Kretschmer warnt vor AfD und nennt Wahlprogramm in Sachsen-Anhalt "verrückt"

Von Daniel Josling

Dresden/Magdeburg - Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (50, CDU) hat die AfD scharf kritisiert und vor einer möglichen Regierungsübernahme der Partei in Sachsen-Anhalt gewarnt.

Michael Kretschmer (50, CDU) sieht die AfD auf einem "rückwärtsgewandten" Kurs und warnt vor den Folgen möglicher Regierungsverantwortung.  © Jens Kalaene/dpa

"Wenn man das Wahlprogramm von Sachsen-Anhalt liest, muss man sagen: Was für eine rückwärtsgewandte Politik in der Bildung, der Wissenschaft oder der Europapolitik. Abschaffung der Schulpflicht, verrückt!", sagte der CDU-Politiker der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". 

Auch in anderen Politikfeldern sieht Kretschmer die AfD auf einem aus seiner Sicht problematischen Kurs. So kritisierte er Angriffe der Partei auf die Kirchen: "Man geriert sich als Verteidiger des christlichen Abendlandes – und will den Kirchen die Gelder wegnehmen."

Vor dem Hintergrund hoher Umfragewerte der AfD – teils nahe 40 Prozent in Sachsen-Anhalt – warnte der CDU-Politiker vor den möglichen Folgen eines Regierungswechsels.

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"Die Frage, wer regiert, entscheidet sehr viel", sagte er. Deshalb arbeite die CDU dort gemeinsam mit Landeschef Sven Schulze (46) daran, "dass es nicht zu einer AfD-Regierung kommt".

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Ulrich Siegmund (35) ist Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt.  © Michael Kappeler/dpa

Kretschmer stellt sich gegen "Entzauberungs"-These

Grundsätzlich wandte sich Kretschmer gegen die These, die AfD könne sich in Regierungsverantwortung selbst entzaubern. "Die Lösung, die AfD wieder kleiner zu machen, liegt nicht darin, sie in die Verantwortung zu bringen", sagte er.

Ebenso wenig helfe es aus seiner Sicht, allein auf Demonstrationen oder Abgrenzungsbeschlüsse zu setzen. "Demokratie und Rechtsstaat verteidigen wir am besten, indem wir zeigen, dass die Institutionen und die Verfahrensregeln, die wir uns geben, erfolgreich die Probleme des Landes lösen."

Dies gelinge derzeit "in den Augen eines großen Teils der Bevölkerung aber nicht ausreichend".

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