Umstrittene Politologin Guérot erhält Kündigung von Uni Bonn wegen Plagiatsvorwurfs

Bonn - Die umstrittene Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot (59) hat nach eigenen Angaben wegen eines Plagiatsvorwurfs die Kündigung von der Universität Bonn erhalten.

Die Universität Bonn hat die Plagiatsvorwürfe ernst genommen und in einem Gremium besprochen.
Die Universität Bonn hat die Plagiatsvorwürfe ernst genommen und in einem Gremium besprochen.  © Volker Lannert/dpa

"Die @unibonn hat mir wegen Plagiat in einem nicht-wissenschaftl. Buch von 2016 zum 31.3. gekündigt", twitterte die Bestsellerautorin am Freitag. "Ich werde dagegen juristisch vorgehen und stehe deswegen nicht für Anfragen zur Verfügung. Ich wäre die erste Person, der in D wegen 'Plagiat' gekündigt würde: es wird spannend".

Die Universität Bonn bestätigte "arbeitsrechtliche Schritte" gegen Guérot. Im vergangenen Jahr seien öffentlich Vorwürfe gegen die Politikwissenschaftlerin erhoben worden, sie habe sich während ihrer Dienstzeit an der Universität Bonn fremdes geistiges Eigentum angeeignet, ohne dies als solches kenntlich zu machen.

Die zuständigen Gremien hätten den Sachverhalt geprüft und sähen ihn als erwiesen an. "Dem von Frau Prof. Dr. Guérot unter anderem vorgetragenen Einwand, dass es sich bei den relevanten Publikationen nicht um wissenschaftliche Veröffentlichungen handele, sind die zuständigen Gremien nicht gefolgt."

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Das Rektorat habe daraufhin die gebotenen arbeitsrechtlichen Schritte eingeleitet.

Ulrike Guérot hat auf Twitter über den Vorfall berichtet

Ulrike Guérot ist durch ihre politische Einstellung aufgefallen

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Alice Schwarzer (79, r.) und Sahra Wagenknecht (53, Die Linke) verfassten das "Manifest für Frieden" gemeinsam.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Nach Informationen der "Neuen Züricher Zeitung" beziehen sich die Vorwürfe auf ihr 2016 erschienenes Buch "Warum Europa eine Republik werden soll". Ihr werde vorgeworfen, die Übernahme von Zitaten anderer Autoren nicht durchgängig korrekt ausgewiesen zu haben. Guérot habe sich dafür entschuldigt und von Flüchtigkeitsfehlern unter Zeitdruck gesprochen.

Die Politologin war während der Corona-Pandemie als scharfe Kritikerin staatlicher Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus hervorgetreten, da sie dadurch die Demokratie in Gefahr sah. Ihr Buch "Wer schweigt, stimmt zu" wurde ein Bestseller. Nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine forderte sie immer wieder sofortige Friedensverhandlungen.

Kritiker warfen ihr vor, das Verhältnis von Angreifer und Angegriffenem teilweise umzukehren und die Ukraine wahrheitswidrig als Schuldigen hinzustellen.

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Zuletzt war Guérot eine der Erstunterzeichnerinnen des von Alice Schwarzer (79) und Sahra Wagenknecht (53, die Linke) verfassten "Manifests für Frieden", das ebenfalls ein Ende der Waffenlieferungen und Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin fordert.

Titelfoto: Volker Lannert/dpa

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