Schüsse bei Gala-Dinner: Blutbad verhindert, profitiert Donald Trump jetzt davon?

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Von Jan Christoph Freybott

Washington - Nach den Schüssen bei einer Abendveranstaltung mit US-Präsident Donald Trump (79) gewinnt das Rennen um die Deutungshoheit der Ereignisse an Fahrt.

US-Präsident Donald Trump (79) und First Lady Melania (56) sprachen kurz nach dem Angriff auf einer Pressekonferenz.
US-Präsident Donald Trump (79) und First Lady Melania (56) sprachen kurz nach dem Angriff auf einer Pressekonferenz.  © Alex Brandon/AP/dpa

Während Trump sich kurz nach den Schüssen zunächst als standfester Staatsmann inszeniert, nutzen seine Republikaner schon die Chance, den Druck auf die Demokraten zu erhöhen. Parteiübergreifend löste der Vorfall Entsetzen aus, aber auch Dankbarkeit für den Einsatz der Sicherheitsleute.

Das Ereignis fällt in eine Zeit, in der Trump innenpolitisch unter Druck steht. Während die Spritpreise steigen und beim Iran-Krieg kein schneller Ausweg in Sicht ist, fallen Trumps Zustimmungswerte auf dem niedrigsten Stand seit Beginn seiner zweiten Amtszeit.

Für Trumps Republikaner ist das gefährlich, weil sie bei den Zwischenwahlen im November ihre knappe Mehrheit im Kongress verteidigen wollen.

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"Wie in vergangenen Fällen ist auch diesmal vorstellbar, dass Trump politisch gestärkt aus dem Attentat hervorgeht", sagte Laura von Daniels, US-Expertin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, der Deutschen Presse-Agentur. Denn gerade die MAGA-Bewegung um den früheren Fox-Moderator Tucker Carlson (56) drohte sich wegen des Iran-Kriegs und der schlechten Wirtschaftsentwicklung von Trump abzuwenden, wie von Daniels erläutert.

Dias Sicherheitskonzept rund um das Gala-Dinner im Hotel wirft Fragen auf.
Dias Sicherheitskonzept rund um das Gala-Dinner im Hotel wirft Fragen auf.  © Tom Brenner/AP/dpa

Trump konnte schon einmal politisches Kapital aus einem Attentatsversuch schlagen

Bereits im Wahlkampf vor der letzten Präsidentenwahl konnte Donald Trump politisches Kapital aus einem Attentatsversuch schlagen.
Bereits im Wahlkampf vor der letzten Präsidentenwahl konnte Donald Trump politisches Kapital aus einem Attentatsversuch schlagen.  © Evan Vucci/AP/dpa

Carlson hatte Trump wegen des Iran-Kriegs zuletzt scharf kritisiert. Viele Anhänger der "Make America Great Again"-Bewegung (MAGA) hatten sich von Trump erhofft, dass er den Fokus mehr auf das Inland legen würde.

Bei dem Gala-Dinner mit der Hauptstadtpresse war am Samstagabend (Ortszeit) ein schwer bewaffneter Mann durch eine Sicherheitsschleuse gestürmt und von Sicherheitskräften überwältigt worden. Es fielen Schüsse, der Präsident wurde von seinen Personenschützern in Sicherheit gebracht.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Trump aus einem Angriff Kapital schlagen kann. Bei einem versuchten Attentat vor rund zwei Jahren in Butler im Bundesstaat Pennsylvania schoss ein 20-jähriger Mann auf Trump, erwischte ihn am Ohr und traf einen Zuschauer tödlich.

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Umzingelt vom Secret Service und mit Blut im Gesicht, reckte Trump daraufhin die Faust in den Himmel, was unter seinen Anhängern als ikonischer Moment gewertet wurde. Im Wahlkampf mit dem Demokraten Joe Biden (83) ließ das seine Zustimmungswerte deutlich steigen.

Auch am Samstag war Trump um eine schnelle Reaktion bemüht. Nur etwa 30 Minuten nach den Schüssen forderte er, das Dinner zu Ende zu bringen. "Lasst die Show weiterlaufen", teilte er mit.

Stunden nach Angriff: Trump geht auf Demokraten los

Trump konnte unmittelbar nach dem Vorfall als Präsident überzeugen.
Trump konnte unmittelbar nach dem Vorfall als Präsident überzeugen.  © Jose Luis Magana/AP/dpa

In einer Pressekonferenz später am Abend gab sich Trump dann als einender Staatsmann: "Angesichts der Ereignisse dieses Abends rufe ich alle Amerikaner dazu auf, sich von Herzen dafür einzusetzen, unsere Differenzen friedlich beizulegen."

Menschen aus verschiedenen politischen Richtungen hätten an diesem Abend zusammengehalten, sagte Trump. "Es herrschte eine unglaubliche Atmosphäre der Liebe und des Zusammenhalts."

Wie das "Wall Street Journal" kommentierte, ging Trump am Samstag voll in seiner Rolle als Präsident auf. Sein Lob für den Secret Service, seine Forderung nach einer Fortführung: "Er hat erneut bewiesen, dass er in gefährlichen Situationen am besten zur Geltung kommt."

Keine 24 Stunden später schlug Trump dann wieder schärfere Töne an. Nach einer Zunahme politischer Gewalt gefragt, sagte Trump, das habe es immer gegeben. "Ich glaube allerdings, dass die hasserfüllte Rhetorik der Demokraten weitaus gefährlicher geworden ist. Ich halte das wirklich für sehr gefährlich für das Land." Trump selbst wird allerdings auch immer wieder vorgeworfen, mit seinen teils extremen Äußerungen zur Polarisierung im Land beizutragen.

Zur Überraschung vieler Beobachter setzt Trump den ersten inhaltlichen Akzent in Richtung seines Lieblings-Bauprojekts: dem riesigen Ballsaal. "Mit dem derzeit am Weißen Haus im Bau befindlichen, militärisch streng geheimen Ballsaal wäre dieses Ereignis niemals passiert", schrieb Trump. "Er kann gar nicht schnell genug fertiggestellt werden." 

Titelfoto: Bildmontage: Tom Brenner/AP/dpa, Alex Brandon/AP/dpa

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