Sachsens Grüne schießen gegen Schnee-Kanonen: Frostige Kritik an künstlicher Beschneiung

Oberwiesenthal/Zwickau - In Kürze beginnt die Skisaison. Schon seit Tagen laufen an vielen Orten im Erzgebirge und im Vogtland die Schneekanonen, allein in Oberwiesenthal sind es hundert Stück. Gegen die technischen Hilfsmittel wendet sich jetzt eine Reihe grüner Politiker im Freistaat.

Peinlich oder passend? Der künstlich beschneite Ski-Hang in Augustusburg im Jahr 2019.
Peinlich oder passend? Der künstlich beschneite Ski-Hang in Augustusburg im Jahr 2019.  © Uwe Meinhold

Landesvorsitzende Marie Müser (25) sagt: "Kunstschnee ist nicht nur unwirtschaftlich, klimaschädlich und eine Ressourcenverschwendung, sondern auch extrem energieaufwendig. Dies ist unverantwortlich in Zeiten, in denen jede gesparte Kilowattstunde zählt."

Man sehe aber auch: "Der Tourismus ist eine tragende Säule der sächsischen Wirtschaft." Die sächsischen Grünen appellierten daher an die Betreiber der Skigebiete, Schneekanonen mit Bedacht einzusetzen.

Noch deutlicher wird die Vorsitzende der grünen Kreistagsfraktion Erzgebirge, Ulrike Kahl (63): "Bei aller verständlichen Freude am Abfahrtslauf, aber auch bereits vor dem Angriffskrieg auf die Ukraine war es angesichts der Klimaerwärmung nicht mehr zeitgemäß, mit Kunstschnee Mittelgebirgs-Hänge skitauglich zu machen."

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Das sieht auch Gerhard Liebscher als tourismuspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion so. Er bietet stattdessen an: "Wir Bündnisgrüne wollen die Unternehmen dabei unterstützen, ein vielfältiges Ganzjahresangebot zu entwickeln, um konkurrenzfähig zu bleiben."

Und die Skihangbetreiber? Es äußerte sich keiner der Angefragten.

Die Landesvorsitzende der Grünen, Marie Müser (25).
Die Landesvorsitzende der Grünen, Marie Müser (25).  © Ralf Seegers

Katar im Gebirge

Eine Schneekanone Anfang des Jahres in Oberwiesenthal.
Eine Schneekanone Anfang des Jahres in Oberwiesenthal.  © dpa/Jan Woitas

Kommentar von Torsten Hilscher

Die spinnen, die Scheichs. In Katar müssen Stadien gekühlt und Wüstenflächen gewässert werden. Und das alles für die Illusion einer normalen Fußballweltmeisterschaft.

Um sportlichen Irrsinn zu erleben, brauchen wir gar nicht so weit gucken: Hierzulande simulieren Schneekanonen eine Winterlandschaft. Es sind Hunderte! Man muss kein Klima-Klebe-Chaot sein, um das als ökologischen Irrsinn zu erkennen.

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Denn an den Pisten werden täglich Zehntausende Liter Wasser und Strommengen wie zur Beleuchtung einer Kleinstadt verbraucht - allein um etwas zu haben, was gerade nicht da ist.

Natürlich geht es um funktionierenden Tourismus und damit um eine Menge Arbeitsplätze. Doch keine Kommune würde im Sommer auf die Idee kommen, eine leere Kiesgrube mit Wasser zu befüllen, nur um einen Badesee vorweisen zu können.

Statt krampfhaft falschen Schnee zu produzieren, muss - wie bereits begonnen - tatsächlich in den Gebirgsregionen in Ganzjahresangebote investiert werden. Dafür gibt es sogar Fördermittel. Völlig kostenlos ist das Verinnerlichen des Dienstleistungsgedankens gepaart mit Freundlichkeit, woran es da und dort noch hapert.

Schneekanonen aber an grünen Berghängen sind eine Ausdruck von Dekadenz. Sie sind ein Spielzeug des Menschen zulasten der Natur.

Übrigens: Spätestens ab Sonntag soll es schneien - völlig kostenlos.

Titelfoto: Uwe Meinhold/dpa/Jan Woitas

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