Mindestlohn zu niedrig! So viel verlangen die Deutschen pro Stunde

Berlin - Die Diskussion um die Höhe des Mindestlohns ist einmal mehr im vollen Gange. In einer Umfrage sagten die Deutschen jetzt, dass ihnen die geplanten Erhöhungen zu niedrig ausfallen. Eine Mehrheit von ihnen wünscht sich eine deutlich höhere Summe - und rennt damit bei der Kanzlerpartei SPD offene Türen ein.

Genauso wie der Kanzler hätten die Deutschen gerne einen Mindestlohn von 15 Euro die Stunde.
Genauso wie der Kanzler hätten die Deutschen gerne einen Mindestlohn von 15 Euro die Stunde.  © dpa/Sebastian Kahnert

Seit dem 1. Januar beträgt der Mindestlohn 12,41 Euro pro Stunde. Zum Start des neuen Jahres soll er auf 12,82 Euro steigen. Zu wenig, finden SPD und Kanzler Olaf Scholz (65).

Der hatte sich zuletzt für eine Erhöhung auf zunächst 14 und dann 15 Euro starkgemacht. "Jemand, der sich anstrengt, [muss] ordentlich behandelt werden - und ein ordentlicher Lohn gehört dazu", so Scholz zu "phoenix". "Und ehrlicherweise, 14 oder 15 Euro sind auch nicht die Welt. Da kann man auch nicht weit kommen."

Heftige Kritik aus Reihen der Arbeitgeber, aber auch der Union und FDP war die Folge. Doch die Bürger scheint der Kanzler mit dieser Forderung auf seiner Seite zu haben.

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In einer aktuellen "Civey"-Umfrage, die TAG24 vorliegt, sprachen sich jetzt 51,8 Prozent (42,5 Prozent dagegen) der Befragten für eine Mindestlohnerhöhung auf 15 Euro pro Stunde aus. Zugleich sagten 54,0 Prozent (40,3 Prozent dagegen), dass die aktuelle Erhöhung zu niedrig ausgefallen sei.

SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert sieht Umfrage als Bestätigung

SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert (34).
SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert (34).  © dpa/Bernd von Jutrczenka

"Jetzt ist es amtlich: Arbeitgeberverband, Union und FDP argumentieren bei den niedrigsten Löhnen am Gerechtigkeitsgefühl der Deutschen vorbei. Eine klare Mehrheit im Land unterstützt den Bundeskanzler im Kampf um einen gerechteren Mindestlohn von 14 oder 15 Euro", sieht sich auch SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert (34) gegenüber TAG24 bestätigt.

"Dass Mindestlohn-Erhöhungen um 41 Cent pro Jahr lächerlich sind, weiß jeder, der regelmäßig im Supermarkt oder an der Tankstelle steht. Die nächste Mindestlohn-Erhöhung muss die Fehlentscheidungen der Vergangenheit korrigieren. Die SPD erwartet, dass die für Erhöhungen zuständige Mindestlohnkommission bei der nächsten Verhandlung wieder einstimmig entscheidet."

Neben Scholz und Kühnert hatte sich auch eine dritte SPD-Größe zuletzt für einen höheren Mindestlohn ausgesprochen. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur machte sich auch Parteichef Lars Klingbeil (46) jüngst für eine deutliche Erhöhung stark.

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Zugleich sagte er, dass er sich auch eine Reform der zuständigen Kommission vorstellen könne, wenn es im kommenden Jahr nicht zu einer einvernehmlichen Erhöhung in angemessener Höhe kommen sollte. "Alles ist möglich, das will ich klar sagen."

So funktioniert die Mindestlohnkommission

Die Mindestlohnkommission besteht aus insgesamt neun Mitgliedern. Neben dem Vorsitzenden sitzen je drei Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie zwei nicht stimmberechtigte Experten aus der Wissenschaft. Besteht ein Patt, entscheidet der Vorsitzende.

Alle fünf Jahre wird sie neu bestimmt. Ihre Arbeit ist unabhängig und ehrenamtlich.

Titelfoto: dpa/Sebastian Kahnert

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