Das Raser-Haus der 25 Unfälle: Steffi (51) hat Angst in ihren eigenen vier Wänden

Jüdenberg - Steffi Bachmann (51) lebt in Angst. Seit Jahren krachen immer wieder Autos in ihr Haus in Jüdenberg (Sachsen-Anhalt). Immer wieder wurde sie ignoriert, der Unfallschwerpunkt nie entschärft. Damit sollte jetzt endgültig Schluss sein!

Das Raser-Haus der 25 Unfälle (2.v.r.) steht kurz hinter dem Ortseingang Jüdenberg in Sachsen-Anhalt.
Das Raser-Haus der 25 Unfälle (2.v.r.) steht kurz hinter dem Ortseingang Jüdenberg in Sachsen-Anhalt.  © Imago / Steffen Schellhorn

"Jetzt ist das nächste Auto bei uns hier reingefahren, gerade vor fünf Minuten. Ich hab die Schnauze voll. Kümmert euch bitte, bitte, bitte. Meine Nerven liegen blank!"

Mit dieser Sprachnachricht wandte sich die 51-Jährige an das Team des SAT.1-Magazins "Akte". Und sie wurde erhört!

Bachmann lebt seit 32 Jahren in ihrem Haus in Jüdenberg. Schon 25 Unfälle soll es seit der Wende an der Ortsverbindung zwischen Gräfenhainichen und Oranienbaum-Wörlitz (B107) gegeben haben.

Das Problem: Nach einer etwa 2,5 Kilometer langen Gerade, auf der 100 km/h erlaubt sind, folgt der Ortseingang Jüdenberg. Die Wenigsten verringern hier die Geschwindigkeit ihrer Fahrzeuge auf die Hälfte, geraten so immer wieder in gefährliche Situationen.

Denn in der direkt folgenden Linkskurve kamen immer wieder Autos von der Fahrbahn ab, streiften den Bordschein. In den schlimmsten Fällen endete die Fahrt aber an der Hausfassade von Steffi Bachmann.

"Was wir nervlich durchmachen, kann keiner nachvollziehen, der das noch nicht erlebt und gehört hat. Das ist die blanke Panik und Angst."

Das Raser-Haus von Jüdenberg: Gefährliche Stelle wird entschärft!

Immer wieder kamen in den letzten Jahren Fahrzeuge nach einer knapp 2,5 Kilometer langen Gerade von der B107 ab und krachten in Steffi Bachmanns (51) Haus.
Immer wieder kamen in den letzten Jahren Fahrzeuge nach einer knapp 2,5 Kilometer langen Gerade von der B107 ab und krachten in Steffi Bachmanns (51) Haus.  © Google Maps

Bei den Dreharbeiten mit dem "Akte"-Team steht noch ein Gerüst an Bachmanns Haus. Denn erst vor zwei Wochen hatte sich ein Auto überschlagen, war in das Gebäude eingeschlagen und hatte die Fassade in drei Metern Höhe eingedrückt.

Bislang wurden die Sorgen und Ängste der 51-Jährigen nicht erhört. "Es steht ein Ortseingangsschild, ab da wird 50 gefahren, fertig. Das ist die Antwort, die ich überall bekomme."

Dass eben nicht 50 km/h gefahren wird, belegt ein zehntägiger Test von Verkehrsexperte Thomas Fabricius. Satte 91,2 Prozent der Fahrzeuge fuhren schneller als erlaubt. "Als wir vor Ort waren, hab ich so ein Ergebnis schon befürchtet", so Fabricius.

Zunächst kümmerte sich Bürgermeister Enrico Schilling (42) um neue Kurvenwarnschilder. Doch den wichtigsten Part übernahm eine höhere Stelle.

Landrat Jürgen Dannenberg (68, Linke) veranlasste, dass 150 Meter vor dem Jüdenberger Ortseingang ein 70er-Schild aufgestellt wird. Und das schon eine Woche nach dem Gespräch - das Ende einer dreimonatigen Arbeit des "Akte"-Teams.

Und möglicherweise wird ein Kreisverkehr bald endgültig die Gefahrenstelle entschärfen. "Das macht mich sehr, sehr glücklich. Es ist unsere Sicherheit", freut sich Steffi Bachmann.

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Titelfoto: Imago / Steffen Schellhorn

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