Hunde ohne Leine laufen lassen: Das ist der größte Fehler, den Du machen kannst

Burglengenfeld - Wenn der Hund über die Wiese heizt und wild umher tollt, ist das für viele Hundebesitzer das, was sie unter "Freilauf" verstehen. Doch Hundeexpertin Stephanie Salostowitz sieht das anders.

Auch wenn ein Hund ohne Leine läuft, heißt das nicht, dass er machen darf, was er will.
Auch wenn ein Hund ohne Leine läuft, heißt das nicht, dass er machen darf, was er will.  © Bernd Weißbrod dpa/lnw

In Deutschland gibt es geschätzt über 10 Millionen Hunde. Nur ein Bruchteil von ihnen geht einer richtigen "Arbeit" nach, so zum Beispiel Jagdhunde, Hütehunde, Dienst- oder Wachhunde.

Gleichzeitig häufen sich die Probleme durch sogenannte "Tut-nix-Hunde" oder Hunde, die andere Tiere oder Menschen angreifen. Stephanie Salstowitz sieht zwischen dem Hundefreilauf und diesen Problemen einen kausalen Zusammenhang.

Die Hundeexpertin versteht unter "Freilauf" nicht, dass der Hund machen kann, was er will, sondern einfach, dass er gerade keine Leine um hat. Dadurch sollte sich an seinem Gehorsam aber nichts ändern.

Ist ein Hund denn wirklich nur glücklich, wenn er ohne Sinn frei über ein Feld donnern kann? Solche Überlegungen gehen laut Stephanie in die völlig falsche Richtung. Trends wie "Mantrailing" oder "Rettungshund-Trainings" zeigen, dass viele Besitzer verzweifelt versuchen, Beschäftigungen zu suchen, die ihrem Hund Spaß machen.

Grundsätzlich ist natürlich alles, was man mit dem Hund zusammen macht schön, doch durch reine "Spaßbeschäftigungen" kann das Verhältnis zum Besetzer gefährlich aus der Balance kommen. Viele wundern sich, warum der Hund ohne Leine dann plötzlich nicht mehr hört. Dabei wurde ihm doch deutlich vermittelt, dass er ohne Leine das Sagen hat.

"Familienhunde", wie sie heute normal sind, hatten früher immer etwas zu tun. Rassen wie Yorkshire Terrier jagten Ratten und Mäuse, heutzutage sind sie von einer solchen Beschäftigung meist weit davon entfernt.

"Der Hund soll etwas für mich tun und nicht anders herum", erklärt Stephanie. Dabei sollte man klar auf die Bedürfnisse einer Hunderasse achten, bestenfalls bevor man sich den Hund anschafft.

Missverstande Liebe: Wenn ein Hund machen darf, was er will, führt das zu Problemen

Tiere, wie dieser Herdenschutzhund sind ausgelastet, weil sie eine Aufgaben haben.
Tiere, wie dieser Herdenschutzhund sind ausgelastet, weil sie eine Aufgaben haben.  © Jan-Philipp Strobel/dpa

Ist der Hund nicht ausgelastet, kommt es zu Problemen. Darunter darf man aber nicht verstehen, dass sich der Hund "auspowern" muss, im Gegenteil. Ein Hund sollte nicht nur glücklich sein, wenn er wild herumrennen darf. Denn das heißt, dass er auch im Alltag ständig unter Stress stehen wird: Jogger und Autos werden gejagt, andere Hunde ungestüm begrüßt.

Die Lösung ist simpel: Ein Hund muss verstehen, dass er draußen mit seinem Besitzer unterwegs ist und nicht anders rum. Dabei muss auch das Herrchen verstehen, dass man nicht für seinen Hund, sondern mit seinem Hund zusammen Gassi geht.

Gehorsam braucht keine Gewalt oder barsche Stimme. Wer früh versteht, was die Bedürfnisse seines Hundes sind, bekommt später ein zufriedenes Tier, dass ruhig mit seiner Umgebung umgehen kann. Ein entspannter Hund, ist ein glücklicher Hund, so Steffi.

Solange der Hund nicht hört, muss mit einer Schleppleine (10 Meter) trainiert werden, erst wenn die Beziehung stabil ist, sollte ein Hund von der Leine gelassen werden.

Stephanie Salostowitz leitet ein Hundezentrum in der Nähe von Burglengenfeld in der Oberpfalz. Sie bildet Jagdhunde aus und beschäftigt sich viel mit triebstarken und aufgeregten Hunden. Ihr Spezialgebiet sind ängstliche Hunde, die sie zu stabilen Begleitern ausbildet. Salostowitz ist außerdem für ihre YouTube-Videos bekannt, in denen sie Hundebesitzern ausführlich Ratschläge gibt.

Titelfoto: Bernd Weißbrod dpa/lnw

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