Deutschland - Migräne ist mehr als Kopfschmerz - für Millionen Betroffene bestimmt die Erkrankung den Alltag. Nun hat die Erkrankung auch den Bundestag beschäftigt. Die Linksfraktion wollte von der Bundesregierung wissen, wie es um die Forschung, die medizinische Versorgung und die soziale Absicherung von Menschen mit Migräne in Deutschland steht. Die Antworten offenbaren deutliche Lücken.
In einer Kleinen Anfrage der Fraktion Die Linke mit dem Titel "Stand der Migräne-Forschung in Deutschland" richtete die Fraktion am 21. September 2026 insgesamt 20 Fragen an die Bundesregierung. Die am 19. Oktober veröffentlichten Antworten zeigen, dass vor allem bei der Versorgung von Menschen mit Migräne erhebliche Datenlücken bestehen.
So fehlen der Bundesregierung nach eigenen Angaben belastbare Daten zu Wartezeiten auf Facharzttermine und dazu, wie viele Betroffene fachärztlich versorgt werden oder trotz Behandlungsbedarfs keinen Zugang zu einer solchen Versorgung haben. Auch zur Zahl der Menschen mit therapieresistenter Migräne und zu den Anträgen auf Anerkennung einer Behinderung liegen ihr keine ausreichenden Erkenntnisse vor.
Zwar registrierte die Bundesregierung für 2024 rund 3,4 Millionen migränebedingte Arbeitsunfähigkeitstage. Angaben zu den gesamten wirtschaftlichen Folgekosten, etwa durch Krankengeldzahlungen oder Erwerbsminderung, liegen ihr jedoch nicht vor.
Weitere Aufklärungskampagnen plant die Bundesregierung derzeit nicht. Auch eine eigene ressortübergreifende Strategie für Menschen mit schwerer und chronischer Migräne ist nach ihren Angaben nicht vorgesehen.
Für Heidi Reichinnek (38, Die Linke), die selbst unter Migräne leidet, ist unverständlich, dass die Bundesregierung so wenig über die Erkrankung und die Situation der Betroffenen weiß. "Betroffene berichten immer wieder, dass sie sich von Ärzten nicht ernstgenommen fühlen. Dass ihnen jetzt auch die Bundesregierung sagt: 'Sind ja nur Kopfschmerzen, habt euch mal nicht so', ist ein Schlag ins Gesicht derer, die täglich versuchen, mit ihren Schmerzen durch den Alltag zu kommen. Sie werden statistisch nicht erfasst und politisch nicht gesehen."
Migräne-Betroffene kritisieren fehlende Daten und mangelnde Aufklärung
Auch die Content-Kreatoren Anni Hoeltje (36) und Tania Wenisch (40), die sich für mehr Aufmerksamkeit rund um Migräne einsetzen und als selbst Betroffene an der Kleinen Anfrage mitwirken konnten, sind von den Antworten der Bundesregierung zur Versorgungslage entsetzt.
"Die Migräneversorgung findet im völligen Blindflug statt", kritisiert Wenisch gegenüber TAG24. Es fehlen fundierte Daten zur Versorgung, zu Wartezeiten, zum Zugang zu Therapien und zur Zahl der schwerst Betroffenen. "Dabei ist Migräne eine Volkskrankheit mit Millionen Betroffenen", betont die 40-Jährige.
Besonders kritisch sieht Wenisch die Datenlücken mit Blick auf die Frauengesundheit. Von den rund 7,3 Millionen Betroffenen seien etwa 5,3 Millionen Frauen. "Welchen Stellenwert hat Frauengesundheit in diesem Land, wenn wir bei einer Erkrankung, die überwiegend Frauen betrifft, nicht einmal die grundlegenden Versorgungsdaten erheben?", fragt sie.
Auch Hoeltje kritisiert, dass ein Großteil der Aufklärungsarbeit von den Betroffenen selbst übernommen werde. Dass die Bundesregierung keine weiteren Aufklärungskampagnen plant, kann Hoeltje nicht nachvollziehen. Dies vermittle ihr das Gefühl, dass die Betroffenen der Regierung egal seien.
Hoeltje fordert deshalb mehr Investitionen in Prävention und Aufklärung. "Wer im Gesundheitssystem sparen will, muss in frühe Diagnose, Schulungen und Aufklärung investieren. Sonst zahlt das System die Folgekosten und wir Betroffenen den Preis", betont sie. Gemeinsam appellieren die beiden Frauen: "Die Datenlücke ist jetzt belegt. Der nächste Schritt muss sein, sie zu schließen."