Tempolimit, Sexismus, Rauchen: Hört endlich auf, mich ständig zu belehren! Eine Polemik

Deutschland - Das Tempolimit ist nach tagelanger hitziger Diskussion offiziell erstmal vom Tisch. Das Klima muss von Deutschland aus auf andere Art gerettet werden. Doch während dieser Debatte ist mir eine Veränderung in mir aufgefallen und nehme dies zum Anlass, mich an dieser Stelle zu outen: Es tut mir leid, ich bin scheinbar zu einem "alten, weißen Mann" geworden.

Schon Sexismus oder noch erlaubter Spaß? Frau macht Mann platt.
Schon Sexismus oder noch erlaubter Spaß? Frau macht Mann platt.  © 123RF

Der "alte, weiße Mann" ist das Lieblingsfeindbild des linken und grünen Teils unseres Planeten. Es ist der Typ Mensch, der beim Weltverbessern immer irgendwo nörgelnd im Weg steht.

Weiß und männlich im biologischen Sinne war ich schon immer. Nun werden diese Eigenarten auch noch um die dritte, sehr unschöne Eigenschaft "alt" in den Abgrund gezogen. Ich bin 43 und was mich rasend schnell altern lässt, ist die tägliche Erziehungs- und Besserwisserdosis, die über uns ausgekübelt wird.

Kein Tag vergeht ohne den Hinweis auf irgendetwas ganz schrecklich Gesundheitsschädliches, Umweltzerstörendes, Sexistisches, Rassistisches oder was auch immer.

Die nicht-"alten, weißen Männer" setzen von ihrer moralisch unbedenklichen Seite des Lebens alle anderen mit guten Argumenten und unumstößlichen Zahlen unter Dauerbeschuss.

Das Problem dabei ist: Eure ständigen Belehrungen, Eure ewigen Diskussionen um zu viel Sexismus, zu wenig Toleranz, zu schnelle Autos, zu viel Feinstaub, todbringende Luft, zu ungesunden Zucker, zu viele Raucher ... verursachen bei mir vor allem eins: Ich stumpfe ab.

Was wirklich gefährlich ist! Denn zu unterscheiden, wo echte Ungerechtigkeit besteht oder wo nur aus reiner Geltungssucht und Klugscheißerei aus einer Mücke ein Elefant gemacht wird, fällt immer schwerer. Schlimmer: ich will mich damit schon gar nicht mehr befassen.

Tempolimit ist erstmal vom Tisch, aber wird weiter zum Lieblingserziehungsthema der "vernünftigen" Menschen gehören.
Tempolimit ist erstmal vom Tisch, aber wird weiter zum Lieblingserziehungsthema der "vernünftigen" Menschen gehören.  © DPA

Ganz ehrlich: Ich fahre so gut wie nie über 130 km/h. Ist mir zu anstrengend. Wenn jemand in meinem Umfeld Nichtraucher ist, habe ich kein Problem damit, ihn mit meinem Dunst zu verschonen, Frauen habe ich auch schon vor #metoo als Menschen wahrgenommen und geachtet.

Auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass ich von ihnen häufiger in irgendeiner Art sexuell belästigt worden wäre, habe ich deshalb meinerseits nie ungefragt oder ungewollt Hand bei ihnen angelegt (soweit ich das als Mann überhaupt beurteilen kann). Mir war es bei der Beurteilung eines Menschen auch immer egal, ob er hetero, homo, trans oder pan ist. Und von mir aus soll auch jeder von ihnen sein eigenes Klo bekommen.

Aber wenn ich Tag ein Tag aus höre, was für eine angeblich bessere, sicherere und gesündere Welt alles reglementiert, verurteilt, verboten, abgeschafft gehört, dann will ich einfach nur ein bockiger, alter, weißer Mann sein. Einer, der den ihm ständig entgegen gestreckten erhobenen Zeigefinger mitleidslos bricht, sich in einen 300-PS-Diesel setzt, mit Tempo 250 und drei nackten Sex-Hasen auf der Rückbank, Kippe in der einen, Whisky in der anderen Hand und die Nationalhymne singend über die Autobahn brettert.

Nur weil es viele Mensch*innen glücklich macht, in einer Sicherheitszone zu leben, ein fleisch-, zucker- lactosefreies, gesundes, drogenloses, biologisches und rundum recycelbares Leben in Zimmerlautstärke zu führen, heißt das nicht, dass es alle so wollen. Ich zum Beispiel möchte trotz meines Alters auch mal unsinnige und unvernünftige Dinge tun.

Und wenn ich deshalb zwei oder fünf oder zehn Jahre eher sterbe, ist das für mich in Ordnung. Völlig egal, was Ihr noch alles verbietet oder reguliert, ganz lässt sich das Restrisiko nicht ausschließen, dass das Leben mit dem Tod endet.

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