"Niemals fortpflanzen dürfen": Eltern von toten 13-Jährigen kämpfen mit massiven Anfeindungen

Wien - Eine Woche ist es nun her, als die Leiche der erst 13-jährigen Leonie lehnend an einem Baum in der österreichischen Hauptstadt gefunden wurde. Der Fall sorgt europaweit für Aufregung. Nun offenbarten die Eltern, dass sie von anderen Menschen angefeindet werden.

In dieser Wohnhausanlage sollen die Verdächtigen das Mädchen missbraucht und erwürgt haben.
In dieser Wohnhausanlage sollen die Verdächtigen das Mädchen missbraucht und erwürgt haben.  © Herbert Neubauer/APA/dpa

"Wir werden als Rabeneltern dargestellt. Das sind wir aber nicht. Wir konnten ja unser Kind nicht anketten und einsperren. Sie war rebellisch und tat stets das, was ihr halt gerade Spaß machte und das sagte sie uns auch stets so. Ein Freigeist halt", erzählte Hannes W. (39), Vater der toten Leonie, gegenüber Heute.at.

Die 13-Jährige hatte einen starken Willen, blieb öfter die ganze Nacht weg. Ihre nächtlichen Touren gefielen den Eltern überhaupt nicht. Oft kam es zum Streit deswegen.

"Darum schalteten wir das Jugendamt ein, Leonie war auch in einem Krisenzentrum. In Hollabrunn etwa eine Woche lang. Dann versuchten wir es mit strengen Heimkehrzeiten. 18, 19 Uhr, dann 20 Uhr, also sukzessive Steigerung. Das ging eine Zeitlang gut", so die Eltern.

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Bis zum vergangenen Freitag, als der Teenie am nächsten Morgen wieder einmal nicht nach Hause gekommen war. Leonie war mit einer Freundin unterwegs, die jedoch um Mitternacht wieder heimkehrte.

Seit 22 Uhr hatte sich die 13-Jährige nicht mehr bei ihren Eltern gemeldet.

Eltern von 13-jähriger Leonie kämpfen mit Hass im Netz und in der Öffentlichkeit

Leonies Leiche lehnte an einem Baum in Wien. Nun liegen Kerzen und Blumen an dem Ort.
Leonies Leiche lehnte an einem Baum in Wien. Nun liegen Kerzen und Blumen an dem Ort.  © Herbert Neubauer/APA/dpa

Mutter Melanie P. (40) überkam ein schauerhaftes Gefühl, sie meldete sich am Samstagmorgen bei der Polizei und erstattete eine Vermisstenanzeige.

Am Nachmittag erfuhr sie von einem Leichenfund in Wien-Donaustadt, dachte zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht an ihre Tochter. "Ich dachte an eine Freundin meiner ältesten Tochter. Es hieß ja das Opfer sei 18 oder noch älter", so die gebürtige Nürnbergerin in einem weiteren Interview.

Am Sonntag erkannte die Pflegerin ihre Tochter anhand der Beschreibung: "Ich rief sofort die Polizei an und schrie den armen Beamten hysterisch an, er möge die Bilder sofort abgleichen." Schließlich identifizierten Leonies Brüder ihre Schwester, da Mutter Melanie nicht in der Lage war.

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Die beiden Eltern versuchen nun stark für die anderen vier Kinder da zu sein. Leicht ist es nicht, zumal die Familie sowohl in der Öffentlichkeit als auch im Netz mit Hass zu kämpfen hat.

Fall Leonie: Vierter Verdächtiger sollte abgeschoben werden

EU-Ministerin Karoline Edtstadler (ÖVP, M) und Experten aus den Bereichen Sicherheit, Migration, Frauen- und Jugendarbeit sitzen im Rahmen eines Runden Tisches im Bundeskanzleramt nach der Tötung der 13-Jährigen in Wien zusammen.
EU-Ministerin Karoline Edtstadler (ÖVP, M) und Experten aus den Bereichen Sicherheit, Migration, Frauen- und Jugendarbeit sitzen im Rahmen eines Runden Tisches im Bundeskanzleramt nach der Tötung der 13-Jährigen in Wien zusammen.  © Helmut Fohringer/APA/dpa

Papa Hannes erzählt von einem grausigen Post auf Facebook: "Du und Deine Frau hättet Euch niemals fortpflanzen dürfen, schon gar nicht 4-fach. Ihr gehört auf die Anklagebank wie die Täter."

Der berufliche Notfallsanitäter musste daraufhin sein Profil löschen, weil er die schlimmen Anfeindungen nicht mehr ertragen konnte. Doch auch im wirklichen Leben wird das Paar nicht verschont. "Wir wollten gestern schon Bambusmatten kaufen, um den Gartenzaun zuzudecken wegen der vielen, nervigen Fragen. Überall lauern derzeit Menschen", schildert Mutter Melanie.

Dabei steht den Tullnern noch ein langer Leidensweg bevor. Drei Verdächtige (16, 18 und 23) wurden bereits gefasst, ein Vierter wird noch mit Hochdruck gesucht. Jetzt kam heraus, dass auch er in der Vergangenheit mehrfach straffällig geworden war und 2017 sogar abgeschoben werden sollte.

Für Leonies Eltern ist die Situation unerträglich: "Dritter, vierter Verdächtiger. Wann hört das bitte auf? Einen hätte ich noch irgendwie verstehen können, aber gleich so viele rund um mein hübsches Kind." Bleibt nur, der Familie weiterhin viel Kraft zu wünschen.

Titelfoto: Herbert Neubauer/APA/dpa

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