"Timmy" schwimmt in Freiheit: Peilsender vorher nicht getestet?

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Niendorf/Wismar/Poel/Skagen - Buckelwal "Timmy" schwimmt nach mehreren Strandungen in den vergangenen Wochen seit Samstagmorgen wieder im offenen Meer. Sein Sender hat die ersten Signale geliefert, bereitet jedoch weiterhin Probleme. TAG24 berichtet im Liveticker.

Buckelwal Timmy hat seine Barge am Samstagmorgen verlassen und schwimmt wieder im offenen Meer. Sein Sender hat die ersten Signale geliefert, allerdings nicht zu seinem Aufenthaltsort.
Buckelwal Timmy hat seine Barge am Samstagmorgen verlassen und schwimmt wieder im offenen Meer. Sein Sender hat die ersten Signale geliefert, allerdings nicht zu seinem Aufenthaltsort.  © Sebastian Peters/NEWS5/dpa

Mit einem Konvoi wurde der Ozeanriese seit vergangenem Dienstag kontinuierlich in Richtung Dänemark transportiert, nachdem die private Rettungsinitiative mit dem Barge-Plan Erfolg gehabt hatte.

In der Nordsee sollte "Timmy" freigelassen werden, doch ein erster Versuch am Freitag misslang. Am Samstagmorgen glückte der Plan, der Koloss verließ die Barge.

Die Umstände seiner Freilassung werfen jedoch Fragen auf. Zudem funktioniert der Sender, der dem Tier verpasst wurde, zumindest in Sachen Ortung nicht wie gewünscht.

4. Mai, 13.55 Uhr: "Robin Hood" trifft in Kieler Hafen ein

Die "Robin Hood" ist mit der Barge im Kieler Hafen eingetroffen.

Nun befindet sich der Schlepperverband ungefähr auf Höhe des Nord-Ostsee-Kanals. Laut NEWS5-Informationen soll die Barge hier übergeben und nach Hamburg gebracht werden.

Der Schlepperverband ist im Kieler Hafen angekommen.
Der Schlepperverband ist im Kieler Hafen angekommen.  © Screenshot/vesselfinder.com

4. Mai, 13.26 Uhr: Befreiungsaktion - Erfolg oder Tierquälerei?

Sollte es weiterhin keine Daten geben, könnte das Schicksal des Wals für immer ungeklärt bleiben.

"Ohne zu wissen, wo sich das Tier befindet, und ohne zu wissen, dass es sich bewegt, lässt sich unmöglich sagen, ob es tot ist - womit die gesamte Aktion umsonst und Tierquälerei gewesen wäre", sagte Meeresbiologe Peter Madsen. Genauso ließe sich nie sagen, dass es noch lebt. "So oder so hat die Öffentlichkeit ein Recht darauf, dies zu erfahren."

Ohne Daten lasse sich die gesamte Mission nicht als erfolgreich oder fehlgeschlagen bezeichnen, betonte auch Ritter. "Das kann sich das Team nicht wünschen und es wäre auch für die deutsche und internationale Öffentlichkeit eine bittere Erkenntnis."

4. Mai, 13.16 Uhr: Sender wurde nicht wie üblich getestet

Getestet worden sei der Tracker vor dem Freisetzen nicht noch mal, hatte Tönnies auch gesagt.

Aus Expertensicht ist das sowohl unüblich als auch unverständlich. "Eine Funktionsprüfung vor dem Einsatz wäre aus fachlicher Sicht üblich und zu erwarten gewesen", hieß es vom ITAW.

"Wenn sich bewahrheitet, dass der Peilsender keine Daten liefert, wäre das eine Katastrophe, auch für das Rettungsteam", meint der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter.

Es habe schon genug Anlässe gegeben, an der Professionalität des Teams zu zweifeln - dies wäre der folgenschwerste.

Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter bezeichnet einen nicht funktionierenden GPS-Sender als Katastrophe. (Archivbild)
Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter bezeichnet einen nicht funktionierenden GPS-Sender als Katastrophe. (Archivbild)  © Serdar Dogan/dpa

4. Mai, 13.10 Uhr: GPS-Sender an Wal festgeschraubt?

Nach Angaben der Kleintierärztin Kirsten Tönnies von der Privatinitiative wurde der Tracker am Tier festgeschraubt.

Üblicherweise werde der Sender mittels Durchstich an der Rückenfinne befestigt, da er nur an der Wasseroberfläche, also oben am Tier angebracht, Daten liefere, erklärte der Meeresbiologe Boris Culik, früher beim Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel.

Meeresbiologe Boris Culik erklärte, dass der Sender üblicherweise mittels Durchstich an der Rückenfinne des Wals befestigt wird. (Archivbild)
Meeresbiologe Boris Culik erklärte, dass der Sender üblicherweise mittels Durchstich an der Rückenfinne des Wals befestigt wird. (Archivbild)  © Marcus Brandt/dpa

4. Mai, 13.02 Uhr: Experten einig: GPS-Sender liefern keine Vitalzeichen

Der am freigesetzten Buckelwal befestigte Sender schicke keine Ortsdaten, aber Vitalzeichen des Tiers - an dieser Aussage der privaten Initiative hinter dem Transport mehren sich die Zweifel von Experten.

Zwar sei das konkrete Modell nicht bekannt, ein GPS- oder Satellitentracker liefere aber üblicherweise keine Vitalzeichen im medizinischen Sinne, hieß es vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW).

Welcher Sendertyp konkret verwendet worden sein soll, teilten auf Anfrage weder die Initiative, Jeffrey Foster vom beteiligten Whale Sanctuary Project noch das in die Prüfung der Aktion eingebundene Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns mit.

Dem Ministerium lägen noch keine Daten vor, hieß es am Montag lediglich. Man warte noch.

4. Mai, 12.44 Uhr: Weitere Tierärztin kritisiert Freilassungsaktion

Tierärztin Dr. Jenna Wallace, die anfangs Teil des Rettungsteams war, äußerte sich auf Instagram kritisch zu den Methoden des Befreiungsteams.

In ihrem Beitrag schrieb sie, dass sie sich nochmal die Bilder vom Tag vor der Freilassung angeschaut habe. Auf den Fotos und Videos sind Personen zu sehen, die mithilfe von Seilen an dem Buckelwal ziehen.

"Wieso hat niemand sie gestoppt? Warum musste die Initiatorin Karin Walter-Mommert aus der Ferne eingreifen?", fragt Wallace.

4. Mai, 12.27 Uhr: "Robin Hood" verspätet sich

Ursprünglich sollte die "Robin Hood" um 12 Uhr in den Kieler Hafen einfahren.

Laut "VesselFinder" befindet sich das Schiff, welches die Barge im Schlepptau hat, noch vor der Kieler Bucht.

Die "Robin Hood" verspätet sich auf dem Weg zurück zum Kieler Hafen.
Die "Robin Hood" verspätet sich auf dem Weg zurück zum Kieler Hafen.  © Screenshot/vesselfinder.com

4. Mai, 7.08 Uhr: Wird der Wal überleben?

Viele Wissenschaftler und Tierschutzorganisationen sprachen sich gegen die Bergung des Wals aus. Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace schätzte die Überlebenschance als minimal ein.

Die mehrfache Strandung gilt als klares Anzeichen dafür, dass der Wal krank war, als er die deutsche Küste erreichte. Weiterhin wird davon ausgegangen, dass das Tier extrem geschwächt ist. Kaum abzuschätzen ist, ob tatsächlich zu einem späteren Zeitpunkt von einer "Rettung" gesprochen werden kann.

Nur mit Trackingdaten und damit dem jeweiligen Aufenthaltsort des Wals ließe sich transparent machen, ob sich das Leiden des Wals auf dieser Reise gelohnt hat, sagte der Greenpeace-Experte.

4. Mai, 6.35 Uhr: "Fortuna B" über Nacht in Cuxhaven eingelaufen

Kurz vor Mitternacht machte der Schlepper "Fortuna B" in Cuxhaven fest. Mit an Bord war auch Tierärztin Dr. Tönnies, welche gegenüber NEWS5 die Boots-Crew kritisierte.

Auch mit dem Kapitän soll es öfter Auseinandersetzungen gegeben haben. "Der Kapitän hat gezittert vor Wut. Er hat mir gedroht, mich in Arrest zu nehmen", berichtete Tönnies.

Nach Aussagen der Tierärztin sollen auch Filmaufnahmen von der Freilassung des Wals nicht gewollt gewesen sein. Tönnies selbst sei nicht mehr zum Wal gelassen worden. Ob das Freilassen von "Timmy" tierschutzgerecht stattgefunden hatte, konnte von der Tierärztin deswegen nicht überprüft werden.

"Ich habe so viel geheult in den letzten zehn Tagen wie nicht in zehn Jahren vorher vor lauter Emotionalität", erklärte Tönnies weiter.

Der Schlepper "Fortuna B" ist gegen Mitternacht in Cuxhaven eingelaufen.
Der Schlepper "Fortuna B" ist gegen Mitternacht in Cuxhaven eingelaufen.  © NEWS5 / Tobias Grabow

3. Mai, 21.48 Uhr: "Fortuna B" soll in anderem Hafen ankommen

Statt in Cuxhaven wird die "Fortuna B" nun doch in Wilhelmshaven erwartet. Wann genau das zweite Begleitschiff dort eintreffen wird, ist jedoch nicht ganz klar. Lange dürfte es jedoch nicht mehr dauern.

Titelfoto: Sebastian Peters/NEWS5/dpa

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