Anholt (Dänemark) - Noch immer wird über die Identität des Wales vor der Insel Anholt spekuliert - obwohl eigentlich alles längst geklärt zu sein scheint. Experte Fabian Ritter (58) spricht gegenüber TAG24 Klartext.
Der Fund des Trackers sollte eigentlich als Beweis dafür ausreichen, dass es sich bei dem Buckelwal-Kadaver vor der Insel Anholt um die sterblichen Überreste des Ozeanriesen handelt, der zuvor mehrfach an der deutschen Küste gestrandet war.
Doch die Zweifler verstummen nicht.
Jetzt hat die Bild-Zeitung Fotos von der Fluke, der Schwanzflosse des Wals, unter Wasser machen lassen. Ritter hat diese Fotos und Aufnahmen von vor zwei Wochen, als der Wal lebte, vorliegen.
"Die Fluke hat einen sehr typischen, individuellen Verlauf ihrer Kante. Das ist keine flache Linie oder gerade Linie am Ende der Fluke, sondern da sind Kerben drin und ein sehr typischer Verlauf", erläutert der Autor des Buches "Wir Wale".
"Die beiden Bilder, vom noch lebenden Wal von vor zwei Wochen und die zusammengesetzten Bilder von gestern, die zeigen einen Flukenkantenverlauf, der im Grunde identisch ist", erklärt der Experte.
Damit sei nahezu zweifelsfrei geklärt, dass es sich um ein und denselben Wal handelt.
Experte hofft auf eine Untersuchung des Kadavers
Auch die Farbe der Fluke kann zur Identifizierung herhalten - allerdings nicht, wenn der Wal schon länger tot ist. "Diese Pigmentierung, die löst sich irgendwann auf. Und dann ist es kein verlässliches Merkmal mehr", stellt Ritter klar.
Und die Sache mit dem Geschlecht?
Immerhin sprach man zuvor von einem Bullen. Inzwischen gehe man von einem weiblichen Geschlecht aus. "Das muss noch final bestätigt werden. Aber nach dem, was wir so sehen und welche Hinweise es da gibt, ist es wohl eine Walin", so Ritter.
Ritter hofft unterdessen weiter auf eine Untersuchung des Kadavers. "Insbesondere könnte man ins Maul schauen, ob da noch diese Netzreste sind. Es wäre auch wichtig in den Magen zu schauen, ob das Tier Teile des Netzes vielleicht im Magen hat", so der Experte.
Fabian Ritter übt Kritik an Rettungsinitiative
Das würde schon noch einige Aufschlüsse über die Überlebensfähigkeit geben. "Die Todesursache, glaube ich, wird nie im Sinne dessen dingfest gemacht werden können, dass man sagt, daran ist er gestorben", schätzt der Gründer des Vereins M.E.E.R. e. V.
Alle tragischen Ereignisse dieser Odyssee, und der zusätzliche Stress, den das Tier bei der Rettungsaktion durchgemacht habe, dürften ihren Teil zum traurigen Ende beigetragen haben, meint er.
"Durch den Wellengang ist er in der Barge hin und her verfrachtet worden. Er hat sich zusätzliche Verletzungen erlitten. Sie haben ihn dann nach allem, was jetzt zu Tage gefördert wird, auch ziemlich brutal aus der Barge gezerrt", so Ritter.
Es sei eingetreten, was viele befürchtet hätten. Und dann käme noch die dubiose Informationspolitik rund um den Tracker dazu.
"Das traurige Ergebnis spricht für sich. Man hätte vieles anders machen müssen", bilanziert der Walforscher.