Schwuler Kanzler, bisexuelles Kind? Für Deutsche kein Problem! Doch bei einem Thema hapert die Toleranz
Deutschland - Erst seit gut achteinhalb Jahren gibt es in Deutschland die Ehe für alle. Doch wie sehr wird sie heute akzeptiert? Eine neue Umfrage liefert erstaunliche Ergebnisse - auch darüber, wie es generell um die sexuelle Offenheit und Toleranz bestellt ist. Die Angaben von älteren Studienteilnehmern sowie AfD-Anhängern dürften den ein oder anderen überraschen …
Die Studie wurde im Auftrag des Erotikportals Erobella durchgeführt. Dabei wurden 1000 Erwachsene in Deutschland über Pollfish befragt, wie man gegenüber TAG24 erklärte. Die digitale Forschungsplattform verwendete eine Methodik, welche "eine demografische Verteilung, die der Gesamtbevölkerung möglichst nahekommt", ermöglichen soll.
Dabei kam heraus, dass 75,3 Prozent der Befragten aktuell die gleichgeschlechtliche Ehe befürworten. Nur rund zehn Prozent lehnen sie ab. 72,6 Prozent hätten auch nichts gegen einen homosexuelle(n) Kanzler bzw. Kanzlerin.
Mehr als 72 Prozent der Studien-Teilnehmer hätten darüber hinaus überhaupt kein Problem damit, wenn ihre eigenen Kinder schwul, lesbisch oder bisexuell wären. Insgesamt zeigen die Wähler der Grünen und Linken die höchste Akzeptanz gegenüber queerer Vielfalt.
Am niedrigsten ist diese bei Anfängern von AfD und BSW, aber: Mit einem Queer-Akzeptanz-Index von 3,30 (auf einer Skala von 1 bis 5) liegt die Zustimmung zur gleichgeschlechtlichen Ehe auch bei Wählern der rechtskonservativen bis rechtsextremen AfD über dem Neutralwert von 3,00 (BSW 3,56/Union 3,71/FDP 3,79/SPD 3,9/Linke 4,22/ Grüne 4,28).
Queer-Akzeptanz-Index bei älteren höher als bei jungen Erwachsenen
Insgesamt sind "Frauen sowie höher gebildete Personen" die Gruppen mit der höchsten Akzeptanz, wie Erobella angab.
Überraschend und womöglich besorgniserregend: Ältere Befragte zeigen insgesamt mehr Akzeptanz für queere Themen als jüngere! So liegt der Queer-Akzeptanz-Index in der Gruppe 60+ bei 3,89, bei 18- bis 29-Jährigen hingegen bei 3,62.
Besonders schwer ist der Stand indes nach wie vor bei Themen rund um Transidentität und das dritte Geschlecht. Lediglich 31,5 Prozent der Umfrage-Teilnehmer halten die Anerkennung des dritten Geschlechts (divers) für eine richtige Entscheidung. Nicht einmal jeder Zweite (47,8 Prozent) hätte gar kein Problem damit, wenn das eigene Kind transsexuell wäre.
Von Erobella hieß es gegenüber TAG24 abschließend: "Unsere Ergebnisse zeigen, dass queere Vielfalt in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. [...] Gleichzeitig wird deutlich, dass Akzeptanz nicht in allen Bereichen gleich stark ausgeprägt ist."
Die gesamten, anschaulich aufgearbeiteten Ergebnisse der Diversity Survey Germany 2026 findet Ihr hier.
Titelfoto: Montage: dpa | Heiko Rebsch, dpa | Harald Tittel, Sven Hoppe/dpa

