Johanniter ziehen ernüchternde Bilanz: "Pflege-Impfpflicht war unsolidarisch"

Sachsen - Ende des Jahres läuft die einrichtungsbezogene Impfpflicht aus. Rückblickend sieht der sächsische Landesverband der Johanniter das Gesetz als problembehaftet und unsolidarisch an.

Carsten Herde (44), Landesvorstands-Mitglied bei der sächsischen Johanniter-Unfall-Hilfe, bezeichnet die Pflege-Impfpflicht als "unsolidarisch".
Carsten Herde (44), Landesvorstands-Mitglied bei der sächsischen Johanniter-Unfall-Hilfe, bezeichnet die Pflege-Impfpflicht als "unsolidarisch".  © Norbert Neumann

"Die Impfpflicht in der ambulanten Pflege hat die Personalsituation extrem angespannt", sagt Carsten Herde (44), Landesvorstands-Mitglied bei der sächsischen Johanniter-Unfall-Hilfe.

Ohnehin hätte er mit seinem Team zwei aufregende und anstrengende Corona-Jahre hinter sich. Dass die Situation durch die verpflichtende Impfung noch verschärft wurde, habe zusätzliche Anspannung ausgelöst.

"Für uns war klar, dass das System der ambulanten Pflege zusammenbrechen würde, wenn wir alle vom Dienst frei stellen, die nicht ausreichend geimpft sind", so Herde.

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Unter dem Personal hätte sich Wut und Resignation verbreitet. Die als "solidarische Prophylaxe für alle" angekündigte Pflicht, die letztlich nur für Menschen in den Gesundheitsberufen galt, sei zunehmend als ungerecht empfunden worden.

"Dazu kam die Zukunftsangst – beispielsweise den Job zu verlieren", erklärt Herde.

Betrieb durch "Notlösung" trotzdem aufrechterhalten

Die einrichtungsbezogene Impfpflicht hat laut Herde bei einigen Johanniter-Mitarbeitern Zukunftsängste geschürt.
Die einrichtungsbezogene Impfpflicht hat laut Herde bei einigen Johanniter-Mitarbeitern Zukunftsängste geschürt.  © Tino Plunert

So sei zu beobachten gewesen, dass einige Mitarbeiter dem Druck nicht standhalten konnten oder sich beruflich umorientieren wollten. Allein im letzten Jahr hätten sie deshalb 113 von ihren insgesamt 850 Pflege-Fachkräften verloren.

"Gott sein Dank konnten wir 109 neue Kollegen gewinnen. Und mit dem 'Ende' der Pandemie verbessert sich die Bewerberlage zusehends", so Herde.

Dass sie den Pflege-Betrieb letztlich aufrechterhalten konnten, hätten sie verschiedenen Ausnahme-Genehmigungen und dem ergebnisorientierten Blick mehrerer Gesundheitsämter zu verdanken.

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Dadurch hätten Zutrittsverbote für nicht geimpfte Fachkräfte häufig verhindert werden können: "In einer gesunden Abwägung 'siegte' die Ausnahme-Genehmigung häufig über das Infektionsrisiko", erklärt Herde.

Dieser Wertung hätten sich schließlich auch sehr viele Fachpolitiker angeschlossen.

Titelfoto: Montage: Tino Plunert, Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.

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