Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen": So viele Hilfesuchende wie noch nie

Köln/Deutschland - Zum zehnjährigen Jubiläum vom bundesweiten Beratungsangebot "Gewalt gegen Frauen" hat das Hilfetelefon seinen Jahresbericht veröffentlicht. Dieser zeigt: Immer mehr Menschen suchen Hilfe und die heutigen Krisen verschärfen die Situation.

Betroffene Frauen schaffen es nicht immer selbst, sich Hilfe zu holen. Oft sind es besorgte Nachbarn und Bekannte, welche bei Gewaltverdacht zum Hörer greifen. (Symbolbild)
Betroffene Frauen schaffen es nicht immer selbst, sich Hilfe zu holen. Oft sind es besorgte Nachbarn und Bekannte, welche bei Gewaltverdacht zum Hörer greifen. (Symbolbild)  © sifotography/123RF

Im vergangenen Jahr gab es insgesamt zwölf Prozent mehr Beratungskontakte beim Hilfetelefon.

31.700 dieser Gespräche waren mit Personen, die selbst von Gewalt betroffen waren. Auch das entspricht einer Erhöhung zum Vorjahr von über zehn Prozent.

"Auch wenn die steigenden Zahlen offenbaren, wie häufig Frauen von Gewalt betroffen sind, so zeigen sie doch auch, dass das Hilfetelefon kontinuierlich bekannter wird", schlussfolgert Lisa Paus (55, Grüne), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, in dem Bericht.

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Martina Hannak, Präsidentin des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, erinnert daran, dass jede dritte Frau in ihrem Leben Gewalt erlebt. Statistisch gesehen kenne jeder eine Betroffene.

"2023 war jede fünfte Person, die sich ratsuchend an das Hilfetelefon wandte, eine Nachbarin, eine Freundin, ein Bruder, eine Bekannte oder ein Arbeitskollege", schreibt Hannak.

Sie appelliert deshalb an mögliche Beobachter, die Frauen in ihrem Umfeld zu unterstützen.

Häusliche Gewalt ist das häufigste Thema des Hilfetelefons

Die Statistik zeigt, dass Gewalt und sexuelle Belästigung immer noch zum Alltag vieler Frauen gehört.
Die Statistik zeigt, dass Gewalt und sexuelle Belästigung immer noch zum Alltag vieler Frauen gehört.  © Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben

Rund 100 Beraterinnen des Hilfetelefons sind heutzutage jeden Tag im Jahr und rund um die Uhr erreichbar.

Die Gespräche bleiben anonym und können in 18 Fremdsprachen sowie in deutscher Gebärdensprache geführt werden. Auch ein Chat wird angeboten - obwohl zu circa 90 Prozent telefonisch Kontakt aufgenommen wird.

Dem Bericht zufolge ging es in 60 Prozent dieser Beratungen um häusliche Gewalt. Aber auch sexualisierte Gewalt, Zwangsheirat und Menschenhandel sind wiederkehrende Themen.

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Die Beratungen zeigen, dass gesamtgesellschaftliche Krisen das Problem geschlechterspezifischer Gewalt verschärfen.

Seit Juni 2023 ist das Hilfetelefon unter der neuen, verkürzten Rufnummer 116016 erreichbar. Online gibt es Beratungen unter www.hilfetelefon.de.

Titelfoto: sifotography/123RF

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