TAG24 besucht Mini-Insel vor Rügen: Lost Place sucht schon wieder neue Besitzer
Rügen - Am Freitag hat TAG24 die Ostsee-Insel Ostervilm vor Rügen besucht. Das künstliche Eiland sucht für 999 Euro neue Besitzer.
Monoton dröhnt der Dieselmotor aus den Tiefen des Fischkutters "Erna B.", der mit Kurs auf die verlassene Militäranlage zwischen den Inseln Rügen und Vilm hindurchtuckert.
Die Sonne brennt von oben, während die Betonruine am Horizont immer größer wird. Auf der Stirn des neuen Besitzers, dem österreichischen Unternehmer Oliver Pesendorfer (59), bilden sich Schweißtropfen.
Ob durch die sengende Hitze oder angesichts der vor ihm stehenden Aufgabe hervorgerufen, das bleibt unklar. Als der Kutter wenig später an der ehemaligen Entmagnetisierungsstation anlegt, wird überdeutlich, in welch marodem Zustand sich die Plattform befindet.
Ein Stück Beton, an dem der Fischer eine Leine befestigen wollte, löst sich und verschwindet in der Ostsee. Dem erfahrenen Skipper gelingt es trotzdem, das Schiff festzumachen. Pesendorfer kann übersetzen - und stürzt beinah vom Rand der Anlage in die Fluten.
Ein holpriger Start, doch der Gang wird sicherer. Auch wenn es durchaus nachvollziehbar wäre, wenn bei jedem Schritt ein mulmiges Gefühl bleibt.
Die Insel ist von einer dicken Schicht Vogelkot bedeckt
Auf der Anlage hat sich über die Jahre tonnenweise Vogelkot angesammelt, der zu einer recht festen Masse geworden ist. Dennoch gibt sie bei jedem Fußkontakt etwas nach und man hofft, dass es nur die Ausscheidungen und nicht die Holzplanke darunter ist.
Denn davon haben sich mit der Zeit schon eine ganze Menge verabschiedet und ein klaffendes Loch hinterlassen, das einen Blick in die gruselige Tiefe und die Unterkonstruktion der Plattform erlaubt. Diese steht auf rund 600 Holzpfählen, die 1954 in den Grund der Ostsee gerammt wurden.
Der Beton darauf ist von Rissen durchzogen und verstärkt die Furcht, bei einer falschen Bewegung die ganze Ruine zu versenken und dass man mit ihr in die an dieser Stelle etwa zehn Meter tiefe Ostsee gerissen wird.
Anderthalb Monate ist es her, seit Pesendorfer, Geschäftsführer der McCube GmbH, die Insel Ostervilm ersteigert hat. Die Substanz sei schlimmer als erwartet, gesteht er.
"Man sieht, da hinten hat der letzte Winter schon ganz schön Schaden angerichtet. Der hat das auseinandergedrückt. Also da muss etwas passieren. Und darum bin ich auch heute da, um mal abzuschätzen, was man gleich tun muss und wie viel Geld das kosten kann", so der Unternehmer im Gespräch mit TAG24.
Allein die Kosten für die Sanierung der Plattform schätzt der Österreicher auf rund 1,5 Millionen Euro.
Bekannte YouTuber sollen Insel gestalten
Für die Finanzierung gründet Pesendorfer gemeinsam mit dem Unternehmer Daniel Pflieger Wu, den er am Tag der Versteigerung kennenlernte, eine Genossenschaft. Die Idee dahinter: 1000 Menschen kaufen Anteile für je 999 Euro.
Die Mitglieder bekommen für ihr Geld Mitspracherecht bei der Entwicklung des Projekts, Vorzugsrechte bei der späteren Nutzung der Insel und sollen perspektivisch auch wirtschaftlich am Erfolg der Genossenschaft beteiligt werden.
Neben Privatpersonen sollen auch Unternehmen mit ins Boot geholt werden. Ingenieurbüros, Energieplaner und Handwerksunternehmen sollen schon ihre Unterstützung zugesagt haben.
Die Entstehung der "Eden Island", wie die Insel einmal heißen soll, soll gemeinsam mit bekannten Creatorn zu einer YouTube-Dokumentation werden.
Um welche YouTuber es sich dabei handelt, will Pesendorfer noch nicht verraten. Nur so viel: Sie seien durch außergewöhnliche Bau- und Abenteuerprojekte bekannt geworden und hätten eine große Fangemeinde.
"Es gibt jetzt viele, viele Pläne. Es hat auch in den letzten Wochen, Monate wahnsinnig viele Ideen gegeben, was man auf der Insel machen könnte. Aber zuerst gehört es saniert, dass man etwas drauf machen kann", so der Österreicher.
Trotz der anstehenden Aufgabe und der etwas ernüchternden Erstbesichtigung ist Pesendorfer von seinem Kauf weiterhin überzeugt. "Allein der Ausblick, den man da hat, wenn man da auf die Insel Vilm drüberschaut, das Meer, das ist schon gigantisch."
Einen Ausblick auf den Start der Arbeiten wagt der Unternehmer hingegen noch nicht.
Titelfoto: TAG24/Tobias Bruns

