Emmanuel Macron vor der Frauenkirche: So war die Rede des Präsidenten in Dresden

Dresden - Bienvenue, Monsieur le Président! Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (46) hat am Montag Dresden besucht. Vor der Frauenkirche rief er in einer langen Rede, die er zu kleinen Teilen in Deutsch und zu großen in Französisch hielt, zur Verteidigung Europas auf.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (46) besuchte am Montag Dresden.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (46) besuchte am Montag Dresden.  © dpa/Jan Woitas

"Es ist mir eine Freude, hier zu sein, endlich hier zu sein", stieg Macron in Deutsch in seine Rede ein. "Als erster französischer Präsident seit der Wiedervereinigung hier vor ihnen zu sprechen, ehrt mich ganz besonders, es berührt mich sehr. Es ist eine Ehre für mich als Franzose und Freund von Deutschland, aber auch für mich, als überzeugter Europäer."

Dann wechselte der 46-Jährige ins Französische und wurde deutlich. "Europa erlebt einen entscheidenden Moment. Unser Europa kann sterben, wenn wir die falschen Entscheidungen treffen."

Vor Tausenden auf dem Neumarkt forderte er, eine gemeinsame Verteidigungs- und Sicherheitsstrategie auf die Beine zu stellen und "geschlossen als Europäer handeln".

Macron warnt vor Extremen und beschwört die deutsch-französische Freundschaft

Die Frauenkirche bot der Rede eine würdige Kulisse.
Die Frauenkirche bot der Rede eine würdige Kulisse.  © dpa/Jan Woitas

Weiter warnte Macron vor einer Gefahr der Extreme für Europa. Demokratie und Freiheit seien allen so selbstverständlich erschienen, man müsse sich aber nur einmal umschauen.

Viele sagen sich, man wolle das Geld aus Europa, aber nicht die Unabhängigkeit der Justiz, die Pressefreiheit, die Vielfalt der Kultur, die Autonomie der Universitäten. "Diese Tendenz ist keine Tendenz, sie ist Realität in Ungarn. Das war Realität bis zu den wunderbaren Wahlen in Polen."

Auch sprach sich Macron für ein neues Wachstumsmodell für kommende Generationen aus.

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Emmanuel Macron Staatsbesuch in Berlin: Hier legt Macron Kranz am Holocaust-Mahnmal ab

"Das bedeutet nicht, dass man sich zwischen Wirtschaftswachstum und Klimaschutz entscheiden muss. Das wäre ein ganz furchtbarer Irrtum." Vielmehr müsse man massiv in eine Dekarbonisierung der Wirtschaft und den Klimaschutz investieren.

Zum Ende der Rede dann wieder der Wechsel ins Deutsche: "Nichts scheint zu sein wie vorher. Wir Franzosen stellen uns die gleichen Fragen wie die Deutschen. Bei all diesen Veränderungen gibt es aber eine Konstante, die deutsch-französische Freundschaft. Gemeinsam, nur gemeinsam können wir diese Herausforderungen meistern. Deutschland kann auf Frankreich zählen, Frankreich zählt auf Deutschland."

Macron und seine Frau Brigitte besuchten auch Schloss Moritzburg

Staatsmänner und ihre Frauen: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (49, CDU, 2.v.l.), Emmanuel Macron (46, 3.v.r.) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (68, SPD).
Staatsmänner und ihre Frauen: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (49, CDU, 2.v.l.), Emmanuel Macron (46, 3.v.r.) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (68, SPD).  © AFP/Ludovic Marin

Die Rede vor der Frauenkirche war natürlich nicht der einzige Termin von Emmanuel Macron in Dresden. Zum Start seines Besuches in Elbflorenz ging es für ihn und seine Frau Brigitte (71) nach Moritzburg. Dort wurden die beiden von Ministerpräsident Michael Kretschmer (49, CDU) samt Gattin Annett Hofmann (45) in Empfang genommen.

Der schenkte dem französischen Ehrengast einen "Säulenapfelbaum Rhapsodie" aus einer Baumschule in Kreischa. Schon bald soll der im königlichen Gärten von Schloss Versailles gepflanzt werden.

Neben einem gemeinsamen Familienfoto samt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (68, SPD) und Ehefrau Elke Büdenbender (62) vor dem Schloss stand in Moritzburg dann noch ein gemeinsames Essen mit ausgewählten Bürgern in "Adams Gasthof" an.

Anschließend ging es weiter ins Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme (IPMS). Unter anderem zu einem Expertengespräch zum Thema Künstliche Intelligenz.

Ein sächsischer Apfelbaum für Versailles.
Ein sächsischer Apfelbaum für Versailles.  © DPA/Robert Michael
Die Macrons beim Mittagessen in "Adams Gasthof".
Die Macrons beim Mittagessen in "Adams Gasthof".  © dpa/Sebastian Kahnert

Am Dienstag wird Macron zum Abschluss seines Staatsbesuches noch nach Münster reisen und dort den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens in Empfang nehmen. Anschließend geht's aber noch nicht heim, sondern zum deutsch-französischen Ministerrat auf Schloss Meseberg nahe Berlin.

Titelfoto: dpa/Jan Woitas

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