Aigner nur Schachfigur? Warum will Söder sie zur Bundespräsidentin machen?

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Von Marco Hadem, Ulrich Steinkohl und Michael Fischer

München/Berlin - Nun hat er es tatsächlich öffentlich gesagt: CSU-Chef Markus Söder (59) unterstützt seine Parteifreundin Ilse Aigner (61) bei einer möglichen Kandidatur für das Amt der Bundespräsidentin. Was zunächst wenig überraschend wirkt, wirft durchaus Fragen auf.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (59) ist ein Machtpolitiker. Aigner nach Berlin "loszuwerden", würde vor allem auch ihm selbst in die Karten spielen.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (59) ist ein Machtpolitiker. Aigner nach Berlin "loszuwerden", würde vor allem auch ihm selbst in die Karten spielen.  © Malin Wunderlich/dpa

Nicht nur, weil das Verhältnis zwischen den beiden alles andere als einfach ist. Auch der Zeitpunkt und die Art und Weise lassen Zweifel aufkommen.

In der Union wird Aigners Name schon lange als potenzielle Kandidatin für die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier (70) gehandelt.

Die 61-Jährige ist politisch erfahren, verfügt durch ihre Zeit als Landes- und Bundespolitikerin über ein hervorragendes Netzwerk.

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In der CSU sehen einige Söders Aktion auch als vergiftetes Geschenk. Lange war Aigner Söders größte Konkurrentin für das Amt des Ministerpräsidenten. Als Chefin der mächtigen CSU Oberbayern verfügt sie über eine große Hausmacht.

Am Ende überließ sie Söder kampflos das Feld - auch im Wissen, dass dieser bereits in CSU die notwendigen Mehrheiten hinter sich versammelt hatte.

Seither agieren beide mit einem wohlwollenden Sicherheitsabstand voneinander mit einer Art Nichtangriffspakt. 

Doch warum nennt Söder ausgerechnet jetzt Aigners Namen? Dahinter steht, so heißt es aus der CSU, zuerst Söders eigene Lage. Dieser kämpft derzeit mit viel Gegenwind und steht auch wegen des Abschneidens seiner Partei bei der Kommunalwahl unter Zugzwang.

Wahl des nächsten Bundespräsidenten am 30. Januar 2027

Die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Ilse Aigner (61), könnte das nächste deutsche Staatsoberhaupt werden.
Die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Ilse Aigner (61), könnte das nächste deutsche Staatsoberhaupt werden.  © Malin Wunderlich/dpa

Mit seinem Vorstoß verletzt Söder aber die bisherige Absprache in der schwarz-roten Koalition. Und das in zweifacher Hinsicht: Zum einen wollten die Chefs von CDU, CSU und SPD einen gemeinsamen Vorschlag vorlegen.

Zum anderen wollten sie sich bis nach den drei Landtagswahlen im September Zeit lassen.

Denn erst dann steht fest, wie die Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung sind. Falls es also keine Mehrheiten gibt, wäre die Koalition wohl auf die Grünen angewiesen – die Söder arg vergrätzt hat. 

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Das nächste deutsche Staatsoberhaupt wird am 30. Januar 2027 gewählt. Frank-Walter Steinmeier darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten, nach zehn Jahren endet seine Zeit als Bundespräsident im März 2027. 

Zustimmung für Aigner kam vorwiegend aus der zweiten Reihe. Aber auch der Chef der Europäischen Volkspartei, Manfred Weber (53) von der CSU, sprach sich für sie aus. SPD-Chef Lars Klingbeil (48) sagte: "Ich schätze Ilse Aigner sehr."

Er habe "sehr gute Momente" der Zusammenarbeit mit ihr gehabt. Der Vizekanzler betonte aber auch, er werde zum richtigen Zeitpunkt mit Bundeskanzler Friedrich Merz (70) über einen gemeinsamen Vorschlag reden. Dann wird sicher auch Söder dabei sein.

Titelfoto: Montage: Malin Wunderlich/dpa (2)

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