Wir können es noch - ein Kommentar zur sächsischen Brückenproblematik
Dresden - Don't call it a comeback! Aber man wird ja wohl noch hoffen dürfen: Nach der Carolabrücken-Katastrophe, Sachsens ganz eigenem 9/11, blicke ich gute anderthalb Jahre später vorsichtig hoffnungsvoll auf die verbliebenen sogenannten Tugenden der Deutschen. Die berühmte Ingenieurskunst geriet in PR-Schwierigkeiten. Doch der Scheitel des Scheiterns scheint überschritten.
Der Blitz-Abriss in Großenhain, die Ruckzuck-Reaktion in Leipzig und die akzeptierte neue Realität in Bad Schandau stehen symbolisch dafür. So gern ich Landesämter kritisiere: Hier wird innovativ und präzise hingehört und umgesetzt, was das Gebot der Stunde ist.
Und auch das geldgebende Ministerium hat verstanden, dass die "Politik der schwarzen Null" - nur keine Schulden machen - gescheitert ist. Sachsen ist eines der liquidesten Bundesländer in Deutschland. Und sieht nun, was sein Sparkurs uns gebracht hat.
Doch die Krisenkommunikation verkommt auch zum Drahtseilakt.
Denn sicher wird kein Brückenüberfahrer gern lesen, dass jede dritte potenziell einsturzgefährdete Brücke gar nicht gesondert überprüft wird. Doch nicht nur das Amt kann beruhigen: Auch das verbliebene Drittel wurde angesehen, bewertet - und erst danach hintangestellt.
Großenhain, Leipzig und Bad Schandau unterstreichen die Richtigkeit dieser Entscheidung. Bei all der Ingenieurskunst in der Landesverwaltung fragt man sich doch, warum sich die Irrungen der Carolabrücke und ihres Neubaus so lang ziehen.
Die Antwort überrascht dann wenig: Die kreisfreien Großstädte Dresden, Leipzig und Chemnitz sind für ihre Brücken selbst zuständig.
Titelfoto: Bildmontage: Steffen Füssel, Robert Michael/dpa
