Bundesregierung im Umfrage-Tief: So viele halten Koalitions-Bruch für möglich

Mainz - Die schwarz-rote Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) ist in der Bevölkerung extrem unbeliebt. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage für das ZDF‑Politbarometer. Zudem glaubt fast die Hälfte der Bevölkerung an ein Zerbrechen der Koalition noch vor dem Ende der Legislaturperiode.

Der Bundeskanzler und sein Vizekanzler: Übersteht das Bündnis von Friedrich Merz (70, vorn) und seiner CDU mit der SPD unter Lars Klingbeil (48) die Legislatur?  © Christoph Soeder/dpa

Die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen befragte vom 5. bis zum 7. Mai 1240 zufällig ausgewählte wahlberechtigte Personen. Das Ergebnis dieser repräsentativen Umfrage: "69 Prozent der Befragten bescheinigen der schwarz-roten Koalition eine eher schlechte Arbeit."

Das sind sechs Prozent mehr im Vergleich zum letzten ZDF-Politbarometer im April, wie der Sender am Freitag mitteilte.

Demnach bewerten lediglich 26 Prozent die Leistungen der Bundesregierung als "eher gut", darunter seien "mehrheitlich nur die Anhänger der CDU/CSU". Etwa fünf Prozent der Befragten gaben keine Einschätzung ab.

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Ebenso wachsen mehr und mehr die Zweifel, ob die Koalition von Unionsparteien und SPD bis zum Ende der Legislaturperiode durchhält: Nur noch 47 Prozent glauben, dass Schwarz-Rot bis zur nächsten regulären Bundestagswahl 2029 bestehen bleibt (im März waren dies noch 66 Prozent).

Aktuell glauben 48 Prozent an einen vorzeitigen Koalitionsbruch (im März waren es noch 30 Prozent).

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Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit der Bundesregierung wie auch mit dem Bundeskanzler ist sehr hoch.  © ZDF/Forschungsgruppe Wahlen
Aktuell glaubt fast die Hälfte der Bevölkerung an einen vorzeitigen Bruch der schwarz-roten Regierungskoalition im Bundestag.  © ZDF/Forschungsgruppe Wahlen

Sonntagsfrage: Schwarz-Rot wäre ohne Bundestags-Mehrheit

Würde am kommenden Sonntag ein neuer Bundestag gewählt, so käme die AfD laut der Forschungsgruppe Wahlen auf 27 Prozent und wäre damit die stärkste Partei im Parlament.  © ZDF/Forschungsgruppe Wahlen

Die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung zeigt sich auch in der sogenannten Sonntagsfrage.

Wenn "am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre", kämen laut der Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen CDU/CSU auf 25 Prozent (unverändert im Vergleich zur April-Umfrage). Die SPD käme auf 12 Prozent (ebenfalls unverändert).

Stärkste Partei im Parlament würde die AfD mit 27 Prozent (plus 1). Die Grünen kämen auf 13 Prozent (minus 1) und die Linke auf 11 Prozent (unverändert).

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"Mit diesem Ergebnis hätte Schwarz-Rot weiterhin keine Mehrheit im Bundestag", kommentierte ein Sprecher.

ZDF-Politbarometer: Deutliche Mehrheit für stärkere Besteuerung hoher Einkommen

Eine klare Mehrheit spricht sich dafür aus, hohe Einkommen stärker zu besteuern.  © ZDF/Forschungsgruppe Wahlen

Die Erhebung für das ZDF‑Politbarometer zeigt auch, was die Gründe für das Umfragetief der Bundesregierung sein könnten.

So glauben etwa 80 Prozent, dass die von der Regierung geplante Gesundheitsreform ungerecht sei und vor allem die Bürgerinnen und Bürger belaste. Der Entwurf des Kabinetts sieht etwa vor, dass die beitragsfreie Mitversicherung von Ehe- oder Lebenspartnern für viele Haushalte abgeschafft werden soll. Ebenso sollen die Zuzahlungen zu Medikamenten erhöht werden.

Die aktuelle Umfrage ergab auch, dass 66 Prozent der Deutschen eine stärkere Besteuerung hoher Einkommen befürworten. Unter den Befürwortern seien "mehrheitlich die Anhängerschaften von CDU/CSU, AfD, SPD, Grünen und Linken", hieß es weiter.

Dieses Ergebnis passt zu einer Umfrage der ARD, die Ende April bekannt wurde: Demnach halten "vier von fünf Deutschen" den Wohlstand in Deutschland für ungerecht verteilt.

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