), flankiert von den Hausbewohnerinnen Helga Treichel und Brigitte Aldus (86).  © Steffen Füssel
Gemeinsam gegessen, gesungen und gefeiert: Dutzende Besucher erlebten im Seniorenzentrum schöne Zeiten.
Gemeinsam gegessen, gesungen und gefeiert: Dutzende Besucher erlebten im Seniorenzentrum schöne Zeiten.  © privat
Peter Großpietsch (58) ist Geschäftsführer des ASB Dresden & Kamenz.
Peter Großpietsch (58) ist Geschäftsführer des ASB Dresden & Kamenz.  © Steffen Füssel

Titelfoto: Steffen Füssel

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