Kommentar zu steigenden Mieten in Sachsen: Ursachen erkennen!

Leipzig - Wer in der Großstadt zur Miete wohnt, hat es längst zu spüren bekommen: Die Quadratmeterpreise steigen beständig, der Mietzins frisst immer mehr vom monatlichen Einkommen auf.

Auf Druck der Linken nimmt sich der Sächsische Landtag des Themas Mieten und Mietpreisbremse an.
Auf Druck der Linken nimmt sich der Sächsische Landtag des Themas Mieten und Mietpreisbremse an.  © Jan Woitas/dpa

Dass der Landtag sich nun auf Druck der Linken des Themas annimmt, ist gut. Doch die Regulierungsmöglichkeiten der Landespolitik sind begrenzt. Es ist in etwa so, als würde man einem Krebsgeschwür mit etwas Lokalanästhetikum beikommen wollen.

Die Gründe dieses gesellschaftlichen Tumors liegen viel tiefer. Nämlich in der Aufkündigung des kapitalistischen Status Quo, der in dieser Republik über Jahrzehnte garantierte, dass die, die nur über ihre Arbeitskraft verfügen, genug vom Kuchen abbekommen.

Durch Tariflöhne etwa, die mit den Lebenshaltungskosten und somit auch mit den Mieten wuchsen. Durch eine Banken- und Finanzpolitik, die eine solide Altersvorsorge gewährleistete.

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Die verkorkste Agenda-Reform, die massenhafte Tarifflucht und nicht zuletzt die ruinöse Zins-Politik der EZB haben diesen Status Quo aus den Angeln gehoben. Schlimmer noch: Durch Minuszinsen auf den Konten werden derzeit Milliarden Euro in den Immobilienmarkt gedrückt.

Edel-Sanierungen treiben Mietspiegel-Niveau nach oben

Redakteur Alexander Bischoff sieht eine Mietpreisbremse nur als Schmerzlinderung, nicht als Ursachenbeseitigung.
Redakteur Alexander Bischoff sieht eine Mietpreisbremse nur als Schmerzlinderung, nicht als Ursachenbeseitigung.  © Ralf Seegers

In angesagten Städten wie Leipzig und Dresden werden inzwischen die abgewracktesten Hütten zu Höchstpreisen aufgekauft und edelsaniert, um Eigentumswohnungen hernach als Anlageobjekte verhökern zu können.

Das schlägt natürlich auf die Mieten durch. Denn jede später zur Miete angebotene Edel-Sanierung treibt das Mietspiegel-Niveau des jeweiligen Stadtteils in die Höhe.

Folge: Die anderen Vermieter ziehen nach. Ein Preisdruck, der immer mehr Mieter aus ihren Vierteln vertreibt.

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Mit einer landespolitischen Mietpreisbremse beseitigt man mithin die Ursachen nicht, man lindert lediglich die Schmerzen. Was es jetzt braucht, wissen zumindest die Altlinken genau. Jedenfalls keine Kämpfe um Genderstern und 37 Geschlechter-Identitäten ...

Titelfoto: Bildmontage: Jan Woitas/dpa, Ralf Seegers

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