Forscher will für 27.000 Kilometer nicht das Flugzeug nehmen und wird gekündigt

Kiel - Wie weit sind Arbeitgeber bereit, für den Klimaschutz zu gehen? Diese Frage stellt sich im Fall des Wissenschaftlers Gianluca Grimalda (51). Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel soll den Arbeitsvertrag mit ihm aufgelöst haben, weil er nicht fliegen wollte.

Gianluca Grimalda (51) war mehrere Monate in Papua-Neuguinea.
Gianluca Grimalda (51) war mehrere Monate in Papua-Neuguinea.  © Scientist Rebellion

Grimalda macht auf X, ehemals Twitter, öffentlich, dass ihm gekündigt worden sei. Das IfW schrieb gegenüber TAG24, dass es "sich prinzipiell nicht zu internen Personalangelegenheiten in der Öffentlichkeit" äußere. Das diene dem Schutz der Beschäftigten. Auf der Internetpräsenz des IfW ist die persönliche Seite des Forschers aber gelöscht. Dort gibt es nur die Fehlermeldung "404 - Seite nicht gefunden".

Was ist vorgefallen? Grimalda war für Feldforschung in Papua-Neuguinea. In Bougainville untersuchte er über einen Zeitraum von sechs Monaten die sozialen Auswirkungen des Klimawandels. Laut Scientist Rebellion erreichte den 51-Jährigen am 27. September die Aufforderung aus Kiel, innerhalb von fünf Tagen nach Schleswig-Holstein zurückzukehren, da die Genehmigung zum Auslandsaufenthalt am 10. September ausgelaufen sei.

Dem kam der Forscher nicht nach. Seine Begründung: Die Dauer der Feldforschung habe sich wegen erheblicher Sicherheitsbedrohungen und logistischer Hindernisse um zwei Monate verlängert. Außerdem verursache das Fliegen im Vergleich zum Reisen auf dem Land- und Seeweg hohe Umweltbelastungen.

Auto einfach mal stehen lassen: Aktion "Autofasten" in Thüringen gestartet
Klima und Klimawandel Auto einfach mal stehen lassen: Aktion "Autofasten" in Thüringen gestartet

Den 39.000 Kilometer weiten Hinweg nach Papua-Neuguinea hat Grimalda daher nach eigenen Angaben größtenteils per Bahn, Bus und Fähre hinter sich gelegt. Damit habe die Reise 6,7 Tonnen CO2 eingespart, aber immer noch 2,7 Tonnen Treibhausgase ausgestoßen.

Forscher tritt 50-tägige klimafreundliche Rückreise an

Die Argumente ließ man in Kiel wohl nicht gelten. Wobei unklar bleibt, was zur Beendigung der Zusammenarbeit geführt hat. "Bei Dienstreisen unterstützt das Institut seine Beschäftigten, klimafreundlich zu reisen", heißt es vom IfW. Weitgehend werde auf Flugreisen im Inland und im EU-Ausland verzichtet. Sei dennoch ein Flug notwendig, werden die entstehenden CO2-Emissionen kompensiert.

Seit Sonntag befindet sich Grimalda auf dem Rückweg nach Europa. Wie geplant will er dabei möglichst wenig CO2 ausstoßen. Dieses Mal sollen es nur 535 Kilogramm Kohlendioxid werden. Dafür ist der Forscher dann auch 50 Tage unterwegs. "Diese Entscheidung hat mich meinen Job gekostet, aber ich denke immer noch, dass es die richtige Entscheidung war", schrieb er dazu auf X.

Titelfoto: Montage: Scientist Rebellion (2)

Mehr zum Thema Klima und Klimawandel: