Bis zu 99 Bohrungen geplant: Ärger um die Lithium-Pläne im Osterzgebirge

Altenberg - Kommt da ein neues Bergeschrey? Das Osterzgebirge steht kurz vor der Genehmigung massenhafter Probebohrungen nach dem Erz des 21. Jahrhunderts: Lithium! Doch der moderne Goldrausch begeistert nicht jeden.

Die Umgebung von Zinnwald ist ein herrliches Ausflugsziel. Intensive Probebohrungen könnten Touristen verschrecken, so die Befürchtungen.
Die Umgebung von Zinnwald ist ein herrliches Ausflugsziel. Intensive Probebohrungen könnten Touristen verschrecken, so die Befürchtungen.  © Jens Trenkler

"Am 3. März beantragte die Deutsche Lithium GmbH einen Bohrbetriebsplan mit bis zu 99 geplanten Bohrungen im Bewilligungsfeld Zinnwald", sagte Sachsens Oberberghauptmann Bernhard Cramer auf Anfrage.

"Die Bohransatzpunkte befinden sich in und um Zinnwald. Aktuell wird das Zulassungsverfahren im Sächsischen Oberbergamt durchgeführt."

Inzwischen sickerte durch, dass die Genehmigung wohl Mitte Mai erteilt wird – oder auch nicht. Doch auch wenn es grünes Licht gibt, ist laut Bergamt noch nicht klar, wann geschürft wird.

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Die Deutsche Lithium mit Sitz in Freiberg hält sich dazu bedeckt. Die Mutterfirma Zinnwald Lithium sitzt in Buckinghamshire etwa 50 Kilometer nordwestlich von London. Dort ist sie an der Börse notiert.

Kopfschütteln erzeugen die Bohrpläne in Altenberg, zu dem der Zinnwald gehört.

In und um Zinnwald lagern die größten Lithiumvorkommen Europas.
In und um Zinnwald lagern die größten Lithiumvorkommen Europas.  © Holm Helis
Der sächsische Oberberghauptmann Bernhard Cramer (57).
Der sächsische Oberberghauptmann Bernhard Cramer (57).  © Steffen Füssel

Bohrungen sollen Anwohner stark belasten

Bürgermeister Thomas Kirsten (67, FW) sorgt sich.
Bürgermeister Thomas Kirsten (67, FW) sorgt sich.  © Holm Helis

Bürgermeister Thomas Kirsten (67, Freie Wähler): "Ich begleite die Erschließung der Lagerstätte seit 2010. Erste Bohrungen gab es bereits 2013, 2017 dann nochmals. Die Sinnhaftigkeit der erneuten Bohrungen erschließt sich mir nicht mehr."

Seien doch Mächtigkeit und Vorkommen von Lithium in der Region klar: nämlich dass es sich um die größte Lagerstätte in Europa handelt.

Bohrungen würden jedes Mal die Anwohner stark belasten. Da sei viel Dreck und Wasser unterwegs, so der Bürgermeister.

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Sicher, der Lithiumabbau schaffe 250 Arbeitsplätze. Doch seit im März 1991 die letzte Schicht im Erz gefahren wurde, sei mit dem Tourismus und seinen 2000 Jobs ein neuer Zweig gewachsen.

Kirsten besteht auf bohrfreie Sonntage und Bohrzeiten nur zwischen 7 und 22 Uhr, um die Bürger und zum Beispiel den Zinnwalder "Lugsteinhof" zu schützen.

Titelfoto: Bildmontage: Jens Trenkler & Holm Helis

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