Gestrandeter Buckelwal in der Ostsee: Saugbagger-Einsatz erfolglos, so geht es weiter

Niendorf - Der gestrandete Buckelwal sitzt weiterhin auf einer Sandbank vor Niendorf (Schleswig-Holstein) fest. Die Retter wollen einen Kanal für das Tier graben, der erste Versuch am Dienstag scheiterte jedoch.

Alle Rettungsversuche scheiterten bislang. Am Donnerstag soll ein größerer Saugbagger die Wende bringen.
Alle Rettungsversuche scheiterten bislang. Am Donnerstag soll ein größerer Saugbagger die Wende bringen.  © Ulrich Perrey/dpa

In der Nacht zu Montag war der Buckelwal wenige Meter vom Strand entfernt gestrandet. Experten vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) sind vor Ort und arbeiten gemeinsam mit der Feuerwehr an einer Lösung.

Am Montag hatten Retter immer wieder versucht, das Tier von einem Schlauchboot aus zum Schwimmen zu animieren.

Schiffe der Küstenwache fuhren an der Küste auf und ab, um künstlich Wellen zu erschaffen.

Zehn Meter langer Wal sorgt für Polizeieinsatz auf Ostsee
Ostsee Zehn Meter langer Wal sorgt für Polizeieinsatz auf Ostsee

Bislang führte keine der ergriffenen Maßnahmen zum Erfolg - am Donnerstag soll ein eigens angeforderter Saugbagger die Wende bringen.

24. März, 17.26 Uhr: Meeresschützer hält Maßnahmen für "gerechtfertigt"

Carsten Manheimer von der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd bewertete das Vorhaben, den Wal mithilfe eines Saugbaggers zur Freiheit zu verhelfen, gegenüber TAG24 als "vernünftig". Es sei vor allem wichtig, dass nicht an dem Tier gezerrt und gezogen werde.

Anders als zum Beispiel Meeresbiologe und YouTuber Robert Marc Lehmann, der auf Instagram gefordert hatte, das Tier in Ruhe sterben zu lassen, halte er die Maßnahmen für "gerechtfertigt".

Manheimer kritisierte vor allem, dass Lehmanns Einschätzung auf Bilder und Videos basiere, während er und andere Experten sich vor Ort ein eigenes Bild des Zustands des Wals gemacht hätten.

"Der Wal ist nicht kurz vor dem Kollabieren und sieht auch nicht unterernährt aus", unterstrich Manheimer. Wenn er irgendwann wirklich nicht mehr zu retten sei, werde man ihn natürlich in Ruhe lassen, unterstrich er.

24. März, 16.44 Uhr: Sand rund um den Wal zu fest für den Saugbagger

Dr. Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) erklärte vor Ort, dass der Sand rund um den Wal zu fest für den Saugbagger sei.

"Das heißt, der Saugbagger kriegt den Sand nicht angelöst und kann ihn auch nicht abpumpen. Es ist jetzt ein anderer Bagger angefordert worden", so Groß. Dieser soll jedoch erst am morgigen Mittwoch eintreffen und am Donnerstag einsatzbereit sein.

Wie die Expertin weiter mitteilte, seien für den Moment keine weiteren Maßnahmen geplant. "Wir wollen das Tier nicht weiter stressen", erläuterte Groß.

Dieser Saugbagger sollte zur Rettung des gestrandeten Wals beitragen, scheiterte jedoch am zu festen Sand.
Dieser Saugbagger sollte zur Rettung des gestrandeten Wals beitragen, scheiterte jedoch am zu festen Sand.  © NEWS5 / Sebastian Peters

24. März, 16.24 Uhr: Einsatz von Saugbagger nach kurzer Zeit gestoppt

Was ist da los? Der Einsatz des Saugbaggers wurde nach nur wenigen Minuten schon wieder gestoppt. Die genauen Hintergründe waren zunächst unklar.

Der Saugbagger hatte zunächst in einiger Entfernung von dem Wal Sand abgesaugt, um das Tier an die Geräusche zu gewöhnen. Anschließend war der Bagger mit einem Polizeiboot zum Wal gebracht worden.

Kurz nach dem Beginn der Maßnahmen wurde der Bagger jedoch wieder zurück an Land gebracht. Derzeit beraten sich die Experten vor Ort über die weiteren Schritte.

24. März, 15.31 Uhr: Gestrandetem Wal und Rettern läuft die Zeit davon

Ein Wettlauf gegen die Zeit: Wie Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke erklärte, wird ein um 50 Zentimeter sinkender Wasserstand in der Lübecker Bucht erwartet.

"Das wäre natürlich eine Katastrophe für das Tier. Dann hat es nachher nicht mehr genug Wasser unter sich und dann kann es sein, dass er mit seinem eigenen Körpergewicht seine Organe erdrückt", verdeutlichte er. Entsprechend sei bei den Rettungsmaßnahmen "Eile geboten".

24. März, 15.13 Uhr: Bürgermeister schimpft über Gaffer: "Widerlich"

Sven Partheil-Böhnke, Bürgermeister von Timmendorfer Strand, hat sich vor Ort mit scharfen Worten zu Gaffern und Schaulustigen geäußert. "Das finde ich abartig und widerlich. Das ist nicht schön. Da fragt man sich dann immer: 'Was treibt Menschen dazu? 
Wie sind die erzogen?'"

Mehrere Personen hätten demnach versucht, sich mit Schlauch- oder Ruderbooten dem Tier zu nähern. "Und das ist für das Tier natürlich eine zusätzliche Qual (...). Die Ostsee ist ohnehin sehr laut und da mit einem Schlauchboot an das Tier ranzufahren oder mit Ruderbooten ist einfach widerlich", schimpfte der Politiker.

Ein TAG24-Reporter hatte bereits am Montag beobachtet, wie ein älterer Mann sich mit einem Schlauchboot dem Wal nähern wollte. Er wurde letztlich von der Polizei daran gehindert.

Ein älterer Mann wollte sich dem Wal am Montag mit einem Schlauchboot nähern. Er wurde von der Polizei aufgehalten.
Ein älterer Mann wollte sich dem Wal am Montag mit einem Schlauchboot nähern. Er wurde von der Polizei aufgehalten.  © TAG24/Tobias Bruns

24. März, 14.38 Uhr: Expertin äußert sich zur Haut des gestrandeten Wals

Gute Nachrichten: Ursula Siebert, Leiterin des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW), hat gegenüber TAG24 Entwarnung bezüglich der kränklich aussehenden Haut des Wals gegeben.

Eine Hautreaktion sei bei einem in der Ostsee nicht heimischen Tier nicht ungewöhnlich. Die Haut sehe schlimmer aus, als der Zustand wirklich sei, so Siebert. Sie betonte zudem, dass sich die Haut auch wieder erholen könne.

Die Expertin bekräftigte darüber hinaus, dass der Wal noch sehr lebhaft sei, sodass die geplanten Rettungsmaßnahmen in jedem Fall gerechtfertigt seien.

Dem Wal soll ein Kanal in tieferes Gewässer gegraben werden - laut einer Expertin ist das Tier noch so lebhaft, dass die Maßnahmen absolut gerechtfertigt sind.
Dem Wal soll ein Kanal in tieferes Gewässer gegraben werden - laut einer Expertin ist das Tier noch so lebhaft, dass die Maßnahmen absolut gerechtfertigt sind.  © René Schröder/News5/dpa

24. März, 13.45 Uhr: Saugbagger soll das Tier befreien

Die Gemeinde Timmendorfer Strand hat gemeinsam mit den Experten vom ITAW offenbar einen Plan für die nächste Maßnahme entwickelt.

"Wir werden ihm einen Kanal sozusagen bauen, der ihn dann direkt in die offene Ostsee führen kann", erklärt Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke im Gespräch mit TAG24.

Der Sand soll um das Tier herum abgebaut werden.

Der Bagger sei schon angefordert. Um 14.30 Uhr soll es vor Ort noch eine Einsatzbesprechung geben, um 15 Uhr ist der Start der Rettungsmaßnahme geplant.

Titelfoto: Fotomontage: René Schröder/NEWS5/dpa, NEWS5 / Sebastian Peters

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