"Ein Abgrund deutscher Geschichte": NRW-Chef besucht KZ Auschwitz-Birkenau

Von Dorothea Hülsmeier

Auschwitz/Düsseldorf - Erstmals besucht Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (50, CDU) am Mittwoch das ehemalige deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau - und wird einen Blick tief in die Unmenschlichkeit werfen. 

Im KZ Auschwitz-Birkenau wurden mindestens 1,1 Millionen Menschen von den Nazis ermordet.  © Beata Zawrzel/AP/dpa

"Für alle Deutschen muss klar sein: Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz", hatte Wüst 2023 im Landtag in einer Gedenkstunde zur Befreiung der Überlebenden von Auschwitz 1945 durch die Rote Armee gesagt. "Jeder, der in Deutschland lebt, ist aufgerufen, sich mit den Schrecken der Vergangenheit immer wieder auseinanderzusetzen."

Mindestens 1,1 Millionen meist jüdische Häftlinge wurden in Auschwitz in Gaskammern ermordet, erschossen oder starben an den Folgen von Zwangsarbeit, Hunger, Krankheiten, Misshandlungen oder den unmenschlichen Lebensbedingungen des Lagers.

Vor seiner Reise bekräftigte der 50-jährige Regierungschef daher erneut: "Auschwitz ist ein Abgrund deutscher Geschichte." Die Erinnerung an den Holocaust aber sei kein Selbstläufer. Dafür brauche es Zugang, Begegnungen und den politischen Willen, die Erinnerung auch für kommende Generationen lebendig zu halten. Dies werde umso wichtiger, weil immer weniger Zeitzeugen von den Verbrechen berichten könnten. 

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Die Aufgabe sei deshalb, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass junge Menschen verstehen könnten, was geschehen ist und welche Verantwortung daraus erwachse. "Wir können die Vergangenheit nicht ändern, aber wir entscheiden, wie wir mit ihr umgehen", sagte Wüst. 

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Darum war NRW-Chef Hendrik Wüst bislang nicht in Auschwitz-Birkenau

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (50, CDU) ist aktuell zu Besuch in Polen.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Der Kampf gegen Antisemitismus ist für den NRW-Regierungschef ein wichtiges Anliegen. So hat sich die Landesregierung als Ziel gesetzt, dass alle Schülerinnen und Schüler in NRW einmal in ihrer Schulzeit ein ehemaliges Konzentrationslager, eine Gedenkstätte oder einen Erinnerungsort besuchen. Künftig sollen auch angehende Lehrkräfte und Polizeianwärter sowie auch Rechtsreferendare in Gedenkstättenfahrten einbezogen werden. 

Als Konsequenz aus dem Terror-Angriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hatte NRW zudem einen Zehn-Punkte-Plan gegen Antisemitismus vorgelegt. 

Für Wüst hat der Besuch in Auschwitz zudem eine besondere Bedeutung, denn er wird die Gedenkstätte erstmals überhaupt betreten. Dass der CDU-Politiker, der seit Herbst 2021 Regierungschef in NRW ist, erst jetzt Auschwitz besucht, hat einen Grund.

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Ursprünglich wollte Wüst im November 2024 nach Polen reisen. Damals sagte er den Besuch jedoch wegen des Bruchs der Ampel-Bundesregierung aus SPD, FDP und Grünen kurzfristig ab. Ein knappes Jahr vor der NRW-Landtagswahl holt Wüst die Reise nun nach. 

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