Von Michael Fischer
Bischkek/Berlin/Brüssel/Leipzig - Die schweren Spannungen zwischen Berlin und Moskau haben sich infolge des gescheiterten Angriffs mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle nochmals deutlich verschärft. Russlands Präsident Wladimir Putin (73) bezeichnete die deutschen Strafmaßnahmen gegen sein Land als "schweren Fehler" und sprach von Beweisfälschung.
Die Bundesregierung hatte am Dienstag ein ganzes Bündel von Vergeltungsmaßnahmen gegen Russland angekündigt.
Putin warf der Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) ein innenpolitisch motiviertes Manöver in Wahlkampfzeiten vor. "Wo sind die Beweise?", fragte der Kremlchef auf einer Pressekonferenz im kirgisischen Bischkek. "Merz hat das Vertrauen der Bürger verloren, da er die nationalen Interessen Deutschlands nicht schützt", behauptete Putin.
Russlands Botschafter in Berlin, der zuvor ins Auswärtige Amt einbestellt worden war, sprach von "absurden" Vorwürfen und einer "hastig zusammengezimmerten Provokation am Flughafen in Leipzig". Die von deutscher Seite angekündigten Maßnahmen würden "eine beispiellose Eskalation in den russisch-deutschen Beziehungen darstellen und nicht ohne Folgen bleiben".
Die alleinige Verantwortung dafür liege bei der Bundesregierung. Das russische Außenministerium kündigte eine "spiegelbildliche" Reaktion an, also Vergeltung mit ähnlichen Maßnahmen. Konkrete Ankündigungen dazu gab es aus Moskau zunächst noch nicht.
Die EU berät ebenfalls über Sanktionen
Beim Treffen der EU-Außenminister in Wicklow bei Dublin will der deutsche Chefdiplomat Johann Wadephul (63, CDU) seine Kollegen am Mittwoch über die Ermittlungen zu dem brisanten Drohnen-Vorfall informieren.
Auch die weitere Unterstützung der Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland wird in Irland eine zentrale Rolle spielen.
In Brüssel wird sich der Nato-Rat auf deutsche Initiative mit dem gescheiterten Anschlag befassen.
Nato-Generalsekretär Mark Rutte (59) begrüßte - ebenso wie die Ukraine - die von Deutschland geplanten Maßnahmen. "Die Beweise sind eindeutig", teilte der Niederländer mit. Die Nato stehe nach dem russischen hybriden Angriff in voller Solidarität an der Seite Deutschlands.
Rutte wird sich heute auch mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (67) dazu austauschen. Ihren Angaben zufolge könnte es als Reaktion auf den mutmaßlichen Anschlagsversuch zusätzliche EU-Sanktionen gegen Russland geben.
Eine mit Sprengstoff und Zündmechanismus präparierte Drohne war am Abend des 4. August im Sicherheitsbereich des Flughafens Leipzig/Halle zwischen ukrainischen Frachtmaschinen entdeckt worden. Die Bundesanwaltschaft nahm Ermittlungen auf und sprach von einem "schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland".