Meine Meinung: Merkel muss weg, wenn die CDU überleben will

Stuttgart - Die Szene vom Wahlabend 2013 ist mittlerweile in zahllosen Clips und GIFs verewigt - in die Seele vieler Konservativer hat sie sich fest eingebrannt: Wir sehen die Wahlsiegerin Angela Merkel (65) und ihren damaligen Generalsekretär Hermann Gröhe (58).

Schlüsselmoment 2013: Merkel packt die Deutschlandfahne, schafft sie angewidert weg. (Screenshot)
Schlüsselmoment 2013: Merkel packt die Deutschlandfahne, schafft sie angewidert weg. (Screenshot)
Die Stimmung ist ausgelassen, im Hintergrund ist "An Tagen wie diesen" von den Toten Hosen zu hören. Gröhe bekommt eine kleine Deutschlandfahne gereicht. Merkel bemerkt das, nimmt sie ihm ab und entsorgt das deutsche Staatssymbol mit einer angewiderten Miene. Man könnte meinen, sie entsorge einen Beutel mit Hundekot.

Man muss sich nur mal vorstellen, eine solche Szene würde sich in den USA nach dem Wahlsieg abspielen. Der Gewinner wäre binnen 24 Stunden als vaterlandsloser Geselle abgestempelt - und weg vom Fenster.

In der Bundesrepublik wusste der klassische, konservative Unionswähler spätestens nach diesem Fahnengate: Die Kanzlerin (und damalige CDU-Parteichefin) hat zum konservativen und durchaus patriotischen Element keinerlei Beziehung.

So mancher dürfte sich schon damals gedacht haben: "Bin ich hier noch richtig?"

Und der ein oder andere dürfte die Frage mit einem klaren "Nein" beantwortet haben.

Typische konservative Markenelemente (Wehrpflicht, Atomkraft) hatte die Merkel-CDU im Lauf der Jahre preis gegeben, sich deutlich nach links bewegt. Spätestens mit dem Jahr 2015 und der Flüchtlingskrise war dann für den letzten Konservativen klar: Hier ist nix mehr zu holen.

Merkel könnte der AfD das Wasser abgraben, doch sie tut es nicht

Angela Merkel am Montag in Berlin.
Angela Merkel am Montag in Berlin.

Grünen-Politiker Boris Palmer (47) stellte denn auch kürzlich folgerichtig fest: "Es gibt keine konservative Partei mehr in Deutschland. Merkel hat so viel SPD und Grün aufgenommen, dass von Union nicht mehr viel übrig blieb."

Die Wahlergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: Zwischen 1957 und 2017 stürzten die Unionsparteien von 50,2 auf 32,9 Prozent bei den Bundestagswahlen ab.

Merkels Unfähigkeit, die Konservativen in ihrer Partei anzusprechen, ließ die AfD stark werden. Bei den letzten Bundestagswahlen holten die Blauen aus dem Stand 12,6 Prozent. Ändert sich nichts, so bleibt die AfD der stete Stachel im schwarzen Fleisch.

Wenn Merkel klug wäre, hätte sie es nie so weit kommen lassen. Wenn sie wahltaktisch denken würde, dann hätte sie die CDU längst wieder attraktiv für Konservative gemacht. Doch die Kanzlerin kann nicht über ihren Schatten springen. Kann etwa die Flüchtlingskrise 2015 nicht als das sehen, was sie bedingt durch die Folgen nach wie vor ist: ein Brunnen, aus dem die AfD fleißig schöpfen kann.

Merkel könnte den Blauen ganz einfach das Wasser abgraben. Sie könnte die vergebliche Anbiederung an linke Milieus beenden und sich wieder auf die schwarze Kernwählerschaft konzentrieren. Warum sollte man auch schwarz wählen, wenn man eigentlich grün will? Doch Merkel tut es nicht.

Bereits jetzt ist absehbar: Den Weg in die Bedeutungslosigkeit, auf dem sich die SPD befindet, den hat auch die CDU eingeschlagen. Die Wahlergebnisse zeigen dies überdeutlich.

Wenn ich mir den Zustand der CDU anschaue, muss ich an einen Wahlwerbespot der SPD aus dem Jahr 1998 denken. Gerhard Schröder (75) wollte damals an die Macht und die Regentschaft von Helmut Kohl (†87) beenden. In dem Spot sieht man Kohl im Raumanzug, der Pfälzer soll weggebeamt werden. Doch es klappt nicht.

Er nimmt den Helm ab, schaut bedröppelt. Eine Stimme aus dem Off sagt: "Die Zukunft. Nicht jeder ist dafür geschaffen." Vielleicht sollte sich die CDU den Slogan zu Herzen nehmen und sich ihrer Kanzlerin entledigen. Sonst findet die Zukunft irgendwann ganz ohne die Partei statt. Die politischen Ränder dürfte es freuen.

TAG24-Redakteur Patrick Hyslop.
TAG24-Redakteur Patrick Hyslop.  © privat

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