Bittere Pleite im Kampf gegen die Schweinepest: Sachsens Wildsauen zu schlau für Lebendfallen!

Dresden/Kamenz - Alle Bemühungen, die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zu stoppen, sind bislang nicht von Erfolg gekrönt worden. Die Restriktionszonen mussten Anfang November wieder leicht erweitert werden.

Kilometerlange Zaunanlagen, die an den Wegen mit Toren gesichert sind, sollen die Ausbreitung der Seuche stoppen.
Kilometerlange Zaunanlagen, die an den Wegen mit Toren gesichert sind, sollen die Ausbreitung der Seuche stoppen.  © Eric Münch

Saudoof! Selbst in die extra angeschafften Fallen gehen die schlauen Wildschweine nicht.16 Fallen (Importware aus den USA) hat der ASP-Stützpunkt in Kamenz an Jäger ausgegeben.

Weitere Fallen brachten die Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärämter der Landkreise Bautzen und Görlitz in Umlauf.

"In den von uns ausgegebenen Fallen gab es bisher noch keinen Fang", erklärt Gunter Franke vom ASP-Stützpunkt. Er dämpft auch die Erwartungen. "Die Fallen werden über einen längeren Zeitraum aufgestellt. Die Sauen müssen sich erst an diese Fallen gewöhnen", so Franke (63).

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Der erfahrene Jäger berichtet: "Die dümmsten Schweine haben wir bereits erlegt. Jetzt sind nur noch die schlauen unterwegs." Das erschwert die Jagd tierisch.

Seit dem 31. Oktober 2020 gab es in Sachsen 1720 Nachweise der (für Menschen ungefährlichen) Seuche in den Landkreisen Görlitz, Bautzen und Meißen.

Martin Wissmann (56) führt die Geschäfte des Landesjagdverbandes, der die ASP-Leitstelle betreibt. Das Sozialministerium stellte für die Arbeit der Leitstelle 1,5 Millionen Euro bereit.
Martin Wissmann (56) führt die Geschäfte des Landesjagdverbandes, der die ASP-Leitstelle betreibt. Das Sozialministerium stellte für die Arbeit der Leitstelle 1,5 Millionen Euro bereit.  © Steffen Füssel
Der Bestand an Wildschweinen hat sich in den ASP-Schutzzonen erheblich verringert durch die Seuche und die verstärkte Bejagung. Ausgerottet sind die Schweine vor Ort aber bei Weitem nicht, berichten ortsansässige Jagdpächter.
Der Bestand an Wildschweinen hat sich in den ASP-Schutzzonen erheblich verringert durch die Seuche und die verstärkte Bejagung. Ausgerottet sind die Schweine vor Ort aber bei Weitem nicht, berichten ortsansässige Jagdpächter.  © Tino Plunert

Eindämmung der Seuche kostete den Freistaat rund 22 Millionen Euro

Der Vizepräsident des Landesjagdverbandes, Wilhelm Bernstein (68, r.), erklärte im Sommer Sozialministerin Petra Köpping (64, SPD) und Staatssekretär Sebastian Vogel (41), wie solche Lebendfallen funktionieren.
Der Vizepräsident des Landesjagdverbandes, Wilhelm Bernstein (68, r.), erklärte im Sommer Sozialministerin Petra Köpping (64, SPD) und Staatssekretär Sebastian Vogel (41), wie solche Lebendfallen funktionieren.  © Steffen Füssel

Bisher schüttete der Freistaat rund 22 Millionen Euro für Maßnahmen zur Eindämmung der Tierseuche aus. Die innere ASP-Sperrzone II mit Auflagen für Land- und Forstwirtschaft, Jägerschaft sowie die Öffentlichkeit erstreckt sich mittlerweile von der Elbe bis zur Landesgrenze zu Polen (5506 km² Fläche).

Die Pufferzone darum umfasst eine Fläche von 1819 km². In den und um die Sperrzonen hat man bis heute 509 Kilometer Festzaun und 71 Kilometer E-Zaun errichtet.

Die Zäune sollen den Bewegungsradius des Schwarzwilds und damit die Verbreitung des Virus eindämmen. Weitere 170 Kilometer Zaun befinden sich derzeit im Aufbau bzw. in der Vorbereitung.

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Die Jägerschaft ist jedoch der wichtigste Partner des Freistaates im Kampf gegen die Tierseuche, so Sebastian Vogel (41). Er leitet im Sozialministerium den ASP-Krisenstab. Tatsächlich sind die Jäger am Drücker. Bei der ASP-Leitstelle wurden bis jetzt 166 Erntejagden mit 755 beteiligten Jägern abgerechnet.

Ihre Strecke: 88 Stück Schwarzwild. Momentan sind 70 Drückjagden in den Landkreisen Bautzen und Görlitz anvisiert. Gunter Franke: "Wir unterstützen die Jagdausübungsberechtigten bei der Organisation materiell und personell." In Kamenz stehen dafür Ansitze, Kühlanhänger und Hygienewagen bereit.

Teams mit Hunden und Drohnen helfen - auf Anforderung - bei der Suche nach Fallwild und Kadavern.

Titelfoto: Tino Pludert

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