Innenminister schießt gegen AfD: "Muss selbst kaltherzigsten Rassisten klar sein"
Potsdam - Ein Auftritt des österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner (37) hat in Brandenburg erneut jede Menge Staub aufgewirbelt - mittendrin die AfD.
Ursprünglich sollte das Treffen auf Einladung des AfD-Bundestagsabgeordneten Steffen Kotré (54) und seiner Frau Lena Kotré (38) sogar im AfD-Wahlkreisbüro in Luckenwalde abgehalten werden.
Nach Einspruch der AfD-Bundesführung und des Brandenburger Landesvorsitzenden Rene Springer (46) wurde die Veranstaltung gecancelt. Stattdessen hielt der Kopf der "Identitären Bewegung Österreich" in Vetschau Einzug und lud nun seinerseits ein - Lena Kotré folgte.
An ihrer Person entzündet sich die harsche Kritik von Rene Wilke (41, SPD): "Das rein taktische Lavieren der AfD-Führung gegenüber Martin Sellner wird durch Lena Kotré zur Farce", echauffierte sich Brandenburgs Innenminister.
Ihr unverhohlener Schulterschluss mit dem rechtsextremistischen Ideologen offenbare den Kern dieser Partei. "Dieser AfD-Landesverband hat unter dem Deckmantel einer vermeintlichen 'Alternative' den Pfad der Rechtsstaatlichkeit weit hinter sich gelassen", mahnte der 41-Jährige an.
Brandenburgs Innenminister Rene Wilke kritisiert AfD-Frau Lena Kotré scharf
Der SPD-Politiker betonte, dass der deutsche Staat nicht auf Selektion nach Abstammung, sondern auf dem Bekenntnis zu gemeinsamen Werten basiere. "Die Forderung, 'millionenfach abzuschieben, bis die Startbahn glüht', ist kein Ausdruck rechtsstaatlicher Politik, sondern eine erschreckende Fantasie der Massenvertreibung", stellte er klar.
Zudem prangerte der Innenminister an, dass Kotré bei besagter Veranstaltung laut darüber nachgedacht habe, "ob eine Bevölkerung von 60 Millionen Deutschen nicht auch erst einmal reichen würde", womit sie die Zwangsvertreibung von 20 Millionen Menschen andeutete.
In diesem Zusammenhang "muss selbst dem kaltherzigsten Rassisten klar sein, dass dies unter anderem den Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft, das Ende der Pflege von Alten und Kranken, Not und Elend über fast alle Menschen dieses Landes heraufbeschwören würde", bekräftige Wilke mit Nachdruck.
Es sage seiner Ansicht nach alles über die AfD in Brandenburg aus, dass eine Person wie Lena Kotré Mitglied der Landtagsfraktion und der Partei sein und bleiben dürfe. Der Verfassungsschutz hat nicht nur die AfD in Brandenburg als "gesichert rechtsextrem" eingestuft.
Titelfoto: Frank Hammerschmidt/dpa, Soeren Stache/dpa (Bildmontage)

