Rebellion gegen das Rathaus: 80-Jähriger will seine Straße selbst kehren

Dresden - Die wichtigsten Dresdner Straßen werden von der Stadtreinigung sauber gehalten. Jährlich 90.000 Kehr-Kilometer kommen so zusammen. Die Kosten zahlen die Hausbesitzer. Ein Dresdner will das vor seinem Haus nicht länger hinnehmen. Seine Bitte an die Stadt: Lasst mich selber kehren!

Auch mit 80 noch ein flotter Feger: Rentner Hermann Gildemeister mit Schaufel und Kehrbesen im Rennstein auf der Grundstraße.
Auch mit 80 noch ein flotter Feger: Rentner Hermann Gildemeister mit Schaufel und Kehrbesen im Rennstein auf der Grundstraße.  © Ove Landgraf

Hermann Gildemeister (80) wohnt im unteren Bereich der Grundstraße. Im Rathaus fällt die unter die Reinigungsklasse F1. Einmal in der Woche rückt daher eine Kehrmaschine an. Die jährliche Gebühr: knapp 24 Euro.

Allerdings sind stadtauswärts an der Grundstraße die wenigen, in Loschwitz heiß umkämpften, Parkplätze angeordnet. Die Folge: In aller Regel umkurven Kehrmaschinen die Autos, der Abschnitt bleibt dreckig.

"Dem Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft ist bekannt, dass der Straßenabschnitt relativ häufig nicht bis in den Bereich der Schnittgerinne gereinigt werden kann", bestätigt die Stadt. Zuletzt im April erfolgte laut Rathaus eine "gesonderte Bedarfsreinigung".

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Seit Jahren kehrt Bauingenieur Gildemeister daher regelmäßig vor der eigenen Tür. "Im Sinne einer sauberen Stadt, auch wegen der vielen Touristen, die vorbeikommen, lese ich zudem kaputte Flaschen auf", so der 80-jährige.

Anfrage wurde zur Petition

Tatort Grundstraße: Hier will der Rathaus-Rebell künftig selbst Hand anlegen.
Tatort Grundstraße: Hier will der Rathaus-Rebell künftig selbst Hand anlegen.  © Ove Landgraf

Seine Bitte an die Stadt: "Ich möchte mit dem manuellen Kehren vor meinem Grundstück beauftragt werden, im Gegenzug sollen die Gebühren entfallen."

Der grundsätzliche Ärger ist vor Ort bekannt. Andere Anwohner würden hingen kurze wöchentliche Parkverbote bevorzugen, damit Kehrmaschinen durchfahren können.

Hermann Gildemeisters Anfrage an OB Dirk Hilbert (47, FDP) ist mittlerweile zur Petition geworden, wird demnächst im Petitionsausschuss beraten. Auch die Stadt ist aktiv geworden.

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Grundsätzlich bestehe die Pflicht zur Gebührenzahlung, sobald eine Straße in die Anlage zur Gebührensatzung aufgenommenen ist.

Allerdings würde die aller zwei Jahre (das nächste Mal 2020) überarbeitet. "Werden Straßenabschnitte, wie aktuell vorgeschlagen, aus der Anlage gestrichen, ist die Reinigung danach durch die Anlieger zu gewährleisten", so ein Rathaus-Sprecher.

Rentner Gildemeister erklärt TAG24-Reporter Dirk Hein die Aktenlage.
Rentner Gildemeister erklärt TAG24-Reporter Dirk Hein die Aktenlage.  © Ove Landgraf
Bislang erledigen die Kehrmaschinen der Stadtreinigung den Straßenjob.
Bislang erledigen die Kehrmaschinen der Stadtreinigung den Straßenjob.  © imago images/Chromorange

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