Bergwerkspläne im Erzgebirge stocken: Firma beklagt langes Verfahren

Schwarzenberg - Die Ankündigung vor vier Jahren war vollmundig: 2021 werde in Pöhla im Erzgebirge ein neues Bergwerk in Betrieb gehen und jährlich bis zu 400.000 Tonnen Erz fördern. Zwar wurden über einen Erkundungsschacht einige Tausend Tonnen abgebaut und in einer Pilotanlage aufbereitet. Von einem regulären Bergwerk ist aber zwei Jahre nach der prognostizierten Eröffnung keine Spur.

Über einen Erkundungsschacht wurden einige Tausend Tonnen abgebaut und in einer Pilotanlage aufbereitet. (Archivbild)
Über einen Erkundungsschacht wurden einige Tausend Tonnen abgebaut und in einer Pilotanlage aufbereitet. (Archivbild)  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

"Das Problem in Deutschland ist, dass sich Genehmigungsverfahren immer mehr in die Länge ziehen", beklagt Klaus Grund, Vorstand für Bergbau und Technologie der Saxony Minerals & Exploration AG (SME). "Wir warten seit drei Jahren, dass es weitergehen kann."

Zinn, Wolfram, Flussspat und Indium will die SME in dem Ortsteil von Schwarzenberg dem Berg abtrotzen und in der Region aufbereiten. Und es könnten weitere Metalle dazukommen. Allein für Wolfram und Zinn rechnet Grund mit jeweils 1200 Tonnen im Jahr, die gewonnen werden könnten.

Und die Lagerstätte reiche für einen Bergwerksbetrieb über 60, 70 Jahre, erklärt er. 150 bis 200 Arbeitsplätze könnten direkt rund um das Bergwerk entstehen und etliche mehr indirekt bei anderen Unternehmen.

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Doch der Weg bis zum Bergwerk ist lang - auf einen neuen Starttermin will sich Grund aktuell nicht festlegen. Er hoffe, dass das Planfeststellungsverfahren dieses Jahr abgeschlossen werde. Zumal die Firma schon einen zweistelligen Millionenbetrag investiert habe.

SME-Vorstand beklagt: "Es bekennt sich keiner zum Bergbau in Deutschland"

2019 wurde angekündigt, in zwei Jahren in Pöhla vorrangig Wolfram und Flussspat abzubauen. (Archivbild)
2019 wurde angekündigt, in zwei Jahren in Pöhla vorrangig Wolfram und Flussspat abzubauen. (Archivbild)  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Solche Materialien, wie sie in Pöhla gewonnen werden sollen, sind begehrt. Die EU-Kommission hat eine Liste mit 34 Rohstoffen aufgestellt, die als kritisch eingestuft werden. Das Ziel ist, davon mehr in Europa selbst zu schürfen und zu verarbeiten, um unabhängiger zu werden. Dazu zählen auch Wolfram und Flussspat, wie sie in Pöhla gefördert werden könnten. Und auch die Landesregierung hat Sachsen in ihrer Rohstoffstrategie als "Bergbauland" definiert. Ziel sei es, die Rohstoffversorgung langfristig zu sichern, heißt es darin.

Zwar werde immer wieder nach heimischem Abbau von Rohstoffen gerufen. Doch Grund bemängelt fehlende Unterstützung, wenn es konkret wird.

"Es bekennt sich keiner zum Bergbau in Deutschland." Vielmehr werde die Gesetzgebung immer weiter verschärft. Dabei sei klar, dass Bergbau heute nicht mehr wie in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten betrieben werde und Belange des Natur- und Landschaftsschutzes eine große Rolle spielen müssen. Zurzeit hänge das Genehmigungsverfahren an wasserrechtlichen Fragen, erläutert er.

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Derzeit liefen Abstimmungen mit anderen Behörden etwa zu wasser- und waldrechtlichen Themen, bestätigt Oberberghauptmann Bernhard Cramer. Das Verfahren sei insgesamt weit fortgeschritten. "Bei positivem Verlauf der Erörterung und der Einzelabstimmungen kann das Verfahren zeitnah abgeschlossen werden." Eine genaue Prognose zum Zeitpunkt könne derzeit aber nicht gegeben werden.

Die SME ist in Sachsen auch andernorts aktiv: In Geyer und Elterlein treibt sie Erkundungen zu verschiedenen Erzen voran. Ihr Projekt in Pöhla zählt laut Oberbergamt zu insgesamt fünf Vorhaben zum Abbau von Erzen und Spaten im Freistaat, die weit vorangeschritten sind.

Die Stadt Schwarzenberg steht dem Projekt sehr offen gegenüber, wie Oberbürgermeister Ruben Gehart (CDU) betont. "Wir unterstützen diese Sache." Dabei verweist er auf die jahrhundertelange Bergbautradition in der Region. Und gerade die jüngsten Krisen hätten gezeigt, wie wichtig es sei, für die deutsche Industrie eigene Rohstoffquellen zu nutzen. Die Stadt erhofft sich von der Wiederbelebung des Bergbaus nicht nur neue Arbeitsplätze, sondern auch Firmenansiedlungen.

Titelfoto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

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