Ärztekammer alarmiert! Corona-Leugner unter Sachsens Medizinern

Görlitz - Corona-Leugner gibt es auch unter den "Göttern in Weiß". Die sächsische Landesärztekammer sieht eine solche Haltung äußerst kritisch und prüft jeden Einzelfall. Aber der Spielraum ist begrenzt.

Wie ausgestorben: Görlitz gilt als Corona-Hotspot in Deutschland.
Wie ausgestorben: Görlitz gilt als Corona-Hotspot in Deutschland.  © Lausitznews Thomas Hurny

Im Landkreis Görlitz wird aus der Krise der Normalfall: Die Intensivbetten sind voll, Patienten werden in andere Kliniken verlegt, die gesamte Region ächzt unter der Corona-Pandemie.

Kann man in dieser Situation die Krise, kann man Corona leugnen?

Der Görlitzer Allgemeinmediziner Dr. Ralph Tinzmann (51) hat dazu seine eigne Meinung.

Im Frühjahr stand er an der Spitze der "Anti-Corona"- Demos in der Neißestadt, die seine Frau, Anästhesistin am Städtischen Klinikum in Görlitz, organisierte.

Eigentlich will er sich zu diesem Thema nicht mehr äußern, sagt er am Telefon, kommt dann aber doch ins Reden.

"Ich bin kein Corona-Leugner", meint er.

Die erneute Verschärfung der Corona-Regeln hält er aber für Unsinn, die Maskenpflicht - er spricht von "Maulkorb" - auch.

Wenn er sich impfen lassen müsse, um als Arzt weiter praktizieren zu können, überlege er ernsthaft, auszuwandern.

"Corona ist nur eine Infektion wie andere Infektionen auch." Einige sächsische Ärzte vertreten ebenfalls solche Haltungen. Bisher handelt es sich um Einzelfälle. Aber die Landesärztekammer ist alarmiert.
"Corona ist nur eine Infektion wie andere Infektionen auch." Einige sächsische Ärzte vertreten ebenfalls solche Haltungen. Bisher handelt es sich um Einzelfälle. Aber die Landesärztekammer ist alarmiert.  © dpa/Monika Skolimowska
Gegen die Corona-Regeln: Dr. Ralph Tinzmann (51) bei einem Protest im Mai auf dem Görlitzer Postplatz.
Gegen die Corona-Regeln: Dr. Ralph Tinzmann (51) bei einem Protest im Mai auf dem Görlitzer Postplatz.  © Nikolai Schmidt

Kritische Äußerungen aus der Ärzteschaft seien aber Einzelfälle

Kein Verständnis für Corona-Leugner: Ärztekammer-Chef Erik Bodendieck (53).
Kein Verständnis für Corona-Leugner: Ärztekammer-Chef Erik Bodendieck (53).  © Holm Helis

Dafür hat der Vorsitzende der sächsischen Landesärztekammer, Erik Bodendieck (53), kein Verständnis.

Kritische Äußerungen aus der Ärzteschaft gegen die allgemein akzeptierte wissenschaftliche Meinung zu Corona seien in Sachsen aber Einzelfälle.

Hinweise - auch auf falsche Atteste gegen das Maskentragen - gebe es aber aus allen Regionen.

Derzeit laufen bei der Kammer vier Verfahren gegen Ärzte.

Zum Vergleich: In Sachsen üben derzeit rund 18.000 Menschen den Arztberuf aus. Die meisten Äußerungen fallen unter die Meinungsfreiheit, sagt Kammer-Sprecher Knut Köhler.

Sind sie berufsrechtlich relevant, können Rügen ausgesprochen oder Bußgelder verhängt werden. Sollten sie strafrechtlich bedeutsam sein, erfolgt eine Anzeige.

Das gilt auch für nachgewiesenermaßen falsche Atteste. Ein Entzug der Approbation kann nur die Landesdirektion Sachsen erwirken, so Köhler.

Das hat die Direktion in diesem Jahr in vier Fällen getan. Laut dem stellvertretenden Direktions-Sprecher Ingolf Ulrich sind dem Entzug enge Grenzen gesetzt. Eine "corona-kritische Haltung" gehört nicht dazu.

Titelfoto: Montage: dpa/Monika Skolimowska / Holm Helis

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