Krankenwagen-Ersatz: In diesen Fällen hilft ein Gemeindenotfallsanitäter!

Wittenberg - Wenn in Gräfenhainichen im Landkreis Wittenberg Patientinnen und Patienten den Notruf wählen, obwohl keine akute Dringlichkeit besteht, soll dort zukünftig der Gemeindenotfallsanitäter helfen. "Mit dem Pilotprojekt soll der Rettungswagen entlastet werden", sagte Mario Kleinschmidt, der das Projekt als Bereichsleiter verantwortet.

Christian Tylsch (von links, 40, CDU), Landrat des Landkreises Wittenberg, Tamara Zieschang (52, CDU), Innenministerin des Landes Sachsen-Anhalt und Karsten Pfannkuch, Vorstandsvorsitzender vom Deutschen Roten Kreuz bei der Übergabe der Genehmigung für den neuen Job.
Christian Tylsch (von links, 40, CDU), Landrat des Landkreises Wittenberg, Tamara Zieschang (52, CDU), Innenministerin des Landes Sachsen-Anhalt und Karsten Pfannkuch, Vorstandsvorsitzender vom Deutschen Roten Kreuz bei der Übergabe der Genehmigung für den neuen Job.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Nach Angaben des Landratsamts ist es das erste seiner Art in Sachsen-Anhalt. Auch in anderen Bundesländern und Städten ist Kleinschmidt zufolge bereits an einem solchen Projekt gearbeitet worden. "Es scheitert aber oft an der Finanzierung", sagte er.

Genauso wie der Rettungswagen bei Notfallpatienten - also solche, die in Lebensgefahr schweben oder ohne sofortige Behandlung mit Einschränkungen zu rechnen haben - soll auch der Gemeindenotfallsanitäter in nur zwölf Minuten beim Patienten sein, nachdem dieser einen Notruf abgesetzt hat, sagte Kleinschmidt.

"Das sind dann Menschen, die beispielsweise Beratung oder Vermittlung brauchen - eine Prellung oder ähnliches haben", erklärte er.

Betrunkener (25) lenkt Auto gegen Baum, nun ermittelt die Polizei gegen ihn
Sachsen-Anhalt Betrunkener (25) lenkt Auto gegen Baum, nun ermittelt die Polizei gegen ihn

Im ländlichen Gräfenhainichen werde die gesetzlich vorgeschriebene 12-Minuten-Hilfsfrist mit einem Rettungswagen momentan nur in 70 Prozent der Einsätze eingehalten, sagte Kleinschmidt. "Der Gesetzgeber will aber, dass es 95 Prozent sind."

Rund ein Viertel der Notrufe stamme von Menschen, deren Behandlung zwar notwendig, jedoch nicht so dringend sei, dass ein Rettungswagen ausrücken müsse. "Das liegt am Unwissen und Unvermögen der Menschen."

Erster Einsatz für Gemeindenotfallsanitäter im Juli 2023

Mario Kleinschmidt ist Notfallsanitäter beim Deutschen Roten Kreuz. Er soll künftig durch Gemeindenotfallsanitäter unterstützt werden.
Mario Kleinschmidt ist Notfallsanitäter beim Deutschen Roten Kreuz. Er soll künftig durch Gemeindenotfallsanitäter unterstützt werden.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Rücke der Rettungswagen aus, sei er in der Regel rund zwei Stunden unterwegs und nicht anderweitig verfügbar.

"Gibt es währenddessen einen anderen Notfall, müssen Fahrzeuge aus anderen Bereichen kommen, die dann die Hilfsfrist meistens nicht einhalten können."

Geplant sei, dass der Gemeindenotfallsanitäter in Gräfenhainichen ab 1. Juli eingesetzt werden kann. Dafür sollen bereits ausgebildete Notfallsanitäter mit Erfahrung im Rettungsdienst eine zusätzliche Ausbildung im Pflegebereich bekommen, erläuterte Kleinschmidt.

Zahl erholt sich: Mehr brütende Kraniche in Sachsen-Anhalt
Sachsen-Anhalt Zahl erholt sich: Mehr brütende Kraniche in Sachsen-Anhalt

Ziel sei es, sechs bis acht Männer und Frauen für die neue Stelle einsetzen zu können, die mit einem extra zur Verfügung gestellten Fahrzeug ausgestattet werden. Finanziert werde dies von den Krankenkassen.

Landrat Christian Tylsch (40) begrüßt das Projekt, das auch vom Innenministerium unterstützt wird.

"Mit dem Gemeindenotfallsanitäter haben wir das richtige Mittel in der Hand, um die hohe Qualität zu halten und sogar noch zu erhöhen", sagte der CDU-Politiker. Sollte sich das Projekt bewähren, sei geplant, die speziell ausgebildeten Sanitäter auch in weiteren Bereichen des Landkreises einzuführen.

Auch betonte der Landrat, niemand müsse Sorge haben, im Notfall nicht ausreichend medizinische Hilfe zu bekommen: "Der Leitstellen-Disponent schickt weiterhin das optimale Rettungsmittel zum Einsatzort."

Titelfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Mehr zum Thema Sachsen-Anhalt: