Neuer Brunnen für beliebte Baude: Auf dem Kahleberg keimt wieder Hoffnung

Von Egbert Kamprath

Altenberg - Mit 905 Metern Höhe ist der Kahleberg bei Altenberg der höchste Aussichtspunkt im Osterzgebirge. Auf dem Gipfel steht seit den 1960-Jahren eine Bergbaude, in der früher müde Wanderer zur Rast einkehrten. Doch 2018 endete die Ära von Bergwirt Frank Nowosak, mit dem Ende der Bewirtschaftung war auch Schluss mit dem Bestandsschutz. Es galten plötzlich neue, viel strengere Bestimmungen, die nicht mehr einzuhalten waren. Erst jetzt keimt wieder neue Hoffnung für die berühmte Baude.

Klein, aber ein Schmuckstück: Die Kahlebergbaude wird bald wieder Wanderer versorgen können.
Klein, aber ein Schmuckstück: Die Kahlebergbaude wird bald wieder Wanderer versorgen können.  © Egbert Kamprath

Außer einer alten Telefonleitung gibt es keinerlei Medien auf dem Berg. Wasser muss in Kanistern mit Motorschlitten oder Auto auf den Berg geschafft werden.

Für den benötigten Strom tuckert ein Dieselaggregat vor sich hin. Die vor 60 Jahren errichtete Baude musste wegen dieser Bedingungen dichtgemacht werden.

Der Sachsenforst als Besitzer der Immobilie stand vor dem Problem, wie es nun weitergehen soll. Ein touristischer Hotspot wie der Kahleberg, ohne Bewirtschaftung, war eigentlich kaum denkbar.

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Schließlich fand sich eine Übergangslösung: Neben die Baude wurde ein Imbisswagen gestellt, betrieben vom Altenberger Severin Szulczyk (43). Von Anfang an war klar, dass dies nur ein Provisorium sein kann.

Doch neben den bürokratischen Hürden und dem Naturschutz standen auch die Kosten von mehreren Hunderttausend Euro im Raum.

Bohrarbeiter Jens Georges (58) und Kollegen mussten durch viel Gestein, ehe sie nach 90 Metern auf Wasser stießen.
Bohrarbeiter Jens Georges (58) und Kollegen mussten durch viel Gestein, ehe sie nach 90 Metern auf Wasser stießen.  © Egbert Kamprath

Das Kahleberggebiet ist Trinkwasserschutzzone und Vogelschutzgebiet

Kahleberg-Wirt Severin Szulczyk (43, r.) und Wolfram Gläser, Referent beim Forstbezirk Bärenfels, freuen sich, dass es mit der Kahlebergbaude weitergeht.
Kahleberg-Wirt Severin Szulczyk (43, r.) und Wolfram Gläser, Referent beim Forstbezirk Bärenfels, freuen sich, dass es mit der Kahlebergbaude weitergeht.  © Egbert Kamprath

Einfach mal so eine Wasserleitung aufs Dach des Osterzgebirges zu bauen, ist nicht ohne Weiteres umsetzbar und vor allem teuer.

Wegen der Frostgefahr hätte über einen Kilometer weit 1,4 Meter tief in den massiven Fels gegraben werden müssen. So wurde entschieden, vor Ort eine Tiefenbohrung für einen Brunnen durchzuführen.

Das ist zwar ebenfalls sehr teuer, aber immer noch die preisgünstigere Variante. Allerdings war unklar, ob man auch wirklich auf Wasser stoßen würde.

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Wolfram Gläser (61), zuständiger Referent beim Forstbezirk Bärenfels hoffte, dass dafür 70 Meter reichen würden. Am Ende kam das Aufatmen erst bei 90 Metern, als es in der Tiefe plätscherte - dem Brunnenbau stand nichts mehr im Weg.

Parallel beginnt demnächst von der Biathlonarena aus die Verlegung einer 1100 Meter langen Stromleitung.

Alle Arbeiten sollen so schonend wie möglich in die Natur eingreifen, denn das Kahleberggebiet ist nicht nur Trinkwasserschutzzone, sondern auch Vogelschutzgebiet von europäischem Rang.

Mitte Oktober soll die Bergbaude eingeweiht werden

Im Moment verkauft Severin Szulczyk (43) aus einem Imbisswagen heraus - ein Provisorium.
Im Moment verkauft Severin Szulczyk (43) aus einem Imbisswagen heraus - ein Provisorium.  © Egbert Kamprath

Die Bergbaude selbst soll in ihrer Gestalt weitgehend erhalten bleiben, im Inneren aber grundlegend ausgebaut werden.

Severin Szulczyk freut sich, dass er bald eine ordentliche Küche zur Verfügung hat. Vor allem im Winter ist die Arbeit im rauen Klima eine Herausforderung. Dann soll sich auch das Imbissangebot deutlich verbessern. Verkauft wird durch das Fenster heraus.

Eine Innengastronomie ist nicht geplant, der Charakter als einfache Bergbaude soll erhalten bleiben. Im hinteren Teil des Gebäudes gibt es aber einen geschützten Raum, in dem sich die Wanderer bei schlechten Wetter aufhalten können. Auch an den Bau einer zeitgemäßen Toilettenanlage ist gedacht.

Wolfram Gläser hofft, dass Mitte Oktober Einweihung gefeiert wird. Bis dahin steht Severin Szulczyk weiter in seinem Imbisswagen, den Einzug in sein neues Domizil vor Augen.

Titelfoto: Egbert Kamprath

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