Betrug, Diebstahl, Sexvideos und Drogen: AfD hält an umstrittenem Kandidaten fest
Gommern/Magdeburg - Am Sonntag wird in der Kleinstadt Gommern (Landkreis Jerichower Land) bei Magdeburg ein neuer Bürgermeister gewählt. Ein Kandidat der AfD erhält trotz mehrerer Skandale Rückenwind von seiner Partei.
Phillipp-Anders Rau (43) will Bürgermeister werden. Der Mann, der sich als Macher mit neuen Ideen darstellt, war nicht immer Mitglied der Alternative für Deutschland, die in Sachsen-Anhalt als rechtsextremistische Bestrebung eingestuft wird.
Während seiner dortigen Mitgliedschaft trat er zugleich der CDU bei, ehe er im Mai 2016 wieder austrat, wie Recherchen des MDR ergeben haben. In der Satzung beider Parteien ist eine sogenannte Doppelmitgliedschaft nicht zulässig.
Weiterhin nehme der heute 43-Jährige es mit der Wahrheit nicht so genau. Um an der Hochschule Magdeburg-Stendal studieren zu können, soll er sein Abiturzeugnis mit der Note 3,5 schamlos auf die Note 1,0 gefälscht haben.
Als dies aufflog, exmatrikulierte ihn die Einrichtung wegen arglistiger Täuschung.
Nachgewiesen: Sexvideos, Diebstahl und Drogensucht
Zudem gebe es auch im Internet mehrere Videos, die den Politiker bei eindeutigen Handlungen zeigen. So soll er unter anderem Pornos gedreht haben, die ihn beim Geschlechtsverkehr im Automatenbereich der Magdeburger Sparkasse, in einem Möbelhaus oder auch in einem Auto bei Tempo 120 auf der Autobahn zeigen.
Im Jahr 2009 wurde Rau wegen Diebstahls verurteilt. Zusammen mit einem Komplizen hatte er aus einem Münchner Hotel mehrere Gegenstände entwendet. Darunter 100 Handtücher.
Vor ungefähr neun Jahren tauchten dann Chatnachrichten auf, in denen er sich abfällig über Geflüchtete äußerte. Weiterhin schlug der darin vor, seinen Keller als "Haftraum" zu nutzen.
Auch eine Kokainsucht hatte er zugegeben. Diese gab er als Grund für seine Fehlverhalten an, bei denen es für den Politiker vor Gericht ging.
Partei hält an Kandidaten fest
Kann eine so umstrittene Person wirklich Bürgermeister werden? Ja, wenn es laut dem AfD Kreisverband Jerichower Land geht.
Dieser habe den Reportern mitgeteilt: "Zu den angesprochenen Vorwürfen im Zusammenhang mit privaten Tätigkeiten ist festzuhalten, dass die genannten Sachverhalte rund 14 Jahre zurückliegen und ausschließlich den privaten Lebensbereich betreffen."
Die politische Arbeit, das Engagement vor Ort und die inhaltliche Ausrichtung stehe für die Partei im Vordergrund.
Titelfoto: Carsten Koall/dpa

