Die mysteriöse Sage um den Kapellenberg im Vogtland

Vogtland/Chemnitz - Sachsens Geschichte ist sagenhaft vielfältig, Sachsens Mythenwelt nicht minder. Landauf, landab wimmelt es von Berggeistern und untoten Fürsten. Viele der Erzählungen sind Hunderte Jahre alt. Einige der Geschichten wurden von Generation zu Generation mündlich weitergegeben, andere wiederum sind Literatur. Heute: "Die Sage von der Kapelle am Kapellenberg".

Der sagenhafte Kapellenberg mit Aussichtsturm.
Der sagenhafte Kapellenberg mit Aussichtsturm.  © Kristin Schmidt

Immer wieder kommt es vor, dass Sagen über Generationen verschwinden und doch plötzlich auftauchen - in vergessenen Aufzeichnungen eines Dorfpfarrers oder verstaubt im hintersten Regal eines Archivs. Dem Chemnitzer Literaturprofessor Christoph Fasbender (56) widerfuhr vor gar nicht allzu langer Zeit das Glück des tüchtigen Wissenschaftlers.

Er grub die "Sage von der Kapelle am Kapellenberg" aus. Und die geht so: Anna, Maria und Brunhilda sollen drei wirklich wunderschöne Fräuleins gewesen sein. Doch so unübertroffen wie ihre Anmut waren auch ihr Glaube und ihre Keuschheit. Kurz: Die drei Damen ließen keinen an sich heran.

Einer, dem das nicht ganz klar war, hieß Ritter Kuno. Als Sieger eines Turniers sah er sich im Recht, eine der drei standhaften Jungfrauen heimzuführen. Doch ein tapferer namenloser Jüngling meldete sich, die Ehre der drei zu beschützen. Er warf sich in den Kampf und besiegte den kessen Kuno.

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Fataler Effekt: Die drei Frauen wurden weich, verliebten sich in ihn - und zwar gleichzeitig, stürmisch, unheilbar. Doch nun war es der Jüngling, der entsagte. Mehr noch. Er buchte eine Auslandsreise, um als Kreuzritter Jerusalem aufzusuchen.

Der Chemnitzer Literaturprofessor Christoph Fasbender (56) in seinem Studierzimmer.
Der Chemnitzer Literaturprofessor Christoph Fasbender (56) in seinem Studierzimmer.  © Uwe Meinhold
Der "Schwarze Teich" auf dem Kapellenberg in Bad Brambach.
Der "Schwarze Teich" auf dem Kapellenberg in Bad Brambach.  © Kristin Schmidt
Dieses Schild auf dem Kapellenberg kennt noch eine andere Sage zum Ort. Sie bezieht sich auf den "Schwarzen Teich".
Dieses Schild auf dem Kapellenberg kennt noch eine andere Sage zum Ort. Sie bezieht sich auf den "Schwarzen Teich".  © Kristin Schmidt

Die drei verliebten Fräuleins verweigerten nun endgültig irdische Wonnen, trennten sich, um solo jeweils eine Kapelle zu bauen, und schworen, wenn jemals doch eine einem Mann nahe kommt, solle deren Kapelle durch die Kraft einer göttlichen Macht zusammenkrachen!

Fünfzig Jahre vergingen. Inzwischen war Anna verstorben (sie hatte eine Kapelle am Grünberg bei Eger, heute Cheb, gebaut). Maria ebenfalls (ihr Kirchlein stand in Kulm).

Nur Brunhilda lebte noch. Ihre Kapelle befand sich bei Schönberg auf dem Kapellenberg. Schönberg ist heute ein Ortsteil von Bad Brambach im Vogtland.

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Und dann passierte es: Ein greiser Pilger rastete am Kirchlein der greisen Nonne. Er kniete und machte über der Quelle vor der kleinen Kirche ein Weihezeichen. Der alte Mann, naaa?!, richtig, war kein Geringerer als der tapfere und entsagungsvolle Jüngling von einst.

Das erkannte auch die Nonne. Sie fielen einander in die Arme und stürzten zu Boden. Deutlicher wird die Sage nicht ... Da aber kam Gewitter auf. Das Kirchlein - Schwur ist Schwur - stürzte zusammen. Nonne und Pilger waren verschwunden.

Dort, wo der Greis einst die Quelle geweiht hatte, zeugen zwei Male im Brunnenstein vom Pilger: ein Pfeil und ein Kreuz.

Dieser Stein und seine Markierung waren Vorbild für die Nonnen-und-Kreuzritter-Sage, die übrigens erst in der Romantik entstand.
Dieser Stein und seine Markierung waren Vorbild für die Nonnen-und-Kreuzritter-Sage, die übrigens erst in der Romantik entstand.  © Christoph Fasbender, TU Chemnitz
Die Markierung in Nahaufnahme.
Die Markierung in Nahaufnahme.  © Christoph Fasbender, TU Chemnitz

Als der Teufel eine Kanzel mauerte

Die Schlosskirche und das Schlossbergmuseum auf dem Schlossberg in Chemnitz.
Die Schlosskirche und das Schlossbergmuseum auf dem Schlossberg in Chemnitz.  © Kristin Schmidt

Nirgendwo liegen Glauben und Aberglauben so dicht beieinander wie in den Sagenerzählungen. Kein Wunder, dass viele in der Welt der Kirche spielen. Chemnitz kennt eine Sage, die den Teufel direkt ins Gotteshaus eindringen lässt: die "Sage von der Teufelskanzel".

Schauplatz ist die heutige Schlosskirche. Dort soll genau datiert im Jahr 1515 Lucifer persönlich eine Kanzel gebaut haben - um aber sogleich den Zugang zur Kanzel wieder zu vermauern.

Angeblich war der Teufel sauer über das Benediktinerkloster. Aus diesem Kloster wiederum wurde wenig später das Schloss, zu dem die Schlosskirche gehörte.

Titelfoto: Kristin Schmidt

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