Machtlos "gegen schlechte Menschen": Vize-Präsidentin verteidigt EU-Lobby nach Korruptionsskandal

Hamburg - Die deutsche Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Katarina Barley (54, SPD), hat in einem Interview die Transparenz- und Lobbyregeln des Parlaments, trotz des Korruptionsskandals um ihre griechische Kollegin Eva Kaili (44), verteidigt.

Katarina Barley (54, SPD) hält nur für sehr wenige Menschen ihre Hand ins Feuer.
Katarina Barley (54, SPD) hält nur für sehr wenige Menschen ihre Hand ins Feuer.  © Sebastian Gollnow/dpa

"Gegen kriminelle Energie helfen die besten Vorschriften nichts", betont Katarina Barley gegenüber dem "Stern". Barley bezeichnet ihre seit Sonntag inhaftierte Kollegin dabei als einen "Extremfall".

Eva Kaili wurde zusammen mit drei weiteren Verdächtigen von den belgischen Behörden verhaftet. Ihnen wird Korruption, Geldwäsche und die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Sie ist inzwischen von ihren Tätigkeiten als eine von vierzehn Vize-Präsidenten des EU-Parlaments suspendiert.

Die belgische Zeitung "L'Echo" hatte berichtet, dass die Polizei in Kailis Wohnung "Säcke voller Geldscheine" vorgefunden habe. Hierbei soll es sich um Bestechungsgelder aus Katar handeln. Das Emirat habe versucht, so Einfluss auf Entscheidungen des EU-Parlaments zu nehmen.

Büroräume durchsucht: Razzia bei Ex-Mitarbeiter von Maximilian Krah
Europäische Union Büroräume durchsucht: Razzia bei Ex-Mitarbeiter von Maximilian Krah


Lobby-Regeln des EU-Parlaments werden "natürlich" geprüft

"Säcke voller Geld" aus Katar: Eva Kaili (44), Vize-Präsidentin des EU-Parlaments, steht in Korruptionsverdacht
"Säcke voller Geld" aus Katar: Eva Kaili (44), Vize-Präsidentin des EU-Parlaments, steht in Korruptionsverdacht  © Eric Vidal/European Parliament/dpa

Kaili habe ihre Beziehungen nach Katar auch nicht verheimlicht, sondern sogar ihre Expertise daraus abgleitet, so Barley. Obwohl die Lobby-Regeln des EU-Parlaments bereits strenger als die des Bundestages seien, werde das EU-Parlament diese "natürlich prüfen" und gegebenenfalls verschärfen.

Generell mache der Korruptionsskandal Katarina Barley "unfassbar wütend". "Ich habe mein Leben lang für Rechtsstaatlichkeit und gegen Korruption gekämpft. Aber gegen schlechte Menschen können Sie nichts machen."

In dem Interview erklärt Barley in Bezug auf weitere mögliche Korruptions-Verstrickungen unter ihren Fraktionskollegen: "Wir haben im Laufe der Geschichte schon so viele Dinge gesehen, die wir nie erwartet hätten, dass ich insgesamt für sehr wenige Menschen immer meine Hand ins Feuer legen würde."

Titelfoto: Bildmontage: Sebastian Gollnow/dpa & Eric Vidal/European Parliament/dpa

Mehr zum Thema Europäische Union: