Chemnitzer CDU-Politikerin will 8-Stunden-Tag aufweichen: "Kommt Arbeitgebern und Arbeitnehmern zugute"
Berlin/Chemnitz - Kommt bald der Mammut-Arbeitstag? Die aktuelle Bundesregierung plant, kräftig an den Arbeitszeiten zu rütteln. Künftig soll der starre Acht-Stunden-Tag aufgeweicht werden. Auch die Chemnitzer CDU-Politikerin Nora Seitz (42) spricht sich für die Reform aus.
Die Idee der Regierung: Statt einer täglichen Höchstarbeitszeit soll in Zukunft eine Wochenhöchstgrenze von 48 Stunden gelten.
Heißt: An einigen Tagen kann deutlich länger als acht Stunden gearbeitet werden, an anderen Tagen dafür entsprechend weniger.
"Diese Flexibilität kommt dabei Arbeitgebern und Arbeitnehmern zugute", sagte Nora Seitz bei einer Debatte im Bundestag.
Die Reform verbessere die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die bestehenden Zeitregelungen würden nicht mehr in die moderne Arbeitswelt passen, so Seitz.
Zustimmung kommt von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Chemnitz. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten brauche es mehr Flexibilität.
"Unsere Unternehmen brauchen mehr Spielräume, um auf Nachfrage, Fachkräftemangel und neue Arbeitsmodelle reagieren zu können. Es geht nicht um Mehrarbeit, sondern um eine effizientere und flexiblere Gestaltung von Arbeit", sagt Martin Witschaß (40), IHK-Geschäftsführer für Standortpolitik.
Kritik von Opposition und Gewerkschaften
Massive Kritik kommt von Grünen, Linken, AfD und den Gewerkschaften. Vor allem letztere schießen heftig gegen die geplante Reform.
"Das Arbeitszeitgesetz schützt in Deutschland viele Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor Überlastung und Gesundheitsgefährdung durch überlange Arbeitstage", sagt Verdi-Boss Frank Werneke (59).
Der Gewerkschafts-Chef weiter: "Nur die Hälfte der abhängig Beschäftigten ist aktuell durch Tarifverträge geschützt - für die anderen, gerade in prekären Branchen, bleibt nur der Schutz des Gesetzes vor der Willkür mancher Arbeitgeber."
Trotz aller Kritik: SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas (58) kündigte bereits an, zeitnah einen Gesetzentwurf für flexiblere Arbeitszeiten vorzustellen. Dieser könnte bereits im Juni vorliegen.
Ohnehin hat die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten, dass es eine Arbeitszeit-Reform geben wird.
Titelfoto: Thomas Türpe
