Was planen die Retter, damit der Wal die Ostsee lebend verlässt?

Poel/Niendorf - Seit Ende März ist Buckelwal Timmy in der Ostsee gestrandet. Da die bisherigen Versuche einer Walrettung fehlschlugen, wurden dem Säugetier geringe Überlebenschancen eingeräumt. Eine private Initiative will nun den Meeressäuger retten. Am 16. April wurde mit der Bergung des Wals begonnen.

Taucher und Boote nähern sich am Donnerstag dem gestrandeten Wal.  © Philip Dulian/dpa

Die Idealvorstellung der Retter wäre es, den Wal bis hinaus zum Atlantik zu bringen. Bis dahin sollen im Wesentlichen drei Schritte zur Rettung stattfinden: Freispülen, Heben, Schleppen.

Zunächst soll mit Reaktionstests gecheckt werden, wie Timmy auf Boote und Taucher reagiert.

Die Taucher sollen dabei auch ein Auge auf die Bodenbeschaffenheit werfen.

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Geplant ist nämlich, den Buckelwal mithilfe eines Luftkissens anzuheben und dann auf einer Plane zwischen zwei Pontons zu lagern. Zuvor müsste das Tier vom Schlick befreit werden.

Mithilfe eines Schleppers soll der Walfisch dann bis in die Nordsee oder sogar bis in den Atlantik gebracht werden.

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Wer finanziert die Walrettung?

MediaMarkt-Gründer Walter Gunz (80) soll das für die Walrettung notwendige Geld bereitstellen.  © NEWS5 / Sebastian Pieknik

Die Rettungsmission wird von zwei Unternehmern finanziert. Dafür verantwortlich sind Karin Walter-Mommert (62), bekannt aus dem Trabrennsport, und MediaMarkt-Gründer Walter Gunz (80).

Letzterer sei von einem Bekannten gefragt worden, ob er nicht etwas für das Tier tun könne.

"Dann bin ich plötzlich als der Retter der Nation erschienen, obwohl ich vom Typ her eigentlich überhaupt kein Held bin", begründete Gunz gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (DPA) seinen Entschluss.

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Wie hoch die Kosten seien, könne noch nicht abgeschätzt werden.

Das Ganze werde "schon nicht 100 Millionen kosten", sagte er.

Darum sind Greenpeace und das Meeresmuseum nicht an der Bergung beteiligt

Die Polizei musste die Unglücksstelle vor Schaulustigen absichern.  © Bernd Wüstneck/dpa

Bei der Rettungsmission handelt es sich um eine private Initiative. Greenpeace wird an der Walrettung vor der Insel Poel nicht mitwirken.

"Laut wissenschaftlichen Gutachten des Deutschen Meeresmuseums und des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung sind die Erfolgsaussichten des Tieres bei einer Lebendbergung sehr gering und gehen mit einem hohen Verletzungsrisiko einher", sagte Daniela von Schaper, eine Meeresexpertin von Greenpeace, gegenüber TAG24.

Auch das Meeresmuseum in Stralsund beteiligt sich nicht an der Walbergung. "Das Konzept für die nun vorliegenden Pläne liegt uns erst seit gestern am frühen Abend vor. Es gab bisher noch keine Gelegenheit, es zu bewerten", so das Museum auf dpa-Anfrage.

Auch das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) schätzt die Chancen einer Lebendbergung gering ein und mischt deshalb diesmal nicht mit.

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Warum die Rolle rückwärts bei der Walbergung?

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (67, SPD) hat nun grünes Licht für eine Walrettungsmission gegeben.  © Philip Dulian/dpa

In der Woche nach Ostern hatte Mecklenburg-Vorpommerns Minister Till Backhaus (67, SPD) entschieden, das kranke Tier in Ruhe sterben zu lassen.

Ein internationales Gutachten hatte verfügt, dass es sich beim mehrfach gestrandeten Wal um ein Tier handeln würde, das im Sterben liegt.

Dass inzwischen doch versucht werde, dem erkrankten Wal zu helfen, bezeichnete Backhaus gegenüber dem NDR als lohnenswerten Versuch.

"Wir dulden dieses Vorhaben", sagte er gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk und bezeichnete das Konzept als "durchdacht". Die Retter müssten nun beweisen, dass es funktioniert.

Ohne diese Aktion müsse das Tier ohnehin sterben, stellte Initiator Gunz fest.

"Wenn man was versucht, dann hat man zumindest die Chance, dass man ihn rettet", so der Milliardär über seine Beweggründe.

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