Nach "N-Wort-Eklat": Tübinger Alternative Liste hält nach wie vor zu Palmer

Tübingen - Nach der Ankündigung einer Auszeit im Amt als Tübingens Oberbürgermeister unterstützt die Alternative Liste (AL) Boris Palmer (50) weiterhin.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer stand zuletzt wegen zweifelhafter Äußerungen immer wieder in der Kritik.
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer stand zuletzt wegen zweifelhafter Äußerungen immer wieder in der Kritik.  © Bernd Weißbrod/dpa

"Wir stehen bei aller Kritik zu unserem Oberbürgermeister und seiner Klimapolitik", sagte Bruno Gebhart (74), Vorstand der Wählervereinigung, dem "Spiegel" (Samstag). Die AL ist als Verein organisiert und stellt zusammen mit dem Tübinger Stadtverband der Grünen eine gemeinsame Fraktion im Tübinger Gemeinderat.

Sicherlich sei es eine richtige Entscheidung von Palmer, sich psychologische Hilfe zu holen und eine einmonatige Auszeit zu nehmen, sagte Gebhart demnach.

Denn immer wieder habe der Oberbürgermeister in kontroversen Situationen die Kontrolle über sich verloren. Palmer ist selbst Mitglied der AL.

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Gegenüber dem "Spiegel" bestätigte er, auch nicht austreten zu wollen.

Palmer hatte Ende April mit einem Auftritt bei einer Migrationskonferenz in Frankfurt am Main heftige Debatten ausgelöst.

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Ein Bild mit Symbolcharakter? Boris Palmer zieht sich vorläufig aus der Öffentlichkeit zurück. Auch seiner Partei, den Grünen, kehrt er den Rücken.  © Bernd Weißbrod/dpa

Er hatte sich vor einem Gebäude der Goethe-Universität eine verbale Auseinandersetzung mit einer Protestgruppe über seine Verwendung des "N-Wortes" geliefert. Nachdem er den Begriff mehrmals wiederholt hatte, hatten ihn die Protestierenden mit "Nazis raus"-Rufen konfrontiert.

Daraufhin hatte Palmer zu der Menge gesagt: "Das ist nichts anderes als der Judenstern. Und zwar, weil ich ein Wort benutzt habe, an dem ihr alles andere festmacht. Wenn man ein falsches Wort sagt, ist man für euch ein Nazi."

Mit dem sogenannten N-Wort wird heute eine früher in Deutschland gebräuchliche rassistische Bezeichnung für Schwarze umschrieben. Als Konsequenz war Palmer am Montag aus seiner Partei ausgetreten.

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In einer Pressemitteilung der gemeinsamen Fraktion der AL und der Grünen vom Dienstag hieß es dazu: "Die AL/Grüne Fraktion Tübingen verurteilt diese Aussagen und distanziert sich deutlich davon."

Die Fraktion respektiere die Ankündigung Palmers, einer Auszeit in seinem Amt als Oberbürgermeister von Tübingen nehmen zu wollen.

Titelfoto: Bernd Weißbrod/dpa

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