Sie sollten gegrillt werden: 51 Hunde in letzter Sekunde gerettet

Thanh Hóa (Vietnam) - Einer Allianz verschiedener Tierschutzorganisationen gelang ein großer Coup gegen Hundediebe.

Die Hunde lebten, bevor sie geschlachtet werden sollten, in viel zu engen Käfigen.
Die Hunde lebten, bevor sie geschlachtet werden sollten, in viel zu engen Käfigen.  © Asia Canine Protection Alliance/VIER PFOTEN

Seit Anfang des Jahres sorgte eine Bande in der Provinz Thanh Hóa in Vietnam für Angst und Schrecken unter Hundebesitzern. "Tausende Hunde" sollen die Kriminellen laut der Tierschutzallianz Asia Canine Protection Alliance (ACPA), der neben den deutschen Tierschützern "Vier Pfoten" noch drei weitere Organisationen aus Asien angehören, gestohlen haben.

Der bittere Verdacht: Die Bande klaute die Hunde gewaltsam auf offener Straße und von privaten Höfen, um sie später zu schlachten. Das Fleisch der Vierbeiner ist in Vietnam sehr beliebt als Street-Food und für Zuhause.

Vietnam bildet direkt nach China den zweitgrößten Markt für Hundefleisch. Für die Bande also ein lukratives Geschäft.

Nachdem die zahlreichen Tiere weggefangen wurden, sollen sie eine "brutale Reise zu Schlachthöfen, Märkten und Restaurants durchmachen", heißt es in einer Mitteilung von "Vier Pfoten"-Südostasien-Streunerhilfe-Leiterin Katherine Polak.

Doch die vietnamesischen Behörden schauen nicht länger weg und gehen nun immer öfter gegen den Diebstahl und die immense Brutalität gegen Haustiere vor.

Hundediebe wurden sofort verhaftet

In Vietnam landen Hunden auf offener Straße auf dem Grill (Symbolbild).
In Vietnam landen Hunden auf offener Straße auf dem Grill (Symbolbild).  © 123RF/Karin Chantanaprayura

Nun trug es sich zu, dass die Polizei in der vietnamesischen Stadt Thanh Hóa einen Tipp bekam und eine Art Hunde-Zwischenlager ausfindig machen konnte.

Ohne zu wissen, worauf sich die Beamten einließen, verschafften sie sich Zutritt und starteten so die größte jemals in Vietnam stattgefundene Aktion gegen einen Hundediebstahlring.

Dabei nahm die Polizei sofort 16 Bandenmitglieder fest und befragte mehr als 40 Verdächtige. 51 Hunden konnte unmittelbar das Leben gerettet werden.

"Die Bande trug Elektroschocker sowie andere scharfe Waffen bei sich und fuhr spät in der Nacht mit Motorrädern durch Wohngebiete, um herumstreunende Hunde zu betäuben und zu entführen", so Polak.

Die Bande soll dabei auch über die Stadtgrenzen hinaus tätig gewesen sein.

Polizei war mit Situation überfordert

Die Tierschützer der Organisation "Vier Pfoten" gaben weiterhin bekannt, dass die örtliche Polizei überwältigt war von dem Ergebnis ihrer Ermittlungen. Jedoch sollen die Beamten überfordert gewesen sein, die Hunde ordentlich zu versorgen und sicher unterzubringen. Deshalb kontaktieren die Polizisten die Tierschutzallianz ACPA.

"13 Hunde mussten aufgrund schwerer Verletzungen, die sie während der Gefangennahme erlitten hatten, sofort medizinisch versorgt werden", teilt Katherine Polak mit.

Hunde mit schmerzhaften, offenen Wunden wurden von einem Tierarzt betäubt und anschließend behandelt. Sie erhielten Schmerzmittel und Antibiotika und wurden zur weiteren Versorgung in einem provisorischen Tierheim untergebracht.

Dieser Ermittlungserfolg stellt jetzt einen wichtigen Präzedenzfall in dem Land dar: Bislang wurden nur Strafen verhängt, wenn das gestohlene Tier einen Wert von zwei Millionen Vietnam-Dollar (umgerechnet 77,57 Euro) überstieg.

Alle Hunde wieder bei ihren Besitzern

Die Hunde lebten in kleinen Käfigen (Symbolbild).
Die Hunde lebten in kleinen Käfigen (Symbolbild).  © dpa/Ingo Wagner

Die Polizeistation von Thanh Hóa suchte daraufhin mithilfe der örtlichen Medien nach den Hundehaltern der 51 betroffenen Tiere.

Schon nach kurzer Zeit waren alle Vierbeiner aus dem provisorischen Tierheim entlassen und wieder zu ihren Familien zurückgebracht. Dies soll gerade einmal zwei Wochen gedauert haben.

"Diese Festnahmen werden hoffentlich einen großen Beitrag zur Verhinderung von Diebstählen von Hunden in ganz Vietnam leisten", sagt Polak.

"Während der Handel mit Hundefleisch häufig als ‚Kultur‘ oder ‚Tradition‘ verteidigt wird, gibt es in Wirklichkeit erhebliche gesundheitliche und gesellschaftliche Auswirkungen des Handels, die in Vietnam und auf internationaler Ebene zunehmend Anlass zur Sorge geben", schließt die Leiterin der Streunerhilfe in Südostasien bei "Vier Pfoten" Katherine Polak ab.

Regierung geht erste Schritte gegen Hundefleisch-Verzehr

Die Behörde für Lebensmittelsicherheit von Ho-Chi-Minh-Stadt reagierte sofort auf diesen Vorfall.

Bürger der Stadt sollen von nun an auf Hundefleisch verzichten, um den Eindruck Vietnams bei Touristen zu verbessern. Die Behörde wies die Bevölkerung ebenfalls auf die Gesundheitsrisiken hin, die mit dem Verzehr von nicht kontrolliertem Fleisch einhergehen.

Petition gegen Hundefleischhandel

Die Tierschützer von "Vier Pfoten" haben eine Online-Petition gestartet, um den Handel mit Hunde- und Katzenfleisch in Südostasien zu unterbinden. Über 167.000 der benötigten eine Million Unterschriften haben die Tierschützer schon.

Wenn Du auch unterschreiben willst, geht es hier entlang.

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