Unsichtbare Krankheit, große Folgen: Migräne beschäftigt jetzt den Bundestag

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Deutschland - Migräne ist mehr als Kopfschmerz - für Millionen Betroffene bestimmt die Erkrankung den Alltag. Jetzt wird sie auch zum Thema im Bundestag. Die Linksfraktion will von der Bundesregierung wissen, wie es um Forschung, Versorgung und soziale Absicherung von Menschen mit Migräne in Deutschland steht. TAG24 hat nachgehakt, was das bedeutet.

Die Linke hat eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung zum Thema Migräneforschung eingereicht. Die Bundesregierung soll nun grundsätzlich innerhalb von 14 Tagen schriftlich darlegen, über welche Daten und Erkenntnisse sie verfügt und welche Maßnahmen sie in diesem Bereich ergreift oder plant.
Die Linke hat eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung zum Thema Migräneforschung eingereicht. Die Bundesregierung soll nun grundsätzlich innerhalb von 14 Tagen schriftlich darlegen, über welche Daten und Erkenntnisse sie verfügt und welche Maßnahmen sie in diesem Bereich ergreift oder plant.  © Bildmontage: 123RF/hanohiki, Bundestag

In einer Kleinen Anfrage der Fraktion Die Linke mit dem Titel "Stand der Migräne-Forschung in Deutschland" wurde am 21. September 2026 ein Fragenkatalog mit insgesamt 20 Fragen an die Bundesregierung eingereicht.

Dabei wollen die Abgeordneten unter anderem wissen, welche Erkenntnisse der Bundesregierung über Migräne und ihre Verbreitung vorliegen, wie es um die Versorgung der Betroffenen steht und welche Forschung in diesem Bereich betrieben wird. Auch die Themen Therapien, Arbeitsleben, Behinderung und soziale Absicherung werden in der Anfrage aufgegriffen.

Bei Migräne-Betroffenen stieß die Initiative auf positive Resonanz. Gegenüber TAG24 erklärte die MigräneLiga e.V. Deutschland, eine Selbsthilfeorganisation für Menschen mit Migräne und Kopfschmerzen: "Endlich nimmt jemand aus der Bundespolitik das Leid dieser unsichtbaren Erkrankung wahr, mit der schwer Betroffene Tag für Tag kämpfen [...] Es wird Zeit, dass diese Erkrankung endlich auf höchster Ebene wahrgenommen wird."

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Die Patientenorganisation bewertet den Fragenkatalog als wichtig und positiv. "All diese Fragen sind für Betroffene relevant und verweisen gleichzeitig auf die Schwere der Beeinträchtigung - gerade bei Menschen mit chronischer Migräne, die mindestens an der Hälfte des Monats an Kopfschmerzen leiden."

Veronika Bäcker (M.), Präsidentin, und Katrin Böhnke (r.), Vizepräsidentin der MigräneLiga e.V. Deutschland, einer Selbsthilfeorganisation für Menschen mit Migräne und Kopfschmerzen, bewerten die Kleine Anfrage als wichtig und positiv.
Veronika Bäcker (M.), Präsidentin, und Katrin Böhnke (r.), Vizepräsidentin der MigräneLiga e.V. Deutschland, einer Selbsthilfeorganisation für Menschen mit Migräne und Kopfschmerzen, bewerten die Kleine Anfrage als wichtig und positiv.  © Bildmontage: MigräneLiga e.V. Deutschland, 123RF/awaygy

Heidi Reichinnek will Migräne-Betroffenen eine Stimme geben

Heidi Reichinnek (38, Die Linke) leidet selbst unter Migräne und möchte die Erkrankung mit der Kleinen Anfrage stärker in den Fokus von Öffentlichkeit und Politik rücken.
Heidi Reichinnek (38, Die Linke) leidet selbst unter Migräne und möchte die Erkrankung mit der Kleinen Anfrage stärker in den Fokus von Öffentlichkeit und Politik rücken.  © DIE LINKE

Ins Leben gerufen wurde die parlamentarische Initiative von Heidi Reichinnek (38). Die Linken-Politikerin leidet selbst an Migräne und kennt die Herausforderungen der Erkrankung daher aus eigener Erfahrung.

Im Gespräch mit TAG24 erklärt sie: "Man versucht die ganze Zeit zu verstecken und zu überspielen, dass man unter dieser Krankheit leidet, weil man weiß, dass sie nicht ernst genommen wird". Immer wieder habe auch sie den Satz "Das sind ja nur Kopfschmerzen" gehört.

Irgendwann sei sie jedoch an den Punkt gekommen, an dem sich ihre Erkrankung nicht mehr verbergen ließ. Sie habe - "zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt" - offen damit umgehen müssen, selbst unter Migräne zu leiden. Danach habe sie viel Unterstützung aus der Migräne-Community erfahren.

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Diese Erfahrungen haben die Politikerin nach eigener Aussage darin bestärkt, mit ihrer Erkrankung offensiver umzugehen. "Es ist nicht sinnvoll, damit defensiv umzugehen, sondern notwendig, in die Offensive zu kommen", sagt sie.

Deshalb wolle sie ihre politischen Möglichkeiten nutzen, um Betroffenen eine Stimme zu geben und Migräne stärker in den Fokus von Öffentlichkeit und Politik zu rücken. Dabei bezog die Linksfraktion auch die Perspektiven von Migräne-Betroffenen wie der Online-Persönlichkeit Anni Hoeltje (@migraene_du.arsch, 36) und Tania Wenisch (@chronischpolitisch, 40) in den Vorstoß ein.

Anni Hoeltje und Tania Wenisch haben bei der Kleinen Anfrage mitgewirkt

Die Content-Creator Anni Hoeltje (@migraene_du.arsch, 36, l.) und Tania Wenisch (@chronischpolitisch, 40), die sich für mehr Aufmerksamkeit rund um Migräne einsetzen, konnten als selbst Betroffene an der Kleinen Anfrage mitwirken.
Die Content-Creator Anni Hoeltje (@migraene_du.arsch, 36, l.) und Tania Wenisch (@chronischpolitisch, 40), die sich für mehr Aufmerksamkeit rund um Migräne einsetzen, konnten als selbst Betroffene an der Kleinen Anfrage mitwirken.  © Bildmontage: Maren Meerstein, Tania Wenisch

Anni Hoeltje und Heidi Reichinnek kamen ins Gespräch, nachdem Hoeltje die Politikerin öffentlich zu ihrer Migräne-Erkrankung unterstützt hatte. "Dafür bin ich sehr dankbar", so Reichinnek. Seitdem stehen sie regelmäßig im Austausch.

Als die Frage aufkam, welche Fragen zum Thema Migräne dringend an die Bundesregierung gestellt werden müssten, holte Anni die Content Creatorin Tania Wenisch ins Boot. Sie lebt selbst mit chronischer Migräne und engagiert sich ehrenamtlich kommunalpolitisch in München sowie als Behindertenbeauftragte. "Tania hat die Fragen formuliert. Heidi und die Abgeordneten der Linksfraktion hatten schließlich die Möglichkeit, daraus eine Kleine Anfrage zu machen", so die 36-Jährige gegenüber TAG24.

Für die beiden zeigt die Initiative, was gemeinsam möglich ist: "Keine von uns hätte das auf diese Weise allein machen können. Aber zusammen ist daraus etwas entstanden, das jetzt im Deutschen Bundestag liegt." Die Initiative sei ein Erfolg der gesamten Community: "Wir sehen gerade, dass unser Lautsein etwas bewirken kann. Und das ist genau das, was wir brauchen."

Tania Wenisch betont die politische Dimension der Anfrage: "Wir heben damit Migräne auf die strukturelle, ja politische Ebene", erklärt sie im Gespräch. "Wir hoffen, belastbare Daten zu bekommen, mit denen wir Versorgungslücken und Missstände nicht mehr nur beschreiben, sondern auch belegen können."

Bei Diagnose und Behandlung sieht die 40-Jährige Nachholbedarf. "Wer keine richtige Diagnose bekommt, kommt auch nicht gezielt in die richtige Behandlung", sagt sie. Nötig seien eine bessere Ausbildung, frühere Diagnosen und ein schnellerer Zugang zu spezialisierter Versorgung.

Auch gesellschaftlich müsse sich laut ihr der Blick auf Migräne verändern: "Wir müssen aufhören, Migräne nur danach zu betrachten, was diese Erkrankung mit dem einzelnen Menschen macht", fordert Tania. "Wir müssen auch darüber reden, unter welchen Bedingungen wir Menschen mit dieser Erkrankung leben lassen."

Titelfoto: Bildmontage: 123RF/hanohiki, MigräneLiga e.V. Deutschland, Die Linke, Maren Meerstein, Tania Wenisch

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